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An die SchwachenWeil ihr schwach seid, habt ihr uns ...

An die SchwachenWeil ihr schwach seid, habt ihr uns Halbstarke genannt,und damit verdammt ihr eine Generationan der ihr gesündigt habt,weil ihr schwach seid.Wir gaben euch zwei Jahrzehnte Zeit, uns stark zu machen,stark in der Liebe und stark im guten Willen;aber ihr habt uns halb-stark gemacht,weil ihr schwach seid.(...)Euer brüchiges Nein stand windschief vor den verbotenen Dingen;wir brauchten nur etwas zu schreien,dann nahmt ihr das Nein weg und sagtet ja,um eure schwachen Nerven zu schonen,und das nanntet ihr Liebe.(...)Wir sind halbstark, und unsere Seelen sind halb so alt wie wir.Wir machen Radau, weil wir nicht weinen wollennach all den Dingen, die ihr uns nicht gelehrt habt.Wir können rechnen und lesen,und man wies uns an, die Staubgefäße von Buschwindröschen zu zählen.Wir wissen, wie Füchse leben,und wir lernen den Bau vom Ackerschachtelhalm.Wir haben auch gelernt, stillzusitzen und den Finger zu heben,um vom Fuchs und Buschwindröschen zu erzählen.Aber in der Stadt gibt es keine Buschwindröschenund keine Füchse.Und wie man dem Leben begegnet, habt ihr uns nicht gelehrt!Wir möchten sogar an einen Gott glauben,an einen unendlich starken, der alles versteht,und der will, daß wir gut sind.Aber ihr habt uns keinen Menschen gezeigt, der gut ist, weil er an Gott glaubt.Ihr habt mit Andacht Geld verdientund Totoergebnisse wie Gebete gemurmelt.(...)Sind wir nicht Zerrbilder eurer verlogenen Existenz?Wir machen offen Lärm und randalieren;ihr aber kämpft gnadenlos im Verborgenen, einer gegen den anderen.Ihr dreht euch geschäftlich den Hals um,intrigiert um besser bezahlte Posten.Zeigt uns für jeden von uns, der Lärm macht,einen von euch, der im stillen gut ist,laßt, anstatt mit Gummiknüppeln zu drohenMänner auf uns los, die uns zeigen, wo der Weg ist;nicht mit Worten, sondern mit ihrem Leben!Aber ihr seid schwach.
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