Lokales

Anders als Halloween

In Kirchheim und Umgebung wurde „Church Night“ gefeiert

Während manche sich am Samstagabend zu Halloweenpartys aufmachten, feierten die Protestanten im Land mit der „Church Night“ ein ganz anderes Fest – den Reformationstag. Auch die Kirchheimer begingen die Geburtsstunde der evangelischen Kirche und somit deren 492. Geburtstag mit einem bunt gemischten Programm in der Martinskirche.

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Marisa Schneider

Kirchheim. „Heute soll es darum gehen, seine eigenen Ängste zu überwinden und Mut zu machen – deshalb feiern wir diesen Gottesdienst.“ Mit diesen Worten begrüßte der Moderator des Abends, Dennis Konieczny, die Besucher des Jugendgottesdienstes in der Martinskirche, der unter dem Motto „KeinAngsthase“ stand.

Die „Church Night“ sei vor allem auch als eine Gegenveranstaltung zu Halloween zu sehen, so Konieczny. Deshalb wolle man mit dem Programm nicht nur kirchennahe, sondern auch kirchenferne Jugendliche und Erwachsene ansprechen. Und dass Angst zum Alltag eines jeden dazu gehöre und „wirklich jeden betrifft – egal in welchem Alter“, betonte auch der Kirchheimer Jugendreferent der evangelischen Kirche, Jochen Leitner, in seiner Ansprache.

Die Angst des Alltags, früher und heute, verdeutlichten die Veranstalter mit verschiedenen Rollenspielen. So wurde ein verunsicherter Martin Luther gezeigt, der im Jahre 1517 Angst hatte, Gottes Geboten nicht gerecht zu werden; eine Schülerin von heute, die mit Versagensängsten vor der nächsten Mathearbeit zu kämpfen hat und eine Frau beim Arzt, die fürchtet, dass ihr Bein nicht vollends verheilen wird. Mit von der Partie waren dabei stets der „Angsthase“ und der „KeinAngst­hase“, die den dargestellten Charakteren immer Angst einredeten oder eben Hoffnung zusprachen.

Basierend auf dem biblischen Spruch „Fürchte dich nicht“ kreierten die Initiatoren verschiedene Mutmach- und Mutprobestationen in der Kirche, bei denen die Gottesdienstbesucher sich aktiv beteiligen konnten. Ob nun ein Horror-Grusel-Parkours, eine Angstschale oder eine Gebets- und Klagemauer – Jung und Alt waren gefordert und durften sich ausprobieren. Die Stationen kamen gut an. „Sie sind mal etwas ganz anderes. Es ist toll, dass man sich einbringen kann“, fanden die drei Owener Schüler Leonie Nuffer, Jens Häußler und Katharina Baumann. Und auch Renate Kath, Dekanin des Kirchenbezirks Kirchheim, gefiel diese Interaktivität sehr.

Die Teckstädter füllten den Reformationstag also, ganz im Sinne der „Church Night“, die an jenem Abend bundesweit stattfand, mit Leben. Und auch in anderen Städten und Ortschaften der Kirchheimer Region fanden spezielle Veranstaltungen statt. Ob Weilheim, Notzingen, Ohmden, Lenningen oder Lindorf, jeder Ort verlieh dem Reformationstag seine ganz eigene Note. Neben den Gottesdiensten selbst wurden die Besucher nicht nur verköstigt, sondern auch mit Bandauftritten, Feuerspuckern oder Filmaufführungen unterhalten.

Und auch Kirchheim konnte seinem Publikum außer dem Gottesdienst, dem der Südwestrundfunk beiwohnte und mitfilmte, noch einiges bieten. Die Veranstalter, der Christliche Verein junger Menschen (CVJM) und die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Kirchheim, hatten die Aktion „Turm by Night“ organisiert, bei der man den Kirchturm der Martinskirche besteigen und ganz Kirchheim bei Nacht bestaunen konnte.

Der Kirchheimerin Anette Angelmaier und ihren Kindern hat besonders die Musik der Liveband, die den gesamten Abend musikalisch untermalte, gefallen. So fand sie, dass das gesamte Rahmenprogramm klasse war. „Der Gottesdienst war sehr ansprechend, auch für Ältere – es war einfach lebensnah und an der Zeit. Ich wünsche mir mehr solcher Gottesdienste.“ Dass es mehr Gottesdienste bei der „Church Night“ geben wird, ist nicht unwahrscheinlich. Das Projekt, das 2006 im Rahmen des Reformprozesses der evangelischen Kirche ins Leben gerufen wurde, stößt jedes Jahr auf größere Resonanz.

Auch Jochen Leitner war zufrieden mit der diesjährigen Veranstaltung. Ob sie allerdings ihr Ziel, auch kirchenferne Menschen anzusprechen, erreicht hat, wagt er zu bezweifeln. So war er sich sicher, dass die meisten der diesjährigen Besucher vor allem Kirchengänger waren. Dennoch sah er einen Erfolg, auch bei den Leuten die nicht gekommen sind. „Mit unseren Plakaten und der Werbung, die wir gemacht haben, sind wir aufgefallen und ins Bewusstsein der Menschen, auch kirchenferner, getreten. Sie wissen, da findet etwas statt und das ist gut.“

Dem konnte die Erste Vorsitzende des CVJM Owen, Bärbel Barner, die den Jugendgottesdienst in der Martinskirche genoss, nur beipflichten. „Die Jugendlichen finden hier eine Alternative zu dem kommerziellen Halloween.“ Schon allein deswegen solle die „Church Night“ als eine feste Größe am 31.Oktober installiert werden.