Lokales

Alter Wunsch des Turnvereins neu überdacht

Nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch ließe sich eine neue Sporthalle auf dem Areal der Bissinger Grund- und Hauptschule erstellen. Dies belegt eine entsprechende Machbarkeitsstudie, die jüngst dem Gemeinderat präsentiert wurde.

RICHARD UMSTADT

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BISSINGEN Der Wunsch des 1898 gegründeten Bissinger Turnvereins nach einer neuen Halle ist nicht neu. Bereits vor Jahren beantragte der mit 1 200 Mitgliedern größte Verein in der Seegemeinde eine Sporthalle. "Wir können in unserer Turnhalle keinen Ballsport ausüben. Die aktiven Faustballmannschaften müssen auswärts trainieren, was uns einiges kostet" bedauerte TV-Vorsitzender Karl Schaufler, der gerne auch noch weitere Sportarten im Verein angeboten hätte. Bislang gibt es im Turnverein Bissingen sieben Abteilungen: Tennis, Tischtennis, Faustball, Geräteturnen, Leichtathletik, Breitensport, Alpin- und Radsport mit den Gleitschirm- und Drachenpiloten. "Jeder dritte Bürger ist bei uns Mitglied," sagte Karl Schaufler. "Hätten wir eine dreiteilige Sporthalle, dann könnten wir auch parallel fahren und viele unserer Mitglieder könnten gleichzeitig aktiv sein."

Allein das Finanzsäckel bestimmte die Prioritätenliste und setzte zunächst ein neues Rathaus für die Seegemeinde auf Rang eins. Andere Investitionsbrocken wurden hintan gestellt. Ende Juni 2003 wurde das moderne Verwaltungsgebäude eingeweiht. Inzwischen ist es integrierter Teil des Ortsbildes gegenüber des Alten Rathauses und zwischen "Adler" und Marienkirche.

Im neuen Verwaltungsbau tagen regelmäßig die Bürgervertreter. Hier stellten Karl-Heinz Single vom Architekturbüro Weinbrenner & Single, Stuttgart, sowie Albrecht Reuß, vom Ingenieur- und Vermessungsbüro Lamparter, Weilheim, die Machbarkeitsstudie für eine Dreifach-Sporthalle dem Gemeinderat vor. Zwar besitze der "Bol", dort befindet sich das Bissinger Schulareal, eine besondere Topographie und die Lage ist aufgrund der Obstbaumwiesen in unmittelbarer Umgebung relativ sensibel. Dennoch könne die Sporthalle hinter der 1966 gebauten Mehrzweckhalle erstellt werden und würde auch, weil in den Hang gebaut, ins Landschaftsbild passen.

Die Experten stellten eine zweigeschossige Halle vor mit Geräteräumen im Untergeschoss und einem Foyer sowie Umkleideräumen im Erdgeschoss. Diese Sporthalle könnte mit zwei Zwischenwänden ausgestattet werden und würde dann drei Räume, jeweils in Basketballspielfeldgröße, für den Sportunterricht bieten. Der Spielplatz hinter der Mehrzweckhalle müsste allerdings dem neuen Gebäude weichen und in den Schulbereich integriert werden. Auch sollte die dortige Sprungbahn in eine andere Ecke verlegt werden.

Wie Albrecht Reuß sagte, stelle die Entwässerung des Gebäudes kein Problem dar. Großes Augenmerk richtete er auf die Parksituation, die sich durch den Bau einer solchen Sporthalle ergeben würde. Die derzeit auf dem Hartplatz hinter der Schule befindlichen 32 Parkplätze würden wegfallen. Deshalb sollten zu den bestehenden 36 Stellplätzen im Schuleingangsbereich und entlang der Schulstraße weitere 30 neue entlang des Feldweges hinter der Schule hinzukommen. Diese Parkplätze würden zwar für eine Veranstaltung mit bis zu 500 Gästen in der Mehrzweckhalle ausreichen. Nicht aber, wenn gleichzeitig in der Sporthalle trainiert würde. Das heißt, die Nutzungen in Sport- und Mehrzweckhalle müssten aufgrund der Parksituation abgestimmt werden, so Reuß.

Der Bissinger Gemeinderat nahm die Ausführungen von Karl-Heinz Single und Albrecht Reuß wohlwollend zur Kenntnis, will aber das Vorhaben nicht weiter verfolgen. Die Sporthalle würde mindestens drei Millionen Euro kosten. Eine kostengünstigere Bauweise sei aufgrund der Topografie nicht möglich.