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Angeklagter will unschuldig sein

Sexueller Missbrauch und Vergewaltigung lauten die Vorwürfe

Vehement bestreitet ein 43-jähriger verheirateter Heizungstechniker aus Nürtingen vor dem Stuttgarter Landgericht, seine siebenjährige Stieftochter dreimal in schwerster Weise sexuell missbraucht zu haben. Hingegen gibt der Mann vor der Jugendschutzkammer zu, mit einer 15-jährigen Schülerin aus Oberlenningen verkehrt zu haben, allerdings „ohne Zwang“, wie er gegenüber den Richtern betont. Laut Anklage soll er sie aber vergewaltigt haben.

Bernd Winckler

Stuttgart/Nürtingen. Die Anklage gegen den russischen Spätaussiedler vor der Jugendschutzkammer des Landgerichts ist schwer: „Sexueller Missbrauch eines Kindes in besonders schwerem Fall, sexueller Missbrauch einer Schutzbefohlenen, Ver­gewaltigung einer 15-Jährigen. Geschehen sein sollen die Taten in den Jahren 1997/98 und 2001. Nachdem am 27. Juni dieses Jahres das Nürtinger Amtsgericht Haftbefehl wegen Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs der kleinen Tochter seiner Ehefrau und wegen Vergewaltigung der 15-Jährigen gegen den Mann erließ, fiel dieser aus allen Wolken. Kein Punkt der Anklage sei wahr, hatte er damals behauptet.

Auch zum Prozessauftakt gestern in Stuttgart versuchte der Beschuldigte alle Vorwürfe weit von sich zu weisen. Erst nachdem ihn der Vorsitzende Richter eingehend darauf hinwies, dass anhand der bisherigen Aussagen der Opfer ein sehr dringender Verdacht gegen ihn besteht und er bei einem Geständnis mit Strafrabatt rechnen kann, bequemte sich der Angeklagte zu einer Art Teil-Geständnis hinsichtlich der Vergewaltigung der Schülerin, allerdings verbunden mit der Beteuerung, dass es sich gar nicht um eine Vergewaltigung handelte, sondern dass alles freiwillig geschah.

Die Vorwürfe bezüglich seiner kleinen Stieftochter, die heute 16 Jahre alt ist, bestreitet der Mann indes weiter. Hier soll er laut Anklage das damals siebenjährige Kind erstmals Ende 1997 in seiner Nürtinger Wohnung und einmal in Lenningen missbraucht haben. Eine dritte Tat an dem Kind datiert die Anklägerin auf den Zeitraum November 1999, wobei es hier sogar zu einem Beischlaf mit der damals Achtjährigen gekommen sei. „Ich schwöre, dass dies nicht geschehen ist“, sagte der Mann in der Verhandlung, was bedeutet, dass die Richter hierzu zahlreiche Zeugen aus der Familie und einen Sachverständigen hören müssen.

Dass er die 15-Jährige aus Ober­lenningen im Dezember 2001 einmal statt nach Hause zu fahren, auf einem Parkplatz im Wald bei Erken­brechts­weiler vergewaltigt habe, weist er ebenfalls weit von sich und gibt jetzt vor Gericht an, dass alles im Einvernehmen geschah. In ersten Vernehmungen hatte er jeglichen Sexualkontakt mit der 15-Jährigen bestritten. Gestern sagte er, es sei einverständlich nicht nur einmal, sondern sogar in drei Fällen zu einem intimen Kontakt mit ihr gekommen. Die heute 21-Jährige wird sich daher – in nicht öffentlicher Verhandlung – deutliche Fragen im Zeugenstand gefallen lassen müssen.

Die Richter der 4. Jugendschutzkammer haben zur Aufklärung der Vorwürfe mehrere Verhandlungstermine und die Vernehmung von insgesamt 16 Zeugen beschlossen. Am morgigen Donnerstag sollen die ersten Zeugen gehört werden.