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Angeklagter hofft auf Bewährung

Ein Nürtinger Rechtsanwalt hat rund 300 000 Euro Mandantengeld veruntreut. Das ist der Vorwurf der Stuttgarter Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsvergehen jetzt vor der 7. Großen Strafkammer des Landgerichts. Die Richter werden nicht lange gegen den 54-jährigen Jurist verhandeln müssen, denn er ist voll geständig.

BERND S. WINCKLER

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STUTTGART Die Nürtinger Kanzlei des angeklagten Anwalts besteht schon seit vielen Jahren. Schon der Vater, der inzwischen verstorben ist, hatte das Unternehmen als Strafverteidiger betrieben und sich bei der Justiz einen guten Ruf erarbeitet. Der Sohn übernahm die Kanzlei sofort nach seiner Ausbildung und legte seinen juristischen Schwerpunkt auf das Zivilrecht.

Die Anklage wirft ihm nun vor, er habe im Oktober 2003 eine behördliche Bestellung zum Testamentsvollstrecker eines recht vermögenden Mannes in Frickenhausen übernommen und dabei hohe Geldsummen veruntreut. Es ging um ein in Frickenhausen bebautes Grundstück im Nennwert von 290 000 Euro, welches unter den hinterbliebenen Erben gerecht aufgeteilt werden sollte. Die Erben hatten sich geeinigt, das Zweifamilienhaus zu verkaufen.

Der beschuldigte Testamentsvollstrecker hatte ihnen bereits einen Käufer beschafft ein Nachbar in Frickenhausen, der bereit war, sogar 303 000 Euro in bar zu entrichten. Der Verkauf wurde getätigt, das Geld ging auf ein Konto des Anwalts und blieb dort zunächst liegen, da die Erben untereinander zerstritten waren. Als dann die Erben am Ende schließlich den Kauferlös der Immobilie von dem Testamentsvollstrecker einforderten, musste er ihnen mitteilen, dass kein Geld mehr da ist. Laut Anklage habe er mit diesem Betrag seine Schulden bezahlt. Er hatte damals sehr große Verbindlichkeiten bei seiner eigenen Bank sowie auch bei der Landesbausparkasse. Des Weiteren gab er Teile des Geldes für sich selbst und für seine Mutter aus. Am 13. September letzten Jahres wurde er festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

In Handschellen wurde der Jurist gestern in den Saal 5 des Stuttgarter Landgerichts vorgeführt. Die Vorwürfe gab er vor der 7. Großen Wirtschaftsstrafkammer sofort nach Verlesung der Anklageschrift zu. Als Rechtsanwalt, der jetzt zwar keine Zulassung mehr hat, weiß er, dass bei einem vollen Geständnis ein hoher Strafrabatt möglich ist. Immerhin drohen dem 54-Jährigen bis zu fünf Jahren Haft. Er aber hofft, mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen. Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt.