Lokales

Ampel auf Abruf: Bürger sehen rot

Abschalten ist teurer als Laufenlassen – Erste Pläne für neuen Postplatz gibt es bereits

Seit fast einem Jahr ist die Ampel am Postplatz auf Höhe der Bäckerei Schill verhüllt. Dennoch sehen viele Verkehrsteilnehmer rot beim Blick auf die Signalanlage – im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinn.

Postplatz , stillgelegte Ampelanlage
Postplatz , stillgelegte Ampelanlage

Kirchheim. Kaum in Betrieb genommen, sofort in die Kritik geraten, schnell aufs Abstellgleis geschoben – die „Karriere“ der neuesten Ampel am Kirchheimer Postplatz ist wenig ruhmreich. Jetzt macht sie weiter von sich reden. Wer hinter die Kulissen blickt, sieht nämlich rot. Auch grün und gelb funkelt es munter: Die Ampel ist zwar arbeitslos, aber keineswegs außer Dienst.

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Das sinnlose Geblinker stößt vielen Bürgern sauer auf. Strom sparen lautet schließlich das Gebot der Stunde. Doch die widerspenstige Ampel widersetzt sich jeglicher Sparlogik. „Das wär schön, wenn man einfach einen Schalter umlegen könnte“, lautet der Stoßseufzer aus dem Technischen Rathaus. Dort nämlich liegt gewissermaßen das Sekretariat der Ampel: Gut gemeinte Tipps, ironische Bemerkungen, manchmal gar ausufernde Beschimpfungen prasseln auf die Mitarbeiter ein.

Fakt ist: Abschalten ist teurer als Laufenlassen. Die Ampellandschaft ist vernetzt, ein einziges Exemplar lässt sich nicht einfach ausklinken. Mit „mehreren Tausend Euro“ werden die Kosten fürs Umprogrammieren von der Stadt beziffert. Auch die Anregung eines Kirchheimers in der Bürgerfragestunde des Gemeinderates hilft nicht wirklich weiter. Sein Vorschlag: Einfach die Birnchen lockern. – Eine Fehlermeldung wäre die Folge, erläuterte Geschäftskreisleiter Martin Zimmert. Rien ne va plus.

Vorerst bleibt‘s also dabei, dass die ausrangierte Ampel weiter verdeckt Dienst tut. So lange zumindest, bis die Zukunft des Postplatzes geklärt ist. Der wird nämlich gerade planerisch ins Visier genommen. Dass die geschmähte Lichtsignalanlage eine neue Perspektive hat, ist allerdings unwahrscheinlich. Ihr oberstes Ziel war einst, Fußgänger und vor allem Radfahrer sicherer von der Innenstadt in die Osianderstraße zu geleiten und andersrum, entsprechend der historischen Verkehrsführung zu Zeiten des Kirchheimer Innenstadt-Bahnhofs, wie Bürgermeister Günter Riemer erläutert. Pate für die Idee stand übrigens ein bundesweiter Modellversuch, der „Göttinger Doppelzebrastreifen“, der eine separate Fahrradfurt seitlich des Fußgängerzebrastreifens vorsieht. Während der Doppelzebrastreifen in Göttingen als Erfolg in puncto Sicherheit gefeiert wird, führte die zusätzliche Postplatz-Ampel in Kirchheim zu einer erheblichen Gefährdung der Autofahrer. Diese mussten plötzlich zwei Ampeln auf wenigen Metern verkraften.

Von der Agenda-Gruppe „Fahrrad“ war eine andere Variante favorisiert worden: die Verbreiterung der Fußgängerfurt vom Postplatz aufs Teckcenter zu. „Ziel muss sein, dass sich Radfahrer und Fußgänger auf dem Postplatz zügig und gefahrlos bewegen können“, skizziert Siegfried Hauff die Wünsche der Gruppe. Mittlerweile sei allerdings ohnehin Entspannung eingetreten nach Umbauten vor dem Teckcenter und durch die Fußgängerzone in der unteren Max-Eyth-Straße. Auch Günter Riemer macht den größten Konfliktpunkt beim Postplatz an anderer Stelle aus, nämlich an der Stuttgarter Straße. Hier kreuzen Passanten oft die mehrspurige Straße auf dem Weg vom Seiteneingang des Teckcenters zum Nanz-Center.

All das soll in die Neuplanung des Postplatzes einfließen. Bis die Entwürfe spruchreif sind, wird die Ampel wohl weiter Dienst tun.