Lokales

Am Waldrand wächst künftig Energie und das recht schnell

Einen erfreulichen Bericht haben Forstdirektor Felix Reining und Revierförster Daniel Rittler im Finanz- und Verwaltungsausschuss des Kirchheimer Gemeinderats vorgelegt: Die Forstdirektion Tübingen habe dem Kirchheimer Wald einen guten Pflegezustand bescheinigt. Außerdem gab es im vergangenen Jahr einen Überschuss in Höhe von 84 000 Euro zu verzeichnen.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM Den außergewöhnlich hohen Überschuss führt Forstdirektor Felix Reining auf die "stürmische Entwicklung" des Holzmarkts seit Ende 2006 zurück. Doch selbst der Sturm "Kyrill", der Mitte Januar 2007 über Europa hinweggefegt war, hatte auf diesen Markt keinen allzu negativen Einfluss zumindest aus Sicht der Verkäufer: "Seither stagnieren die Preise zwar, aber auf einem akzeptablen Niveau für die Waldbesitzer."

Anzeige

Besonders gefragt sei Brennholz, wie Revierförster Daniel Rittler im Ausschuss berichtete. Dass dieses Brennholz in relativ kleinen Mengen abgegeben werde, bringe zwar einen größeren Aufwand mit sich, dafür aber auch gute Preise: "Das ist dann besser als der Verkauf großer Mengen an die Industrie." Um die wachsende Brennholznachfrage befriedigen zu können, sei die Stadt dabei, Wiesen am Waldrand aufzukaufen. Diese Wiesen sollen sich in Bälde in eine "Energieholzfläche" verwandeln. Das heißt, dass dort der Brennstoff für Holzhackschnitzelheizanlagen wächst.

Daniel Rittler nannte Pappeln und Weiden als Holzarten, die besonders schnell wachsen: "Nach fünf bis sieben Jahren kann man zum ersten Mal ernten. Die Bäume schlagen dann wieder aus und wachsen noch schneller." Die zweite Ernte sei bereits nach vier Jahren möglich. Diese Prozedur wiederhole sich noch drei bis vier Mal, bevor neue Bäume gepflanzt werden müssen. Einschränkend fügte der Revierförster allerdings hinzu: "Das ist eine ganz neue Geschichte. Man weiß noch nicht viel darüber. Das muss die Wissenschaft erst noch untersuchen."

Natürlich wird in Kirchheim nicht nur Energieholz gepflanzt. Fast zwei Drittel der Neupflanzungen im Jahr 2008 sind Buchen. Obwohl die Buche gemeinsam mit der Eiche derzeit am meisten unter "Gesundheitsproblemen" leide, sei sie doch die "natürliche Hauptbaumart". Außerdem führte Revierförster Rittler aus, dass die Buche als Schaftschutz für die Eiche diene. Sie sorge dafür, dass nicht zu viel Licht an den Eichenstamm gelangt: "Um eine Eiche herum sollten immer drei oder vier Buchen stehen." Die niedrigere Buche vertrage sehr viel Schatten. Daniel Rittler hofft, dass die jungen Buchen sich besser an das Klima anpassen können als ihre erkrankten Artgenossen, die 100 bis 150 Jahre alt sind.

Zu den Folgen des Klimawandels wollten die beiden Experten im Ausschuss keine konkrete Prognose wagen. Aber immerhin machten sie die milden Winter der vergangenen Jahre für ein anderes Phänomen im Wald verantwortlich: für die starke Zunahme des Schwarzwildbestands. "In ganz Baden-Württemberg nimmt der Bestand zu", erklärte Daniel Rittler, "die Lebensbedingungen werden immer besser." Es gebe ein größeres Nahrungsangebot für Wildschweine und weitaus weniger Frost. So könne der Nachwuchs besser überleben. Traditionell gebe es Schwarzwild im Talwald, neuerdings aber auch im Bettenhardt und im Bergwald. Dort suchten die Wildschweine immer öfter landwirtschaftliche Flächen heim. Durch regelmäßige Jagden werde der Schwarzbildbestand zwar reduziert, aber die Jäger würden dabei auch merken, "dass einfach zu viele Wildschweine da sind".

Außer um die Tier- und Pflanzenwelt kümmert sich die Forstbehörde auch um den Wald als Naherholungsgebiet. Eines der wichtigsten Projekte dabei ist der neue Waldlehrpfad im Talwald, der bis zum Herbst fertiggestellt sein soll. Die Kosten für den Waldlehrpfad haben das gute Betriebsergebnis für 2007 sogar noch geschmälert, sonst hätte der Überschuss bei mehr als 100 000 Euro liegen können. Trotz des hohen Gewinns im vergangenen Jahr sieht der Betriebsplan für 2008 "nur" 13 000 Euro Überschuss vor. Letzteres erklärte Forstdirektor Felix Reining: "Wir wollen keine Luftschlösser bauen, und deshalb rechnen wir bei der Planung immer mit geringeren Preisen. Der Holzmarkt kann sich in beide Richtungen entwickeln."

Sollten sich Sturm-, Dürre- und Insektenschäden also auch 2008 in Grenzen halten, darf Kirchheim wieder mit einem hohen Überschuss aus dem Verkauf der vorgesehenen 5 000 Festmeter Holz rechnen. Zum Vergleich: Statt 84 000 Euro hatte der Bewirtschaftungsplan für 2007 lediglich 7 000 Euro Überschuss verheißen. Die Ausschussmitglieder, die den aktuellen Plan nun einstimmig genehmigt haben, hätten sicher nichts gegen eine Wiederholung dieses Erfolgs einzuwenden.