Lokales

"Am Boden geblieben"

DETTINGEN Am morgigen Freitag feiert Babette Jauch in Dettingen ihren 90. Geburtstag. Geboren wurde

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ANDREAS VOLZ

sie am 22. April 1915 in Suppingen als Babette Hirschle, ältestes von fünf Kindern der Wirtsleute im dortigen Gasthaus "Zum Engel". Mit 20 Jahren kam sie in die Gemeinde am Fuß der Teck. Im "Lamm" war sie "in Stellung", und dort lernte sie auch ihren ersten Mann Erwin Jauch kennen. Er stammte aus Schwenningen und war als Segelflughauptlehrer nach Dettingen gekommen. Weil es an seinem Arbeitsplatz freitags aber nur Fisch zum Essen gab, ist er regelmäßig mit einigen Kameraden ins "Lamm" gekommen.

Vor der Heirat im Jahr 1938 war die Braut aber noch ein Jahr in einem Privathaushalt in Kirchheim tätig. Der Ehe selbst jedoch war nur eine kurze Dauer beschieden: 1942 stürzte Erwin Jauch mit einer Me 109 bei einer Notlandung 60 Kilometer nördlich von Riga ab. Babette Jauch musste schauen, wie sie mit ihren beiden kleinen Töchtern die Kriegs- und die Nachkriegszeit in Dettingen überstand. Für ihre Mithilfe bei Bauern gab es Lebensmittel, ein Viehhändler aus Suppingen hat auf seinem Weg "ins Unterland" immer wieder mal ein Brot mitgebracht.

1948 heiratete Babette Jauch zum zweiten Mal ihren Schwager Willi, den Bruder ihres verstorbenen Mannes. Er war ebenfalls durch den Segelflug nach Dettingen gekommen. Von 1954 bis 1990 war er Vorsitzender der Fliegergruppe Dettingen. Zur großen Familie der Flieger gehörte natürlich auch Babette Jauch, allerdings eher in der Kategorie "Bodenpersonal": Lange Zeit hat sie sich Sonntag für Sonntag um die Bewirtung in der Fliegerkantine gekümmert. Geflogen ist sie so gut wie nie.

Von 1955 bis 1966 hat Babette Jauch bei der Tuchfabrik Berger in Dettingen gearbeitet und mit dazu beigetragen, dass die angewachsene Familie Sohn Günther ist allerdings nicht mit dem gleichnamigen Fernsehmoderator zu verwechseln 1958 ins Eigenheim auf dem Guckenrain ziehen konnte.

Inzwischen kommt Babette Jauch nicht mehr so oft aus dem Haus, zumal sie seit vier Jahren nichts mehr sieht. Trotzdem freut sie sich darauf, im Sommer wieder die Flieger zu besuchen. Jetzt ist sie aber schon "a bissle aufgregt", weil sie morgen mit rund 40 Gästen ihren Geburtstag feiern will. Zum Kreis der Familie gehören neben ihrem Mann Willi zwei Kinder (die älteste Tochter ist vor vier Jahren gestorben), drei Enkel, sechs Urenkel und eine Schwester.