Lokales

Als Modellstadt an der Spitze in Baden-Württemberg

"Wir gehören zur Spitze im Land", betonte Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker stolz vor bürgerschaftlich engagierten Kirchheimern. Anlass war die Verleihung der Bürgermedaille, bei der ein Novum dem anderen folgte: Erstmals wurde die Auszeichnung am internationalen "Volunteers day" verliehen, erstmals standen ein halbes Dutzend Ehrungen und damit so viel wie nie zuvor an, erstmals war eine Gruppe dabei.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Angelika Matt-Heidecker erinnerte an die Signalwirkung, die Anfang der 90er-Jahre von der landesweiten Entwicklung neuer Formen bürgerschaftlichen Handelns ausging. "Kirchheim hat als Modellstadt einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklungsarbeit geleistet", bilanzierte die Stadtchefin. Im Wissen, dass Würdigung und Anerkennung wichtige Bausteine bei der Förderung und Unterstützung des örtlichen Bürgerengagements sind, sei eine "Kultur des Danke sagens" entstanden: "Genießen, geehrt werden und ein Austausch von Gedanken bestimmen deshalb den heutigen Tag des Bürgerengagements in Kirchheim."

"Danke" sagte die Oberbürgermeisterin anlässlich der neunten Bürgermedaillen-Verleihung gleich mehrfach. Die Zahl und die Verschiedenheit der Auszuzeichnenden spiegelte eindrucksvoll die Bandbreite ihres Engagements.

Dem Ehepaar Heike und Wolfgang Heinrich, das für ehrenamtliches Engagement im TSV Ötlingen, im Stadtteilarbeitskreis Ötlingen und in der Behindertenarbeit ausgezeichnet wurde, bescheinigte Matt-Heidecker, "Vereinsmenschen im besten Sinne" zu sein. "Sie praktizieren einen unkomplizierten und überaus erfolgreichen Umgang mit Jugendlichen", hob sie hervor und ergänzte den sportlichen und den sozialen Aspekt um einen gesundheitlichen: "Hätten wir noch mehr von diesen Heinrichs, müssten wir nicht mühsam Programme für übergewichtige Kinder starten." Den sozialen Gedanken lebt das Ehepaar auch alljährlich bei der Durchführung des Sportfestes der Begegnung zwischen behinderten und nichtbehinderten Jugendlichen.

Mit der Verleihung der Bürgermedaille an die Arbeitsgemeinschaft Hospiz wurde der Einsatz von mehr als 40 Frauen und Männern gewürdigt, die Schwerkranke und Sterbende auf dem letzten Stück ihres Lebenswegs begleiten und auch deren Angehörigen eine Stütze sind. Stellvertretend nahmen die Gründungsinitiatoren Elisabeth Moeglin, Christoph Hermann und Martin Mayer Medaille und Urkunde entgegen. Die Arbeitsgemeinschaft Hospiz kenne keine konfessionellen Grenzen, führte Matt-Heidecker aus und betonte, dass in der zehnjährigen Arbeit zur Enttabuisierung eines Themas beigetragen wurde: Die Gemeinschaft habe "in ihrem Wirkungskreis dafür gesorgt, dass Sterben und Tod in unserer Gesellschaft wieder als Teil des Lebens betrachtet wird".

Für ihr Engagement im Verein "Gemeinsam für eine gute Sache" erhielt Barbara Ibsch die Medaille der Stadt. Die Oberbürgermeisterin bezeichnete die langjährige Lokalredakteurin des Teckboten "als quasi berufsbegleitende Spendensammlerin". Durch ungeheures Engagement und hartnäckigen Einsatz konnten unter ihrer Ägide insgesamt 1,7 Millionen Euro für einen guten Zweck gesammelt werden. Zudem habe es Barbara Ibsch verstanden, "mit Geschick und Einfühlungsvermögen die Not derer offen zu legen, die bedacht werden sollten, ohne diese bloßzustellen". So manche Organisation konnte dadurch überleben, wurde in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt und zu einer festen Größe in Stadt oder Kreis.

Norbert Kugel erhielt die Auszeichnung für sein Engagement im Verein für Historische Feuerwehrtechnik, dessen Vorsitzender das ehemalige Gründungsmitglied bis heute ist. "Die historischen Feuerwehrtechniker sanieren rollende technische Kulturdenkmale", holte Matt-Heidecker aus. Dies geschehe aufwendig und zeit- sowie kostenintensiv, wobei Freude am Basteln, Schrauben, Hämmern und Tüfteln Grundvoraussetzung sei. Als Initiator und Koordinator geht die Rettung so manches "Feuerwehr-Veteranen", der schon der Verschrottung geweiht war, auf das Konto Norbert Kugels. "Mit ihnen und den wiederhergestellten Fahrzeugen kann sich Kirchheim bei Veranstaltungen sehr wohl sehen lassen", betonte die Rednerin.

"Sie sind für die Kultur in Kirchheim zu einem unverzichtbaren Interessenvertreter geworden." Diese Worte richtete die Oberbürgermeisterin an Bernd Neugebauer, der die Bürgermedaille für sein ehrenamtliches Tun in der AG Kultur, bei der Stadtkapelle und der Museumspädagogik erhielt. Unermüdlich habe der "Pädagoge durch und durch" am Image der Stadtkapelle gefeilt und zahlreiche Kontakte geknüpft. Nun gehe es darum, der AG Kultur als deren Vorsitzender eine neue schlagkräftige Struktur zu geben. "Ein ähnlich starker Verband wie der Stadtverband auf Sportseite soll für die Kultur geschaffen werden", erläuterte die Verwaltungschefin und prophezeite, auch das werde zweifellos gelingen. Das Engagement Neugebauers gilt ferner der Musikschule und der Museumspädagogik.

Für ehrenamtlichen Einsatz in der evangelischen Gesamtkirchengemeinde, dem Diakonieausschuss, im "Projektausschuss Bau" der Alten Scheuer und in der Ötlinger Johanneskirchengemeinde wurde Walter Ostertag ausgezeichnet. Angelika Matt-Heidecker hob hervor, mit wie viel Energie er seine Arbeit an mehreren Stellen der kirchlichen Gemeinde wahrnahm und vielerorts gar als treibende Kraft wirkte. So bezeichnete sie ihn als "spiritus rector des Fördervereins für Jugendarbeit in der Ötlinger Johanneskirche", hatte er sich doch dort erfolgreich für eine auf Spendenbasis finanzierte Jugendreferentenstelle eingesetzt. In Anlehnung an die Aufzählung der sieben Gnadengaben für den Gemeindedienst durch Paulus im Römerbrief beglückwünschte sie Walter Ostertag zur "Gabe des Dienens".

Für alle Ausgezeichneten trat abschließend Walter Ostertag ans Rednerpult und betonte, dass die Bürgermedaillen stellvertretend für sämtliche ehrenamtlich engagierten Menschen in der Stadt Kirchheim entgegengenommen wurden. Kurz skizzierte er das Schreckensbild eines Kirchheims ohne Ehrenamtliche: Vom gefahrbeladenen Überqueren der Durchfahrtsstraße in Jesingen ohne Schülerlotsen über das vergebliche Hoffen Bewegungsfreudiger auf ihre Trainer bis zum ungehörten Anruf angesichts eines brennenden Hauses bei einer Feuerwehr war da die Rede. "Die Grundhaltung des Ehrenamtes ist das Engagement für den Staat", sah der Redner die zahlreichen Aktivitäten in einer politischen Dimension und betonte, dass diese Grundhaltung immer wichtiger werde. Was die soeben mit der Bürgermedaille ausgezeichneten Kirchheimer betraf, versprach Ostertag weiteren Einsatz getreu der Aufforderung des Propheten Jeremia "Suchet der Stadt Bestes" .

Gelegenheit zum Gedankenaustausch bot ein Stehempfang im Anschluss an die Preisverleihung. Zuvor hatte Fabian Schläper, am Klavier unterstützt von Tina Häussermann, das Thema Ehrenamt künstlerisch weitergesponnen.