Lokales

Angela Merkel erntet Kritik, aber auch Anerkennung

Angela Merkel hat geschafft, was noch keiner anderen Frau vor ihr gelungen ist: Der Sprung an die politische Spitze Deutschlands. Während ihrer ersten 100 Tage im Amt hat die Bundeskanzlerin viel Lob geerntet in Deutschland ebenso wie im Ausland. Was aber denken die Bürger rund um die Teck? Wir haben bei Passanten in der Kirchheimer Fußgängerzone nachgefragt.

BIANCA LÜTZ

Anzeige

KIRCHHEIM Schon einmal war Angela Merkel Thema einer Umfrage in Kirchheim: Kurz nach der Bundestagswahl im vergangenen Jahr hakte der Teckbote bei Passanten nach, wie sie sich die politische Zukunft vorstellen und was sie über Merkel denken. Damals schlug der neuen Frau an der Spitze Deutschland einige Skepsis entgegen: "Sie ist zu unsicher und von Auftreten und Erscheinung her nicht als Kanzlerin geeignet", mutmaßte eine Frau. "Ich kann mir nicht vorstellen, wie sie sich mit Bush oder Chirac trifft", gestand ein Passant. 100 Tage später kann die Kanzlerin auf erfolgreiche Staatsbesuche in Russland, Frankreich und den USA zurückblicken. Meinungsumfragen zufolge zeigen sich auch die Bundesbürger mit dem Auftreten und der Politik Merkels zufrieden.

Von Begeisterung über die Bundeskanzlerin nach ihren ersten 100 Tagen im Amt war bei einer weiteren Umfrage in Kirchheim jedoch wenig zu spüren: Die meisten Passanten beobachten sie mit kritischen Augen.

"Ich war schon immer gegen Merkel", gibt Uli Pfefferle unumwunden O:103F698.EPSzu. "Das ist aber wohl eher eine persönliche Abneigung", glaubt der 60-Jährige. Zwar findet er, dass Angela Merkel zum Beispiel bei ihrem Staatsbesuch in den USA einen guten Eindruck hinterlassen hat, innenpolitisch seien ihre Erfolge bislang aber eher gering. "Es verschlechtert sich alles", kritisiert er und verweist auf die Gesundheitsreform, Hartz IV und die Mautdiskussion. Trotz aller Kritik traut Pfefferle der Kanzlerin aber Beständigkeit zu: "Ich kann mir vorstellen, dass sie über diese Legislaturperiode hinaus im Amt bleibt."

"Aus meiner Sicht hat Angela Merkel noch nicht sonderlich viel geleistet", hält sich auch Andreas KirchO:103F695.EP_maiers Begeisterung in Grenzen. Dass die Kanzlerin derzeit große Zustimmung genießt, liegt seiner Ansicht nach am wirtschaftlichen Aufschwung: "Die Weichen dafür waren aber vorher schon gestellt und Merkel hat die guten Früchte jetzt geerntet", glaubt der 43-Jährige aus Unterensingen. Ansonsten ärgert sich Kirchmaier darüber, dass es seit dem Amtsantritt Merkels vor allem Einschnitte in die Geldbeutel der Bürger gegeben hat. Sein Fazit: "Sie ist auch nicht besser als ihr Vorgänger."

"Ich mag sie eigentlich nicht, muss aber feststellen dass sie in ihrem äußeren Erscheinungsbild gewonnen hat, seit sie das hohe Amt bekleidet", O:103F693.EP_gesteht Monika Kallenberg der Bundeskanzlerin eine gewisse Weiterentwicklung zu. Die politischen Errungenschaften der CDU-Frau jedoch haben auch die 65-Jährige bislang nicht überzeugt: "Die Euphorie darüber, was sie bei ihren Staatsbesuchen geleistet hat und was ihre Kompromissbereitschaft angeht, kann ich nicht teilen", geht die Kirchheimerin auf das aktuelle Umfrage-Hoch ein.

"Ich muss sagen, ich finde sie relativ blass", schildert Klaus Kromer seinen Eindruck von Angela Merkel, der aus seiner Sicht immer noch etwas vom "Ost-Mädel"-Image anhaftet. Zwar sei die neue Kanzlerin in den Medien stark präsent, "aber von tatsächliO:103F697.EP_chen Entscheidungen habe ich noch nicht viel gemerkt", bedauert der 46-jährige Kirchheimer. Eine Prognose darüber, ob die erste Frau an Deutschlands Spitze mit ihren männlichen Vorgängern mithalten kann, wagt Kromer noch nicht: "Ich finde es zu früh, um dazu etwas zu sagen."

"Grundsätzlich bin ich nicht so sehr begeistert", zeigt sich Sonja Schmid zurückhaltend. Sie ist sich zudem nicht sicher, ob eine Frau die ideale Besetzung für den Kanzlerposten ist. Allerdings muss sie Angela Merkel gleichzeitig auch ein Kompliment aussprechen: "Sie hat sich gemacht." Als Merkel vergangenen Herbst gewählt wurde, konnte sich Sonja O:103F696.EPSSchmid kaum vorstellen, dass die neue Kanzlerin bei einem Treffen mit Bush einen guten Eindruck hinterlassen würde. In diesem Punkt wurde die 32-Jährige eines Besseren belehrt: "Ich war positiv überrascht", räumt sie nach den ersten erfolgreichen Staatsbesuchen Merkels ein.

"Die Begeisterung ist in den ersten 100 Tagen zwar groß, aber geleistet hat Angela Merkel bis jetzt noch nichts", betont Elisabeth Reich. Etwas skeptisch beobachtet sie, wie die Bundeskanzlerin im Inland und Auslan "große Versprechen" macht. Feststellen muss die Rentnerin nämlich: "Für uns wird alles teurer nur die Rente wird nicht mehr." Gut und O:103F694.EP_wichtig findet die 75-Jährige aber, dass endlich einmal eine Frau an der Macht ist. Außerdem ist sie überzeugt davon, dass die Bundeskanzlerin ihren Vorgängern allemal das Wasser reichen kann: "Mit den Männern hält Merkel auf jeden Fall mit", glaubt Reich.

Fotos: Jean-Luc Jacques