Lokales

"Alte Menschen sind für uns die Brücke über die Zeit"

Das Altenzentrum Sankt Hedwig ist "LEBENSwert und liebensWERT" unter diesem Motto begann bereits am Sonntag, 15. Oktober, in der Kirche Maria Königin mit einem festlichen ökumenischen Auftaktgottesdienst die Festwoche zum 40-jährigen Bestehen des Altenzentrums. In einem feierlichen Festakt am vergangenen Freitag war Gelegenheit gegeben zum Rück- und Ausblick.

RUDOLF STÄBLER

Anzeige

KIRCHHEIM Das Altenzentrum, getragen von der Paul-Wilhelm-von-Keppler-Stiftung, hatte sich viele Aktivitäten zum 40-jährigen Bestehen ausgedacht. Nach dem einleitenden Gottesdienst lud ein Quiz über die gesamte Woche zum Mitmachen ein. In den Foyers gab es eine Dokumentation in Bild und Wort über die Chronik des Hauses zu betrachten. Dazu stand während der Festwoche der Menü-Plan unter dem Motto: "Was die Großmutter kochte", ein Angebot auch für die Nutzer des Offenen Mittagstisches. Von Montag bis Donnerstag war jeweils ein besonderer Nachmittag in Sankt Hedwig angesagt. Es begann mit einem "Pfiffigen Nachmittag", "Rund um das Brot", "40 Jahre vergehen wie im Flug" . . . . und "Musik der letzten 40 Jahre". Am gestrigen Sonntag bestand für die Interessierten die Möglichkeit, eine Hausführung im Altenzentrum mitzumachen. Und das Kultur-Cafe der Sanwaldstiftung veranstaltete einen Nachmittag mit echter Kaffeehaus-Musik.

Claudia Sauer, Mitarbeiterin des Altenzentrums, die als Moderatorin durch den Festabend am Freitag führte, bekannte: "Wir feiern schon fast eine ganze Woche" und freute sich, dass sie Dr. Alfons Maurer, Vorsitzender der Paul-Wilhelm-von-Keppler-Stiftung begrüßen konnte.

Dr. Alfons Maurer ging in seiner Festansprache auf die Historie des Krichheimer Altenzentrums ein. Dieses wurde am 13. Juni 1966 eingeweiht, Träger war der Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Hierzu gab es auch eine Notiz in unserer Zeitung: "Prälat Weitmann wird das neue Altenheim einweihen, das den Namen der Cariatsheiligen aus der Heimat der Vertriebenen trägt." Maurer erinnerte daran, dass 1987 Sankt Hedwig umgebaut und erweitert wurde und ein Jahr später die erste Pflegedienstleistung übernommen hat. Am 1. Januar 2000 fand dann der Trägerwechsel auf die Paul-Wilhelm-von-Keppler-Stiftung statt. Danach wurde die Tagespflege eröffnet und auf den Wohnbereichen wurde die Lebensraumgestaltung eingeführt. Zum Jahreswechsel 2004/05 initiierte die Sanwald-Stiftung das "Kulturcafe" als offene Begegnungsmöglichkeit.

Dr. Maurer betonte in seiner Festrede auch die stets gute Zusammenarbeit mit der Stadt Kirchheim und den Bürgerinnen und Bürgern. Ebenfalls sehr hilfreich und "sehr unterstützend" nannte der Redner die Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde. Heute, so Dr. Maurer, werde im Altenzentrum eine professionelle und fachlich hochqualifizierte Pflege und Betreuung angeboten. Neben der klassischen Dauerpflege gebe es die Kurzzeitpflege, die Tagespflege und die Möglichkeit zum Mittagstisch für Senioren. Der Referent erinnerte daran, wie viele Menschen in diesen 40 Jahren in Sankt Hedwig ein- und ausgegangen sind, wie viele Bewohner das Altenzentrum gesehen haben, wie viele Angehörige diese Bewohner besucht haben, wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt waren und sind und wie viele freiwillige, ehrenamtliche Helfer und Freunde von Sankt Hedwig in dieses "gastliche Haus" gekommen sind. "Das ist ein gigantisches Beziehungsnetz von Menschen." Maurer weiter: "Wir blicken heute auch auf Jahre und Jahrzehnte von intensiven Lebens- und Gefühlsmomenten in diesem Haus zurück und wir können dankbar auf die Menschen zurückschauen, die Sankt Hedwig mit Leben und Menschlichkeit erfüllt haben." Und er schrieb den Gästen ins Stammbuch: "Die alten Menschen sind für uns die Brücke über die Zeit."

Roland Böhringer, Leiter des Sozialamtes der Stadt Kirchheim, stellte im Rahmen des Festaktes auch die Leistungen der Stadt Kirchheim heraus. Man habe bisher neun Altenpflegeeinrichtungen in der Stadt und die zehnte Einrichtung sei gerade im Bau. So hat die Stadt Kirchheim bald 510 Pflegeplätze für ältere Menschen. Sein Lob galt der Einrichtung Sankt Hedwig. Hier habe man sich in den letzten Jahren vielen fachlichen Herausforderungen stellen müssen. Er nannte als Beispiel die Einführung der Pflegeversicherung, viele neue Standards in der Pflegequalität, Dementenversorgung, Pflegedokumentation und Fachkräftemangel seien allerdings nur einige Schlagworte. Böhriger: "Sankt Hedwig hat diese Aufgaben mit Bravour gemeistert und ist mit seiner modernen Angebotspalette bestens aufgestellt."

Inge Hafner, Altenhilfefachberaterin des Landkreises Esslingen, befand in ihrem Grußwort: "Es ist etwas Erhabendes um Euch." 40 Jahre solch ein Haus zu führen sei schon eine besondere Leistung. Sie bescheinigte den Verantwortlichen des Hauses "eine gute Vergangenheit" und sagte ihnen auch eine "gute Zukunft" voraus. Mit einem deutlichen Seitenhieb auf die vielen Behördenvorschriften stellte sie die Frage, "ist der neue Seifenspender die geforderte Qualität oder das menschliche Klima in solch einem Heim". So gelte es in den Alteneinrichtungen ein "Wohlfühlklima" zu schaffen. Ihr abschließender Wunsch: "Die Generationen sollen im Guten miteinander verbunden sein."

Für den passenden Rahmen an diesem Festabend sorgte der Posaunenchor Raidwangen, der zunächst mit klassischen Werken von Georg Philipp Telemann, Georg Friedrich Händel, Joseph Haydn und Johannes Sebastian Bach brillierte. "Highland Cathedral" und "Erd und Himmel sollen singen" bereiteten den Schritt in die moderne Musikliteratur vor. "Herr, gib uns Mut zum Hören" war der glänzende Abschluss.