Lokales

Anders als im Fernsehen

Vor Gericht wird man nicht immer verurteilt: Schulklassen wie die W I c der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule können im Amtsgericht Kirchheim als Zuschauer an einer Verhandlung teilnehmen und dabei sehr viel über das deutsche Rechtswesen und seine Diener in Erfahrung bringen.

KIRCHHEIM Die Türen zum Eingang werden oft mit bangem Herzen aufgemacht, da man nie weiß, was in den Räumen dahinter gleich auf einen zukommen wird. Schreien, Pöbeln, Schlägern ist dort nicht erlaubt, anders als es die Fernsehgerichte und die Medien vorgaukeln. So gibt es im Amtsgericht Kirchheim strenge Regeln, an die man sich halten muss, wie in jedem anderen Gericht auch. Und wenn man sich nicht an diese Regeln hält, wird man mit einem Ordnungsgeld bestraft.

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Am Amtsgericht Kirchheim gibt es vier Richter. Sie vollstrecken die Urteile je nach Vorfall. Einem Urteil geht selbstverständlich eine Verhandlung voraus. Dabei unterscheidet man zwischen einer öffentlichen und nichtöffentlichen Verhandlung. Es gibt für alles bestimmte Regeln und Gesetze, so auch dieses, dass Verhandlungen, die Jugendliche betreffen, nie öffentlich sind, zu ihrem eigenen Schutz.

Im Amtsgericht werden nicht nur Bagatellfälle behandelt: Die Höchststrafe des Amtsgerichts sind 10 Jahre Haft und 5 000 Euro Geldstrafe. Ob Kläger oder Angeklagter wer mit einem Urteil nicht einverstanden ist, kann Berufung einlegen. Unter Berufung versteht man, dass die gesamte Verhandlung wiederholt wird. Revision dagegen bedeutet, dass die Verhandlung auf formale Fehler nochmals überprüft wird. So ist eine Verhandlung nicht immer in Minuten oder Stunden abgeschlossen, sondern kann bis zu 40 Tagen dauern, je nach Schwere des Falls.

Der Richter selbst ist unabhängig und hat so gesehen keinen Chef in dem Sinne über sich, wie es der Arbeiter oder Angestellte in einer Firma hat. Um die Richterlaufbahn einschlagen zu können, braucht man Abitur und ein abgeschlossenes Jurastudium.

Klasse W I c

Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule