Lokales

Am Burgfels nagt der Zahn der Zeit

Der Hohenneuffen ist dieser Tage um eine Attraktion reicher. Nur wenige Meter unter der Burgmauer ist ein kleines Team von erfahrenen Spezialisten in Schwindel erregender Höhe damit beschäftigt, den brüchig gewordenen Fels zu sichern. Rund 90 000 Euro lässt sich das Land Baden-Württemberg diese Sofortmaßnahme kosten.

VOLKER HAUSSMANN

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NEUFFEN Für Polier Martin Hofmann und seine Kollegen ist die luftige Baustelle in gut 30 Metern Höhe nichts Ungewöhnliches. "Das ist für uns eine eher geringe Höhe", sagt er. Seit 20 Jahren steigt er für die Würzbürger Firma Königl, die sich auf Felssanierung spezialisiert hat, in luftige Höhen. "Schwindelfrei muss man für diese Arbeit schon sein", sagt er.

Seit sechs Wochen ist das vierköpfige Team damit beschäftigt, den Fels auf dem die Burg Hohenneuffen seit 900 Jahren steht, zu sichern. "Wir mussten dringend etwas tun", begründet Dr. Hans-Joachim Scholderer von der die Burg betreuenden Behörde mit der sperrigen Bezeichnung "Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Ludwigsburg" die Sofortmaßnahme. Das Mauerwerk, mit der eine wenige Meter unterhalb der Mauer liegende kleine Karsthöhle vor einigen Jahren gesichert worden war, hatte zunehmend an Stabilität eingebüßt, Steine brachen aus und stürzten auf den darunter verlaufenden Waldweg. Nicht zuletzt war auch die Standfestigkeit der Burgmauer an dieser Stelle beeinträchtigt.

Um die instabile Stelle zu sichern, räumten Hofmann und seine Leute zunächst das alte Mauerwerk aus der Karsthöhle und stemmten das lose gewordene Gestein ab. Etwa 45 zwei bis siebeneinhalb Meter lange Anker wurden anschließend ins Gestein getrieben und daran Baustahlmatten befestigt. Auf diesen Untergrund wird derzeit auf einer Fläche von etwa 40 bis 60 Quadratmetern Spritzbeton aufgebracht, anschließend wird die Stelle mit Naturstein verblendet.

Mit herkömmlichen Methoden, etwa einem Baugerüst, kann man an der steil abfallenden Felswand nicht arbeiten. Zuerst mussten die Fachleute den stellenweise nachgiebigen Waldweg befestigen, um die 16 Tonnen schwere geländetaugliche Hebebühne an den Fuß des Burgfelsen schaffen zu können. Das imposante Baugerät ermöglicht eine Arbeitshöhe von 40 Metern. Gearbeitet wird im Wesentlichen vom Korb der Hebebühne aus, der stets mit zwei Mann besetzt ist. Problematisch wird die Arbeit allerdings bei starkem Wind, denn dann schwankt der Korb um bis zu einem Meter hin und her. Hofmann: "Die Winde in den letzten Wochen waren zeitweise so stark, dass die Hebebühne umzufallen drohte."

Etwa vier bis sechs Wochen wird es nach Schätzung von Dr. Scholderer noch dauern, bis die Felssicherung abgeschlossen ist. 90 000 Euro sind dafür veranschlagt. Anschließend ist voraussichtlich der Aussichtsturms der Burg an der Reihe. Dort muss für 15 000 Euro das Mauerwerk ausgebessert werden. Scholderer: "Da ist aber keine Gefahr im Verzug."

"Der Hohenneuffen ist in einem guten Zustand", sagt Scholderer. In den siebziger und achtziger Jahren sei dort ziemlich viel Geld verbaut worden. "Diese Maßnahmen wirken bis heute." Der Massenkalk, auf dem die Burg stehe, habe überall Klüfte. Durch Erosion werde das Material brüchig. "Das ist nichts Aufregendes." Seine Behörde achte darauf, dass die Sicherheit der Burgbesucher gewährleistet sei. Scholderer: "Wir haben mit Axel Vetter auch einen sehr aufmerksamen Pächter."