Lokales

Angeklagter ist nicht schuldfähig

Nach Angriff auf Vater ordnet Landgericht Einweisung in eine geschlossene Anstalt an

Der Messerangriff gegen den Vater, eine vorherige Todesdrohung und der Raubüberfall auf einen Taxifahrer bleibt für einen 26-jährigen Türken straflos, weil er die Taten im Zustand eines psychischen Wahns beging. Um aber die Allgemeinheit vor ihm zu schützen, ordnete das Gericht seine Einweisung in eine geschlossene Anstalt an.

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Bernd Winckler

Wernau. An jenem 11. Juni letzten Jahres trafen sich Vater und Sohn in einem türkischen Vereinslokal in Wernau, wobei der Sohn dem Vater zuerst androhte, er werde ihn umbringen, weil er ihn an die Amerikaner verkauft habe. Dies jedoch, so ein psychiatrisches Gutachten vor der 7. Großen Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts, war lediglich eine Einbildung des 26-Jährigen infolge einer schweren krankhaften seelischen Störung. Er fühlte sich verfolgt und hörte Stimmen, die ihm auftrugen, nach dem Leben seines Vaters zu trachten. Vor allem auch deshalb, weil der Vater ihn einige Tage zuvor bei der Polizei wegen der Todesdrohung angezeigt hatte.

Mit einem Küchenmesser war der 26-Jährige dann in dem Lokal von hinten auf seinen Vater losgegangen und hatte ihm im Halsbereich einen 14 Zentimeter langen Schnitt verabreicht, der allerdings nicht lebensgefährlich war. Im anschließenden Gerangel ließ er allerdings von seinem Vater ab und flüchtete mit dem Messer in der Hand zum nahen Wernauer Bahnhof.

Dort überfiel er einen Taxifahrer und raste mit dessen Fahrzeug auf der Bundesstraße 10 in Richtung Stuttgart. Jedoch wurde er bei Esslingen von der Polizei eingeholt und eingekeilt. Dabei rammte der Angeklagte einen Streifenwagen mehrfach, sodass letztlich nach seiner Festnahme ein demoliertes Polizeifahrzeug und ein schrottreifes Taxi übrig blieben.

Für die Richter war der Fall nun nach drei Prozesstagen in juristischer Hinsicht klar: Der Angeklagte ist wegen seines paranoiden psychischen Wahns nicht schuldfähig und kann daher auch nicht zu einer Haftstrafe verurteilt werden, obwohl es sich bei den Taten um eine Todesdrohung, gefährliche Körperverletzung, räuberische Erpressung und Sachbeschädigung handelt. Da er aber in seinem krankhaften Zustand eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt, musste diese vor ihm geschützt werden. Die Folge: Das Gericht ordnete seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Dort soll versucht werden, ihn zu behandeln und möglicherweise auch von seinen Wahnvorstellungen zu heilen.