Lokales

Alternativstandort Hahnweide

ICE-Trasse: Kreisbauernverband wehrt sich gegen Aushub auf Äckern

Die Bauern wollen den Erdaushub vom Bau des Albvorlandtunnels auf der ICE-Schnellbahnstrecke Stuttgart – München nicht auf ihren Äckern haben. Die Erdmassen sollen nach Ansicht des Kreisbauernverbands entweder auf der Hahnweide oder beim Tachenhäuser Hof abgelagert werden.

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richard umstadt

Kirchheim. Siegfried Nägele, ein Teil der Doppelspitze des Kreisbauernverbandes, will keine Emotionen schüren und weist auf das noch laufende Planfeststellungsverfahren hin, in dessen Rahmen die Landwirte angehört wurden. Das Terrain ist nicht nur massig – 3,2 Millionen Kubikmeter Erde werden bewegt –, sondern auch von den Befindlichkeiten her schwierig, weiß Nägele. Sowohl auf kommunaler Seite als auch seitens der Landwirte. Denn rund 1,9 Millionen Kubikmeter des Aushubs aus dem 8,2 Kilometer langen Tunnel zwischen Wendlingen und Kirchheim soll zu Lärmschutzwällen aufgeschüttet werden – „alles auf wertvollen Ackerflächen“, so Siegfried Nägele. Und das geht den Bauern gewaltig gegen den Strich.

Insgesamt zwischen 18 und 20 Hektar gehen der Landwirtschaft dadurch verloren. Betroffen sind Äcker zwischen dem Kirchheimer Kruichling und dem Lindorfer Rübholz sowie zwischen der Brücke an der alten Naberner Straße und dem Jesinger Wald. Dabei erreicht der Lärmschutzwall entlang der Hochgeschwindigkeitstrasse im Bereich Ötlingen eine Breite bis zu 200 Meter. „Das ist kein Lärmschutzwall, das ist eine Erddeponie“, ärgert sich der Bauernführer. Was ihn dabei besonders wurmt, ist, „dass nur für den Moment gedacht wird und nicht für Generationen.“ Denn der Landverbrauch im Namen des Fortschritts schreitet weiter voran, und die Bauern haben das Nachsehen. Gerne werde in Reden der Begriff „Nachhaltigkeit“ in den Mund genommen. „Doch was hier gemacht wird, ist nicht nachhaltig. Das Ackerland ist verloren“, meint Siegfried Nägele.

Deshalb begaben sich die Bauern auf die Suche nach alternativen Standorten für die Lagerung der Erdmassen und wurden fündig. Insgesamt vier Gebiete zwischen Kirchheim, Reudern und Oberboihingen nahmen Vertreter des Kreisbauernverbandes und des Landratsamts in Augenschein. Zwei Standorte im Donzdorfer Tal lehnte die Behörde ab. Übrig blieben die Talauen zwischen der Hahnweide, den Bürgerseen und dem Wald in Richtung Dettingen sowie der Hang einer Klinge östlich des Hofguts Tachenhausen. In beiden Bereichen, sowohl in den Talauen der Hahnweide als auch beim Hofgut, könne man die Erdmassen so modellieren und rekultivieren, dass sie wieder landwirtschaftlich genutzt werden könnten. „Das geht nicht von heute auf morgen“, weiß Nägele, der sich auch in Bezug auf die Hahnweide nichts vormacht: „Der Flugbetrieb wäre beeinträchtigt.“ Doch könnte dadurch Ackerland erhalten werden, argumentiert Siegfried Nägele, dann wäre damit sowohl den kommenden Fliegergenerationen als auch den künftigen Landwirten geholfen. „Das wäre wirklich nachhaltig.“

Im Moment trägt das Regierungspräsidium Stuttgart als Anhörungsbehörde alle Meinungen und Einwände zusammen und leitet sie an das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) als Aufsichts- und Genehmigungsbehörde weiter. „Was bei der Abwägung herauskommt, kann ich nicht sagen“, meint der Verbandsvorsitzende der Bauern im Kreis Esslingen. Eines ist jedoch für Siegfried Nägele klar: „Sollten die vom Kreisbauernverband vorgeschlagenen Alternativen nicht untersucht oder abgelehnt werden, werden wir dagegen klagen.“ Nicht gegen den Albvorlandtunnel – „das ist eine positive Lösung“ –, sondern gegen die Ablagerung des Erdaushubs auf wertvollen Ackerflächen, „angesichts realisierbarer Alternativen.“ Dabei verweist Nägele auf das novellierte Naturschutzgesetz. Bestandteil dieses Gesetzes ist der Bodenschutz, wobei auf Land- und Forstwirtschaft Rücksicht genommen werden muss. Gute Böden dürfte man nur insoweit in Anspruch nehmen, wie dies unumgänglich sei.