Lokales

Angeklagter im Gaststättenmordfall voll schuldfähig

Psychiatrischer Gutachter spricht von „kopflosem“ Verhalten – Prozess wird am Montag mit Plädoyers fortgesetzt

Der 52-jährige Möbelschreiner, der im Mai in einer Nürtinger Gaststätte einen Gast per Kopfschuss getötet und einen zweiten lebensgefährlich verletzt hatte, ist voll schuldfähig. Dies stellte gestern ein Gutachter vor der Stuttgarter Schwurgerichtskammer fest.

BERND WINCKLER

Stuttgart. Mit einer großen Kiste als Handgepäck war der Angeklagte am Nachmittag des 17. Mai dieses Jahres in der Gaststätte erschienen. Viele Gäste dachten, er habe einen „Tapeziertisch“ bei sich. Tatsächlich aber befanden sich in dem Gepäck zwei Langwaffen, darunter eine abgesägte Flinte (Pumpgun) und ein Gewehr des schwedischen Militärs, Baujahr 1896, jedoch voll funktionsfähig, wie Waffensachverständige des Landeskriminalamts feststellten. Dazu kam noch ein Schwert – und in der Hand hielt der Angeklagte eine halbautomatische Pistole, mit der er die Tat beging.

Der psychiatrische Gutachter, den die Richter eigens zur Ermittlung der psychischen Situation des Angeklagten zur Tatzeit eingeschaltet hatten, hat den Mann mehrmals untersucht und jetzt die Feststellung getroffen, dass wegen Medikamenten-Missbrauchs und Alkoholismus möglicherweise zur Tatzeit eine Art Schocksituation entstanden war, durch die der Angeklagte „kopflos“ wurde. Auch von einer Art „Panikverhalten“ sprach der anerkannte Nervenarzt in seinem gestern vorgetragenen Gutachten. Ihm habe der Angeklagte berichtet, dass er sich nach der Tat selbst das Leben nehmen wollte. Unklar sei allerdings noch, warum er das nicht tat.

Der Mann, den der 52-Jährige in der Toilette des Lokals per Kopfschuss tötete, sei ein stadtbekannter Schläger gewesen, den er aber nicht töten, sondern nur bedrohen und als Geisel nehmen wollte. Durch ein Versehen sei dann der Schuss ausgelöst worden.

Die Feststellung des Psychiaters, dass der Angeklagte zu diesem Zeitpunkt in seiner Wahrnehmungsfähigkeit nicht eingeschränkt war und genau wusste, was er tat, bedeutet, dass den Mann die volle Härte des Gesetzes trifft.

Am kommenden Montag wird der Staatsanwalt sein Plädoyer halten. Er hat jetzt in einer Prozesspause bereits durchblicken lassen, dass er gegen den 52-Jährigen wegen „heimtückischen und grausamen Mordes und versuchten Mordes“ eine lebenslange Haftstrafe beantragen werde. Dazu werde er noch den Antrag zur Feststellung einer „besonders schweren Schuld“ stellen. Das wiederum würde bedeuten, dass nicht schon nach 15 Jahren eine Strafaussetzung erfolgen kann.

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