Lokales

Alte Obstsorten sind gesund für den Menschen

Die Agenda-Arbeitsgruppe L.A.N.D. veranstaltete den Theorieteil ihres Obstbaumschnittkurses. Zum Praxisteil am Samstag, 4. Dezember, sind auch weitere Interessierte eingeladen.

KIRCHHEIM Eingangs wies Silvia Weidenbacher, die Leiterin der Arbeitsgruppe, auf die verschiedenen Bedeutungen der Streuobstwiesen hin, zu deren Erhaltung der Agenda-Arbeitskreis zusammen mit der Stadt Kirchheim gerne beitragen möchte. Neben dem hohen Stellenwert der Streuobstwiesen für die Erholung, das Landschaftsbild, das Kleinklima, Pflanzen und Tiere sowie den Boden- und Wasserhaushalt hob sie die europäische Wichtigkeit der Streuobstwiesen im Albvorland als Internationales Vogel-Brutgebiet (IBA) hervor.

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Der Referent Ernst Frank, Fachwart für Obst und Garten, strich anschließend die Bedeutung alter Lokalsorten und neuer "resistenter" Sorten heraus. Diese Arten haben eine hohe Toleranz gegenüber Krankheiten und Schädlingen, was einen ertragreichen Anbau ohne chemische Pflanzenschutzmittel ermöglicht. Sie sind wegen ihres hohen Gehaltes an Vitaminen und krebshemmenden sekundären Pflanzenstoffen aus ernährungswissenschaftlicher Sicht besonders gesund. Der Vi-tamin-C-Gehalt von 100 Gramm Apfel kann durch das Zusammenspiel mit Phenolzusammensetzungen je nach Sorte viel wirksamer sein als eine Vitaminbrausetablette. Viele der besonders süßen Sorten, die häufig im Supermarkt angeboten werden, können diese positiven Eigenschaften nicht aufweisen.

Die alten Lokalsorten stellen auch ein Gendepot für Weiterzüchtungen sowie ein bedeutendes kulturelles Erbe dar. Im 18. Jahrhundert wurden beispielsweise 1500 Apfelsorten in Deutschland angebaut, die alle robust und an die jeweiligen lokalen Standortbedingungen angepasst waren. Sie tragen klingende, oft auch ihre Herkunft verratende Namen wie Berner Rosenapfel, Brettacher, Gewürzluike, Jakob Fischer oder Linsenhofer. Die alten Sorten fanden auch Verwendung, als in den 90er-Jahren in Dresden-Pillnitz neue, anpassungsfähige und gegen Krankheiten tolerante Sorten gezüchtet wurden. Die Namen dieser so genannten "Re"-Sorten beginnen auch so: Reglindis, Reka, Relinda, Remo, Rene oder Retina.

Weiter ging es mit der Frage, was beim Pflanzen von Obstbäumen zu beachten ist. Hier sei vor allem der Fruchtwechsel genannt, der am gleichen Standort höchste Bedeutung hat. Kernobst und Steinobst sollten sich abwechseln, da die Bodennähr-stoffe einseitig ausgenützt werden. Ein Apfelbaum, der auf die gleiche Stelle gepflanzt wird, an der schon einer stand, wird nie gut wachsen können, es sei denn, man nimmt einen Bodenaustausch vor.

Ernst Frank betonte, dass es beim Schneiden der Obstbäume wichtig ist, die Wachstumsgesetze im Groben zu kennen und nicht völlig gegen sie zu arbeiten. Ein Gleichgewicht zwischen Wurzelkrone und oberirdischer Krone muss beachtet werden, da die Bäume versuchen, jeden Eingriff entsprechend ihrer genetisch festgelegten Wachstumseigenschaften wieder auszugleichen.

Um die Schnitttechniken in der Praxis zu sehen und eventuell auch selbst zu erledigen, können alle Interessierten an einem Praxistermin teilnehmen. Dieser findet am Samstag, 4. Dezember, in der Jesinger Halde statt. Vormittags wird von 9.30 bis 11.30 Uhr unter anderem auch gezeigt, wie eine Bodenprobe entnommen werden soll, um durch Einschicken an die Uni Hohenheim ein Bild über die Nährstoffverhältnisse zu bekommen. Düngung ist zwar wichtig, sie sollte jedoch nicht aufs grade Wohl erfolgen. Nachmittags steht dann bis zum Einbruch der Dunkelheit der Schnitt von verschiedenen Obstbäumen auf dem Programm. Robustes Schuhwerk mit rutschfester Sohle wird empfohlen. Teilnehmer, die nach Unterweisung selbst "Hand anlegen" wollen, sollten Rebschere, Baumsäge und eine kleinere Obstbaumleiter mit Stützen mitbringen.

Treffpunkt für den Samstagvormittag ist um 9.30 Uhr am Parkplatz gegenüber dem Schlossgymnasium und am Nachmittag um 14 Uhr am Sportplatz Jesingen.