Lokales

Angeblich Ehefrau gefesselt vergewaltigt

Vor der 18. Großen Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts begann gestern ein ungewöhnlicher Prozess gegen einen 33-jährigen bosnischen Stuckateur aus Wendlingen, der seine geschiedene Frau nicht nur mit Messergewalt brutal vergewaltigt, sondern sie mehrfach mit dem Tode bedroht und sie gefesselt und geknebelt in einen Wald zwischen Plochingen und Esslingen entführt haben soll.

BERND WINCKLER

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WENDLINGEN Die Richter des Landgerichts werden es nicht leicht haben, ein Urteil gegen den Mann auf der Anklagebank zu fällen. Der Bosnier war vier Jahre lang mit einer heute 26-jährigen Landsmännin verheiratet, hat einen sechsjährigen Sohn und man lebte anfangs eigentlich glücklich und zufrieden in einer großen Wohnung in Plochingen, wie er den Richtern sagt. Aber er gibt auch zu, dass ihn die Polizei im Jahre 2004 per "Platzverweis" aus der Wohnung schickte. Der Grund sollen tätliche Übergriffe gegen die Ehefrau gewesen sein, was er allerdings jetzt vor Gericht energisch bestreitet.

Laut Anklage habe er nach der endgültigen Trennung der Ex-Frau nachgestellt, ihr mehrfach mitgeteilt, dass sie dem Tode geweiht sei. Am 29. August letzten Jahres zum Beispiel sei er ihr auf der Bundesstraße 10 zwischen Nürtingen und Esslingen nachgefahren und habe sie dann in Cannstatt gestellt. Dann habe er gesagt, er hätte sich entschieden, dass sie nur noch wenige Wochen zu leben habe. Zwei Wochen später soll er ihr in Plochingen zu Fuß gefolgt sein, als sie gerade unterwegs zu Arbeit war und habe ihr hier mitgeteilt, sie bräuchte keine neue Wohnung mehr für sich suchen, denn sie werde den Umzug dahin gar nicht mehr erleben.

Der schwerste Vorwurf aber gegen den 33-Jährigen betrifft einen Vorfall vom Abend des 22. September vergangenen Jahres: In der Plochinger Bahnhofstraße habe er ihr aufgelauert, um dann, als sie mit ihrem Auto verkehrsbedingt anhalten musste, die Beifahrertüre aufzureißen und sich in das Fahrzeug neben sie zu setzen. Sofort habe er ihr ein Messer mit 20 Zentimeter langer Klinge an die Kehle gehalten, verbunden mit der Forderung, dahin zu fahren, wohin er sie dirigiere. Falls sie dies nicht befolge, werde er in zehn Sekunden zustechen. In einer Tiefgarage soll er die 26-Jährige dann mit einer Handschließe gefesselt und ihr mit Klebeband den Mund verschlossen haben. Dann habe er die Frau gewaltsam auf den Rücksitz ihres Autos gelegt und sei mit ihr zunächst in ein Waldstück zwischen Plochingen und Esslingen gefahren. Dort, so die gewichtige Anklage weiter, habe er ihr zunächst Vorwürfe darüber gemacht, dass er arbeitslos und ohne Wohnung ist und sie dann im Fahrzeug vergewaltigt. Nach der Tat soll er ihr noch mitgeteilt haben, dass er jetzt ihre Tötung zu Ende bringen müsse.

So weit aber kam es nicht. Der Angeklagte fuhr die Ex-Ehefrau wieder zurück in die Nähe des Plochinger Bahnhofs und verließ dann das Fahrzeug. Die Handschließe und sein Fesselwerkzeug soll er nach Meinung des Anklägers mitgenommen haben, damit man die Beweisstücke nicht im Auto der Frau findet. Die 26-Jährige soll durch die Behandlung der Fesselung erhebliche Schmerzen an ihren Handgelenken erlitten haben.

"Alles gelogen", gibt der 33-Jährige jetzt vor der Strafkammer zu Protokoll. Die Ex-Frau und zwei ihrer ebenfalls geschiedenen Freundinnen hätten einen üblen Komplott gegen ihn geschmiedet, um ihn "endgültig auszuschalten" und ihn für immer daran zu hindern, Kontakt mit seinem sechsjährigen Sohn zu haben.

Bei der Scheidung wurde zwar das Aufenthaltsrecht des Kindes der Frau zugesprochen, der Angeklagte jedoch hatte ein großzügiges Verkehrsrecht.

Die Frau sei es gewesen, die ihn an jenem Septemberabend zu dem Treffen veranlasste, um über die weiteren Kontakte mit dem Kind mit ihm zu reden. Sie habe ihm gesagt, er solle zu dem Treff ein Messer mitbringen, weil in ihrem Fahrzeug etwas abzutrennen sei. Dann sei man einverständlich in den Wald gefahren und man habe dort auch einverständlich Sex gehabt. Eine Drohung oder Vergewaltigung habe nie stattgefunden, sagt er. All dies sei gegen ihn eingefädelt worden. Doch die 26-jährige Ex-Frau beschuldigte den Mann im Zeugenstand gestern schwer. Sie bestätigte die Anklage genau und berichtete auch von tätlichen Übergriffen und Todesdrohungen, die noch in der Ehezeit gegen sie gelaufen seien. Der Verteidiger des Beschuldigten hat gegen die Frau inzwischen Strafanzeige wegen falscher Anschuldigung erstattet. Der Prozess, zu dem zahlreiche Zeugen geladen sind, ist auf mehrere Wochen terminiert.