Lokales

Anbieter fordert Geld oder Kunden

OWEN "Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu. Und wem sie just passieret, dem bricht das Herz entzwei", dichtete einst

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ANDREAS VOLZ

Heinrich Heine und meinte mit der "Geschichte" die vertrackte Sache mit der Liebe. Nicht weniger vertrackt wenn auch emotional auf einer anderen Ebene anzusiedeln ist die "alte" Geschichte vom Versuch vieler Owener, über ein namhaftes Unternehmen der Telekommunikationsbranche eine brauchbare DSL-Verbindung zu bekommen.

Pünktlich zum Beginn der Sommerpause ist die lang ersehnte schriftliche Stellungnahme des Netzbetreibers auf den Schreibtisch von Bürgermeister Siegfried Roser geflattert, der das Thema nun umgehend auf die Tagesordnung der ersten Gemeinderatssitzung nach den Ferien gesetzt hat. Das Schreiben geht zunächst ausführlich auf den Grund für den unbefriedigenden Ist-Zustand ein: Die "Dämpfung auf der Kupferader ist im wesentlichen abhängig vom Querschnitt der Kupferader und von der Leitungslänge zwischen dem Netzknoten und dem Telefonanschluss beim Kunden. Der Grenzwert wird in der Regel bei einer Leitungslänge von etwa 4 bis 5 Kilometern überschritten."

Dagegen ist kaum etwas einzuwenden, zumal es im Prinzip schon seit längerem bekannt war. Dann weckt die Stellungnahme sogar noch ganz neue, berechtigte Hoffnungen: "Seit Anfang 2005 steht eine neue Technik (Outdoor-DSLAM-Technik) zur Verbesserung der Versorgung bei großen Kabellängen zur Verfügung. Mit dieser Technik kann die Internetversorgung bis zu einem Übergabepunkt über Glasfaser erfolgen. Ab dem Übergabepunkt werden die Internetsignale wieder in das Kupferverteilnetz eingespeist und zu den einzelnen Anschlüssen unserer Kunden weitergeleitet. Durch die Benutzung des Glasfaserkabels wird eine Entdämpfung erreicht. Als Folge wird die Reichweite im Kupferverteilnetz erhöht."

Das bedeutet im Klartext, dass die Owener rein technisch gesehen durchaus in den Genuss einer zufriedenstellenden DSL-Nutzung kommen könnten. Allerdings gibt es da noch ein kleines, aber entscheidendes Hindernis, das kurz und knapp mit "Wirtschaftlichkeit der Maßnahme" bezeichnet wird. Doch auch dieses Hindernis ließe sich durch "Kooperation" beseitigen.

Da es in Nabern ähnliche Schwierigkeiten gebe, schlägt der Verfasser des Schreibens folgende gemeinsame Lösungsvarianten vor, die im Owener Ratsrund für nichts als Empörung sorgten: "Im ersten Halbjahr nach der Bereitstellung werden neue 520 Kunden in beiden Städten benötigt. Alternativ kann bei einem Zuschuss in Höhe von 18 500 Euro auf die Garantie dieser 520 Kunden verzichtet werden. Sachleistungen bei Tiefbauleistungen zur Glasfaseranbindung im Gegenwert von 18 500 Euro können anstelle des Zuschusses erbracht werden."

Die Stadt Kirchheim hat dieses Ansinnen für den Stadtteil Nabern bereits abgelehnt. Nach ebenso ausführlicher wie einmütiger Beratung im Gemeinderat wird die Stadt Owen dasselbe tun. Gebrochene Herzen hinterlässt die "Geschichte" sicher nicht, wohl aber erhitzte Gemüter. Beides dürfte den Anbieter aber eher kalt lassen: Wirtschaftlichkeit und Gefühle schließen einander aus.