Lokales

Altes Juwel überzeugt mit eigenen Reizen

Weilheimer Schlossscheuer wird authentisch saniert – Aufträge gehen an viele Betriebe aus der Region

Schlicht, aber authentisch emp­fängt die Weilheimer Schlossscheuer künftig ihre Besucher. Wie das Kulturdenkmal im Detail saniert wird, hat der Gemeinderat nun festgelegt. Bei der Modernisierung des alten Gebäudes kommen viele örtliche Betriebe zum Zug.

Tobias Flegel

Weilheim. „Das Gebäude ist sein eigenes Exponat“, fasste der Stuttgarter Architekt Peter Schell das Ziel der Sanierung zusammen. Im Klartext heißt das: Durch die Verwendung natürlicher Materialien wollen Schell und sein Kollege Johannes Pulm den ursprünglichen Charakter des historischen Gebäudes zum Vorschein bringen. Als Stätte für kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen sollen die Reste des aus dem 15. Jahrhundert stammenden Stadtschlosses dann für die Öffentlichkeit erlebbar werden.

Die Präsentation der Sanierungspläne vermittelte einen Vorgeschmack, wie das Fachwerkhaus innen aussehen wird. Peter Schell und Johannes Pulm erläuterten die Details des Konzepts im Obergeschoss der Weilheimer Stadtbücherei – ein Gebäude, für dessen Umbau Schell ebenfalls verantwortlich war. Ähnlich wie beim Kapuzinerhaus setzt der Architekt bei der Modernisierung der Schlossscheuer auf Authentizität.

Die vorhandene Substanz greifen Schell und Pulm auf und rüsten sie für eine zeitgemäße Nutzung. Für den Boden im Erdgeschoss sehen die Architekten flach verlegte und verfugte Backsteine vor. Das Material ist preiswert, belastbar und wurde an dieser Stelle schon früher verwendet. Auch der Boden des ersten und zweiten Geschosses behält durch die Verwendung von Eichendielen einen natürlichen Charakter. Holz kommt weiterhin bei den Stufen für die Treppen zum Einsatz, deren Wangen aber aus Stahl sein werden. Ganz aus Metall ist die Feuertreppe, die außerhalb des Haues von den oberen Stockwerken nach unten führt. Ein filigranes Modell soll dafür sorgen, dass die Konstruktion optisch nicht auffällt.

Unprätentiös ist auch der Energieverbrauch der sanierten Schlossscheuer. „Das Gebäude ist ein Null-Energie-Haus“, sagt Peter Schell zum künftigen Bedarf. Die Sparsamkeit rührt daher, dass sich der Gemeinderat im März vergangenen Jahres da­rauf verständigt hatte, das Haus ohne Heizung auszurüsten. Eine Nutzung im Winter ist deshalb nicht vorgesehen. Dennoch können Exponate während der kalten Jahreszeit in den Räumen aufbewahrt werden: Das Sanierungskonzept sieht Fenster mit Isolierglas sowie eine leichte Dämmung des Daches vor.

Das authentische Antlitz der Schlossscheuer bleibt von außen gewahrt. Der Anbau an das von der Grundfläche nur „klassenzimmergroße“ Fachwerkhaus soll die Farbe „Kalk-Puder“ bekommen, wodurch sich der jüngere Teil des Gebäudes abhebt. Beim Dach setzen die Architekten auf Biberschwanz-Ziegel. Der Rest der Stadtmauer bleibt bestehen und auf Antrag von Stadtrat Joachim Meyer werden auch die letzten der verbliebenen originalen Fensterläden wieder im Innern vor die Fenster eingesetzt. Nicht einigen konnten sich die Stadträte jedoch über die Frage, ob das Fachwerkhaus außen angestrahlt werden soll. Die Möglichkeiten dafür werden aber eingerichtet.

Die enge Arbeit an der historischen Vorlage fand die Zustimmung der Gemeinderäte. Einstimmig nickten sie die Einzelheiten von Peter Schells Konzept ab. Mit den Worten von Bürgermeister Hermann Bauer befindet sich die Sanierung der Schlossscheuer damit in der „Schlusskurve von der Planung zur Realisierung“. Lässt es die Witterung zu, können die Handwerker im Februar mit der Arbeit beginnen.

Dabei werden größtenteils Betriebe aus Weilheim und Umgebung zum Zuge kommen. Trotz einer bundesweiten Ausschreibung hatten viele Firmen aus der Region die günstigsten Angebote eingereicht. Dies freute Stadtrat Siegfried Lehmann: „Dass viele örtliche Unternehmen zum Zuge kommen ist in der jetzigen wirtschaftlichen Lage optimal.“

Die Sanierung der Schlossscheuer kostet nach aktuellen Berechnungen rund 687 000 Euro. Für die Finanzierung erwartet die Verwaltung einen Zuschuss aus dem Landessanierungsprogramm in Höhe von rund 350 000 Euro.

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