Lokales

Alte Tradition geht verloren

Standesämter in Gutenberg und Schopfloch werden geschlossen

Der Anfang vom Ende? So weit will Bürgermeister Schlecht nicht gehen. Aus rein sachlichen Gründen würden die Standesämter in Gutenberg und Schopfloch geschlossen. Dieser Argumentation folgte der Gemeinderat mehrheitlich bei fünf Gegenstimmen.

Iris Häfner

Lenningen. Wenig begeistert war Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht davon, dass die beiden Ortsvorsteher von Gutenberg und Schopfloch, Dietmar Jauss und Gunter Berger, „den Teufel an die Wand malen“. Wegen der Gesamtverantwortung für Lenningen könne er gar nicht anders handeln. „Der Verlust wird den Bürgern nicht so schwer fallen wie den Ortsvorstehern“, ist der Schultes überzeugt. Dieser Schritt sei zwar ein Einschnitt, jedoch kein Einstieg in den Ausstieg bezüglich der Teilort-Rathäuser.

Ohne Frage ist es für Schopfloch und Gutenberg ein wesentlicher Umbruch. Was über Jahrhunderte Bestand hatte, wird nun wegen der elektronischen Datenerfassung ad acta gelegt. „Wir müssen uns anpassen. Andere Kommunen haben diesen Schritt schon vollzogen“, erläuterte Hauptamtsleiter Günther Kern die Zwänge, die Lenningen von außen auferlegt werden. In Zukunft müssen sich die Standesbeamten mit einer Signaturkarte auseinandersetzen, was bedeutet, dass ein Mitarbeiter den gesamten Vorgang bearbeiten und abschließen muss. „Die Ansprüche steigen erheblich. Immer mehr müssen sich die Standesbeamten mit schwierigen Rechtsfragen befassen“, so Günther Kern. Aus Sicht des Städtetags werde daher der Mittlere Dienst empfohlen, in Bayern sei es sogar der Gehobene Dienst. Statt der Personenstandsbücher wird es im Zuge der Reform nur noch elektronische Register geben.

Gegen den Verbleib sprechen aus Sicht der Hauptverwaltung die bescheidenen „Fallzahlen“ und die geringeren Öffnungszeiten. Der fachliche Aufwand würde in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen. Die beiden Ortsvorsteher befürchten jedoch den Verlust des Bürgerservices vor Ort. „Wir haben die längeren Öffnungszeiten im Oberlenninger Rathaus mitgetragen, was sich nun als Bumerang erweist“, zeigte sich Dietmar Jauss enttäuscht. Er versteht diesen Schritt als Kompetenzbeschneidung. Von Salamitaktik spricht Gunter Berger. „Wenn die alten Bücher nicht mehr bei uns aufbewahrt werden, ist das ein gewisser Verlust von Identität“, erklärte er.

Am Ende der Diskussion war die Mehrheit des Gemeinderats der Ansicht, mit der Schließung der Standesämter in den Teilorten die richtigen Weichen für die Zukunft von Lenningen gestellt zu haben. Allerdings werden weitere Einschnitte befürchtet.

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