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"Anima musica" taucht in die Welt des Spätbarock ein

KIRCHHEIM/NEIDLINGEN Musikfreunde haben allen Grund zur Freude: Der renommierte Frauenchor "anima musica" aus Neidlingen

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IRENE STRIFLER

hat sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Die sangesfreudigen Damen wagen sich mit Chorleiter Christian Vogt an zwei Miserere von

O:STERN.TI_Johann Adolph Hasse. Zwar ist Prahlerei wahrlich nicht Christian Vogts Sache, dennoch gibt er mit einem gewissen Stolz zu, dass der Chor damit den geneigten Zuhörern eine wahre Rarität zu Gehör bringen wird. Das Schönste daran: Der Reinerlös der gesamten Veranstaltung kommt, wie schon vor zwei Jahren, der Teckboten-Weihnachtsaktion zugute.

Aufgestöbert hat der Dirigent die aktuell einstudierte Chorliteratur höchstpersönlich nach langer, zäher Suche. Das Grundproblem ist bekannt: "Für Frauenchöre gibt es aus der Zeit vor dem 19. Jahrhundert kaum Originalliteratur", berichtet er. Johann Adolph Hasse (1699 1783), einst Hofkapellmeister in Dresden und als "Idol des Spätbarock" gerühmt, schrieb durchaus für Frauenstimmen. Schließlich war er mit der im 18. Jahrhundert berühmten Mezzosopranistin Fausina Bordoni verheiratet, die er auf einer seiner Italienreisen kennengelernt hatte.

Zwei Miserere, vermutlich in einem Mädchenhospiz geschrieben, stellen den Schwerpunkt des Konzerts dar, das anima musica, der Frauenchor im Liederkranz Neidlingen, am Samstag, 26. Januar, um 19.30 Uhr in der Kirchheimer Martinskirche geben wird. "Aus der Dunkelheit zum Licht" lautet der Titel des Konzerts. "Es handelt sich dabei keinesfalls um schwermütige Melodien", sagt Petra Feller, die bei anima musica eine Art "Mädchen für alles" ist. "Schlank, schmal und kristallin", sind die Adjektive, die Feller und Vogt zur Beschreibung der Musik einfallen. Intonation und Rhythmus weichen vom üblichen Repertoire des Chores weit ab. "Die Beschäftigung mit Barockmusik war für uns etwas ganz Neues", bringt es Petra Feller auf den Punkt.

Entsprechend intensiv sind die Vorbereitungen für den über 30 Köpfe zählenden Chor, der mittlerweile zum Kammerchor geworden ist und sich landesweit einen Namen gemacht hat. Seit 2003 sind die Neidlingerinnen Mitglied im Verband deutscher Konzertchöre.

"Der Schwierigkeitsgrad ist hoch", räumt Chrisitan Vogt mit Blick auf das neueste Vorhaben ein. Dies wirkt auf die stimmgewaltigen Damen geradezu motivationssteigernd: "Wir suchen stets neue Ziele", meint Petra Feller. Der Chorleiter wiederum ist glücklich, wenn unbekannte Werke zur Aufführung gelangen. Dass dies in Kirchheim der Fall sein wird, beweist ein Blick in die Internet-Seiten der Hasse-Gesellschaft: Konzerte mit Werken dieses Komponisten sind in Deutschland rar gesät, auf die Miserere trifft man fast nie.

So ist also zu erwarten, dass interessiertes Publikum aus nah und fern am letzten Samstag im Januar den Weg in die Kirchheimer Martinskirche findet. Intensive Probenarbeit ist zuvor angesagt bei anima musica. Natürlich haben die unternehmungslustigen Damen zwischen 14 und 54 Jahren schon eine ganze Reihe von Übungsterminen hinter sich, unter anderem ein Probewochenende mit Helmut Steger aus Halle an der Saale, seit 2004 Chorleiter an der Chorakademie Dortmund. Er wird auch die Gesamtleitung des Konzerts haben und beim Miserere in c-Moll den Taktstock übernehmen.

Das Miserere in d-Moll und das Miserere in c-Moll von Johann Adolph Hasse stehen im Mittelpunkt des Konzerts, das jedoch den Bogen bis in die Romantik spannt. Mit von der Partie ist auch der Konzertpianist Wolfgang Ernst Bauer aus Stuttgart. Er bringt eine Schubert-Sonate zu Gehör und eine eigene Komposition. Martin Straub aus Göppingen begleitet die Musiker am Cembalo. Die Solostimmen sind Haeyoung Shin aus Ulm (Sopran), Hilde Scheerer aus Esslingen (Mezzosopran) und Evelyn Weidenhausen aus Esslingen (Alt). Fast schon fester Bestandteil der Konzerte von anima musica ist das collegium musicum als Ulm, ein etwa 30 Musiker umfassendes Streich-Ensemble.

Dass sich Freunde barocker Musik den 26. Januar 2008 schon mal rot im Kalender anstreichen sollten, versteht sich eigentlich von selbst. Möglicherweise bietet sich eine Eintrittskarte ja sogar noch als Weihnachtsgeschenk an. Die Karten gibt es beim Easy ticket-Schalter des Teckboten, bei der Raiffeisenbank in Neidlingen sowie bei Petra Feller, Telefon 0 70 23/90 94 73, und Marina Saida, Telefon 0 70 23/41 48.