Lokales

Allianz für die Nürtinger Tafel

In einer bislang einmaligen Allianz haben fünf Partner Nürtingens neuen Tafelladen auf die Beine gestellt. Die Einrichtung, in der Bedürftige günstig Lebensmittel einkaufen können, wird heute ab 12 Uhr mit einem Tag der offenen Tür eröffnet, der Verkauf beginnt am 4. Juli.

NÜRTINGEN Der Kreisdiakonieverband Esslingen, die Caritas Fils-Neckar-Alb, der DRK-Kreisverband Nürtingen-Kirchheim, die Katholische Kirchengemeinde St. Johannes in Nürtingen und die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Nürtingen tragen das Projekt gemeinsam.

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Der neue Tafelladen in der Mönchstraße 10 verfolgt zwei Ziele: Zum einen können dort Menschen einkaufen, die nur über ein kleines Einkommen verfügen Arbeitslose, Studenten, Rentner und junge oder kinderreiche Familien. Zum anderen werden qualitativ einwandfreie Lebensmittel, die örtliche Händler nicht mehr verkaufen können, vor der Vernichtung bewahrt. Zu etwa einem Drittel des üblichen Verkaufspreises gibt es im Tafelladen dann Gebäck vom Vortag und Lebensmittel, die kurz vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen oder deren Verpackung beschädigt ist. Die Bedürftigkeit muss allerdings nachgewiesen werden, erst dann gibt es einen entsprechenden Ausweis, der zum Einkauf berechtigt. Er muss regelmäßig verlängert werden.

Dass Bedarf für einen Tafelladen besteht, darüber haben die Träger keinen Zweifel: "Der Bedarf steigt eher", weiß Renate Maier-Scheffler, die Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle Nürtingen im Kreisdiakonieverband. Wenn der Laden erst mal bekannt ist, rechnet Lisa Kappes-Sassano, Leiterin des Caritas-Zentrums Esslingen mit rund 400 Stammkunden aus der Stadt und dem Umland.

Der Tafelladen ersetze die bisherige Verkaufsstelle, die die Caritas als Filiale des Esslinger Carisatt-Ladens bisher an zwei Nachmittagen pro Woche in Nürtingen gemeinsam mit der Katholischen Kirchengemeinde St. Johannes betrieb, erläutert Pastoralreferentin Alexandra Holzbauer von St. Johannes. Weil man sah, dass der Bedarf groß ist, haben sich die fünf Partner entschlossen, einen eigenen Tafelladen zu eröffnen. Alle Beteiligten brachten ihre Kontakte und Ressourcen ein, um das Projekt zu stemmen. Die Stadt Nürtingen stellt die rund 120 Quadratmeter großen Räumlichkeiten für mindestens fünf Jahre mietfrei zur Verfügung, ein Architekt erstellte kostenlos die Renovierungspläne, denn von den Bodenbelägen über Heizung, Sanitär und Elektrik musste im Innern praktisch alles komplett erneuert werden. Örtliche Handwerker unterstützten das Projekt. Die Spendenaktion "Licht der Hoffnung" der Nürtinger Zeitung steuerte gut 37 000 Euro als Startkapital bei und der Musikverein Walddorfhäslach verwandelte im Rahmen der SWR-Aktion "Wer hilft, gewinnt" an einem Wochenende im April die tristen Räume in einen hellen und einladenden Laden.

Klaus Roth, Leiter der Sozialarbeit im DRK-Kreisverband Nürtingen-Kirchheim rechnet damit, "dass der Laden spätestens nach drei Jahren kostendeckend arbeitet". Das zumindest sind seine Erfahrungen aus Kirchheim, wo das DRK einen Tafelladen betreibt. Die Nürtinger Tafel kann sich so in einen größeren Verbund einklinken, denn in Filderstadt-Bernhausen betreibt der Kreisdiakonieverband ebenfalls einen Tafelladen. "Wir werden Waren untereinander austauschen", kündigt Eberhard Haussmann, der Geschäftführer des Kreisdiakonieverbands, an. Häufig bekommt nämlich ein Laden mehr von einer bestimmten Ware, als er verkaufen kann, während es an anderem mangelt. Haussmann freut sich besonders darüber, dass bereits viele Nürtinger Einzelhändler ihre Unterstützung zugesagt haben. Und doch meint er: "Es wäre schön, wenn wir keine Tafelläden brauchten."

Betrieben wird die Nürtinger Tafel, die zunächst jeweils dienstags, mittwochs und donnerstags je zwei Stunden am Vormittag und am Nachmittag geöffnet sein wird, überwiegend von Ehrenamtlichen, die die Waren bei den Spendern abholen, sortieren, herrichten und verkaufen. Aber auch für Büroarbeiten werden noch Helfer gesucht. Gut 30 Ehrenamtliche haben sich bereits bei Projektleiterin Christina Rieger gemeldet, doch weitere Unterstützung ist willkommen. Die Ehrenamtlichen sollen von einer hauptamtlichen Kraft begleitet werden, außerdem wird auch noch eine hauptamtliche Marktleiterin oder ein Marktleiter gesucht. Auch für gespendete Ladeneinrichtungsgegenstände sind die Betreiber dankbar. Nähere Informationen erhalten Interessenten von Christina Rieger, Telefon 0711 / 35 10 142 oder im Internet unter www.kreisdiakonie-esslingen.de.