Lokales

Anklagebank statt schnellem Geld

Ein 36-Jähriger aus Lenningen soll versucht haben, mittels Brandstiftung schnell zu Geld zu kommen. Vor dem Stuttgarter Landgericht muss sich der türkisch-stämmige Mann nun mit zwei Italienern aus Köngen und Nürtingen und mit einem 31-jährigen Nürtinger Griechen wegen Anstiftung zur gemeinschaftlichen Brandstiftung, schweren Betrugs, versuchten Versicherungsbetrugs und schweren Diebstahls verantworten.

BERND S. WINCKLER

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DETTINGEN Als die Esslinger Polizei am 2. März dieses Jahres einen der vier vor der 5. Großen Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts angeklagten Männer auf frischer Tat bei einem Einbruch in eine Nürtinger Boutique festnehmen konnte, ahnten die Beamten noch nicht, dass ihnen da neben der Aufdeckung einer ganzen Einbruchserie auch die Aufklärung einer Brandstiftung in Dettingen möglich wurde.

Der festgenommene 36-Jährige Türke soll nämlich Mitte Juli letzten Jahres seine jetzigen Mitangeklagten gegen Entlohung von jeweils 10 000 Euro dazu angestiftet haben, eine von ihm in Dettingen angemietete Halle durch Feuer zu vernichten. Sinn und Zweck dieses "Warmen Abbruchs" sei die Absicht gewesen, die Versicherung zu betrügen. Eigens dazu war eine entsprechende Police abgeschlossen worden. Dazu sollen laut Anklage verschiedene sündhaft teure Möbelstücke für die Ausstattung eines Spielcenters wie Billardtische und Automaten in der Halle deponiert, aber kurz vor dem Brand wieder entfernt worden sein.

In der Nacht zum 18. August letzten Jahres wurde dann mit Benzin der Brand gelegt. Die Halle brannte nieder, ein Gebäudeschaden in Höhe von rund 250 000 Euro entstand dabei. Verschont geblieben waren aber jene Gegenstände, die man zuvor in Sicherheit gebracht hatte, aber gegenüber der Brandversicherung als Inventarschaden angegeben habe.

Untermauert worden sei der angebliche Schaden durch zwei gefälschte und fingierte Rechnungen über einen angeblichen Anschaffungswert von 165 000 Euro. Auch Einrichtungsgegenstände zum Betrieb einer Gastwirtschaft wie Theke und Bierzapfeinrichtungen, sollen per fingierter Rechnungen der Versicherung als zerstört gemeldet worden sein.

Die vorgeworfene Brandstiftung ist nunmehr nicht der einzige Punkt, mit dem sich die Richter der 5. Großen Strafkammer seit dem gestrigen Donnerstag zu befassen haben. Die Angeklagten sollen zudem als Einbrecher ab Dezember letzten Jahres bis zur Festnahme im März dieses Jahres ihr Unwesen zwischen Neckartenzlingen, Frickenhausen, Nürtingen und Kirchheim getrieben haben.

Dabei fielen ihnen laut Anklage jeweils in Gaststätten, Cafes und Firmen Bargeldbeträge zwischen 400 und 4 000 Euro in die Hände. Allein beim Einbruch in ein Sportgeschäft in Kirchheim fielen ihnen acht Fahrräder im Wert von 4 900 Euro in die Hände. Sechs solcher schweren Einbrüche hat die Stuttgarter Staatsanwaltschaft zusätzlich zur Anklage gebracht.

Vor der 5. Großen Strafkammer sind drei der vier Beschuldigten jetzt voll geständig, geben aber zu bedenken, dass sie als Drogensüchtige dringend Bargeld benötigten und keine andere Wahl gehabt hätten, als das Angebot der Brandstiftung anzunehmen und die Einbrüche zu begehen.

Der vierte Mann, ein 36-jähriger Italiener aus Nürtingen, gibt zu Protokoll, dass er unschuldig angeklagt sei. Die übrigen Angeklagten hatten am gestrigen ersten Prozesstag durch ihre Verteidiger zwar ihre Geständnisse und die damit verbundene Reue vortragen lassen, wollen aber zu weiteren Tatkomplizen keinerlei Angaben mehr machen.

Man solle dieses Verhalten gründlich überlegen, meinte dazu der Strafkammervorsitzende, der den Beschuldigten bei vollen Geständnissen einen Strafrabatt im Bereich von zwei Jahren in Aussicht stellt. Der Prozess ist auf mehrere Tage terminiert.