Lokales

Anerkennung für den "Kitt der Gesellschaft"

"Wir streben nicht so sehr nach Amt und Ehrung, freuen uns aber doch über Anerkennung", brachte Philipp Felten, einer der Sieger beim Ehrenamtspreis "Starke Helfer 2004" Sinn und Zweck des Preises auf den Punkt. Es handle sich "um ein Stück Anerkennungskultur" beschrieb Landrat Heinz Eininger die Ehrenamtskampagne der Stiftung Kreissparkasse und des Teckboten.

IRENE STRIFLER

Anzeige

KIRCHHEIM Kreisweit hatte die Stiftung Kreissparkasse im Verbund mit den jeweiligen regionalen Zeitungen den "Ehrenamtspreis 2004 Starke Helfer" unter dem Motto "Jung und Alt" ausgelobt. Landrat Eininger, Vorsitzender des Verwaltungsrats der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, schilderte bei der feierlichen Preisverleihung im Henninger-Saal der Kreissparkasse in Kirchheim die schwere Aufgabe der Jury, die aus über 100 hochkarätigen Einsendungen im ganzen Kreis die Auswahl treffen musste. "Wie soll man ehrenamtliches Engagement bemessen?" fragte Heinz Eininger in die Runde und betonte, jedes Ehrenamt sei preisverdächtig: "Sämtliche Beispiele sind Lehrstücke!" Die Jury im Raum Kirchheim bestand außer dem Landrat aus Franz Scholz, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, Teckboten-Verleger Ulrich Gottlieb und Professor Falk Roscher von der Fachhochschule Esslingen. Die Würfel fielen letztlich für zwei erste Sieger. Sie erhalten jeweils einen Preis in Höhe von 1 200 Euro. Weitere acht Anerkennungspreise wurden mit je 200 Euro dotiert (siehe Artikel unten).

Landrat Eininger ging auf die Motivation der Sparkasse ein, sich für das Ehrenamt stark zu machen. Die Stiftung unterstütze bereits allerlei Projekte, denn: "Der Sparkasse geht es dann gut, wenn es den Menschen gut geht." Die aktuelle Ehrenamtskampagne habe gezeigt, dass Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Jungen Leuten werde durch derartiges Engagement soziale Kompetenz vermittelt, von einer "Null-Bock-Generation" könne nicht die Rede sein. Das Image der Älteren, die sich ehrenamtlich engagieren, sei im Wandel: "Gefragt ist der sozialkompetente Generationsmittler", bilanzierte Eininger.

"Ohne ehrenamtliches Engagement würden in vielen Bereichen unseres Lebens wichtige Elemente fehlen", ergänzte Ulrich Gottlieb. Viele Aktivitäten seien gar nicht in vollem Umfang bekannt. Nicht zuletzt deshalb sei der Verlag des Teckboten gerne als Partner in das Projekt eingestiegen. So erreiche das positive ehrenamtliche Engagement eine breitere Öffentlichkeit und könne andere zu ähnlichem Engagement für die Gesellschaft anregen.

Einen denkwürdigen Einblick in ihre Arbeit vermittelten die beiden Hauptpreisträger, die ihre Projekte selbst vorstellten. Zunächst ermöglichten Georg Hug und Bernhard Bayer einen Einblick in die Arbeit des Häuslichen Kinderhospizdienstes, der sich zunächst ganz auf die Begleitung schwerstkranker Kinder konzentriert hatte. "Dann haben wir gemerkt: das reicht nicht", beschrieb Bayer die Entwicklung, die zum heutigen umfangreichen Betätigungsfeld führte. Patinnen und Paten begleiten Familien mit sterbenskranken Kindern, aber auch Kinder, die durch den Tod eines Elternteils mit dem Sterben konfrontiert wurden. Außerdem betreibt der Kinderhospizdienst die "Anlaufstelle Kind und Tod" (AKuT) und engagiert sich unter anderem für das stationäre Kinderhospiz im Allgäu. CDU-Bundestagsabgeordneter Michael Hennrich, der unlängst die Patenschaft für den Kinderhospizdienst übernommen hat, betonte, dass man hier auf einen Grenzbereich treffe, in dem der Staat allenfalls sehr begrenzt Hilfe leisten könne. Im Übrigen sicherte er allen Ehrenamtsprojekten stellvertretend die Unterstützung aller Kirchheimer Abgeordneten zu.

"Weil es uns gefällt" waren Leitgedanken überschrieben, mit denen die Volunteers Philipp Felten und Heinz Mayer vom Naturschutzzentrum Schopflocher Alb, ebenfalls Hauptpreisträger, die Motivation für ihre Arbeit umschrieben. Die beiden führen Schulklassen und Jugendgruppen über die Alb, um Kinder für die Natur zu sensibilisieren. Felten betonte, dass beide nicht nur die Natur und die Alb liebten, sondern auch gern mit Kindern und den jungen Leuten zusammenarbeiteten, die alljährlich ihr Freiwilliges ökologisches Jahr im Naturschutzzentrum leisteten. Er wies auch auf weitere zwei Dutzend Volunteers im Naturschutzzentrum hin, als deren Vertreter sich die Preisträger fühlten. Heinz Mayer illustrierte die Arbeit der Volunteers mit einem eindrucksvollen Experiment, im Verlauf dessen Kalkstein in ein Wasserglas befördert wurde. Zudem rekrutierte er drei Anwesende flugs als "Tröpfle", "Sprudelblubber" und den Jurastein "Kalki" für ein kleines Rollenspiel, das die Senioren üblicherweise Kinder vor einer der Albhöhlen aufführen lassen.

KSK-Vorstandsvorsitzender Franz Scholz bezeichnete die Preisverleihung im Henninger-Saal als "würdigen Abschluss und einen der Höhepunkte der aktuellen Kampagne".

O:3006F404.EP_Vor der interessierten Zuhörerschaft betonte er abschließend noch einmal die Bedeutung fantasievoller ehrenamtlicher Projekte: "Wir haben heute den Kitt gesehen, der die Gesellschaft zusammenhält."

Die Vielschichtigkeit des Engagements bot auch nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung noch reichlich Gesprächsstoff. Für musikalische Abwechslung sorgte das Duo Jazzrelax mit Hagen Kälberer an der Trompete und Georg Kuchar am Keyboard.