Lokales

Anschieben, vorausdenken, motivieren

Kirchheims Planungsamtsleiter Dr. Hermann-Lambert Oediger gestaltet künftig Stuttgart mit

„Anschieben, vorausdenken, motivieren“ – mit diesen Worten beschreibt Dr. Hermann-Lambert Oediger die Aufgaben des Planungsamtes: „Wir sind kein Durchführungsamt.“ Angestoßen, vorausgedacht und motiviert hat der Geschäftskreisleiter mit seinen Mitarbeitern in sieben Jahren eine Menge. Jetzt wechselt der Stadtplaner in die Landeshauptstadt. Vom Gemeinderat verabschiedete er sich mit Pappnase und Berliner – Symbole seines Lebensweges.

Irene strifler

Kirchheim. Im Grunde ist der Stadtplaner, der schon in der neunten Klasse seine Liebe zur Gestaltung städtischer Areale entdeckte, ein Großstadtmensch: Aufgewachsen ist er in Köln, akademische Weihen erwarb er sich in Aachen, erste berufliche Schritte unternahm er in Berlin, sein Wohnsitz ist Stuttgart. Dass Dr. Oediger seinen Schreibtisch an der Lauter räumt und an den Neckar umzieht, ist daher nur konsequent. Ganz leicht scheint ihm der Abschied nicht zu fallen – Kirchheim ist ihm ans Herz gewachsen. Er schwärmt vom Blick auf die Teck, den er täglich auf dem Weg zum Bahnhof vom Lauterufer aus genießt, und sieht neben landschaftlicher Schönheit das städtebauliche Potenzial. „Kirchheim ist eine natürlich gewachsene Stadt mit ausgesprochen lebendiger Innenstadt“, bilanziert er.

Dass dies so bleibt, daran hat er mitgewirkt. Beherrschendes Thema war all die Jahre die Innenstadtverdichtung. Hier habe ein breiter Konsens mit dem Gemeinderat geherrscht, freut er sich und nennt entscheidende Leitmotive in der Arbeit des Planungsamtes: Welches Potenzial gibt es? Wie schaffen wir es, Brachflächen zu integrieren? Viel hat sich hier getan unter seiner Ägide. Dabei räumt er ein, dass dieser Weg nicht immer konfliktfrei gewesen sei, wie beispielsweise das Thema Wiesenweg gezeigt habe.

Ein weiterer Roter Faden betrifft die Stadterneuerung, deren Fundament bereits Oedigers Amtsvorgänger gelegt haben. Hier geht es um mehr als nur um hübsche Fachwerkfassaden. Dahinter verbergen sich beispielsweise Alt-Industriegebiete, die über die „Stadterneuerung“ mit entsprechenden Fördergeldern eine neue Nutzung erfahren dürfen.

Als wichtiges Anliegen für die Stadt bezeichnet der Visionär im Technischen Rathaus die Gewässerrenaturierung. „Die Stadt hat nun mal keinen Stadtpark, und den kann man auch nicht einfach schaffen“, holt er aus und regt an, die Flussläufe als „Schatz auszuspielen“. Wie gut dies gelingen kann, zeige das Lauterufer im Gebiet Gaisgasse.

Dass die Früchte der eigenen Arbeit auch geerntet werden können, ist in diesem Job keine Selbstverständlichkeit. Gut Ding will schließlich Weile haben, und speziell beim Thema Fördergelder ist nicht selten ein langer Atem vonnöten. Manchmal jedoch läuft die Koordination verschiedener Vorhaben und Interessen wie am Schnürchen. Oediger spricht vom „Kennzeichen für ein gutes Miteinander“, das in Kirchheim gegeben sei. Lob fällt dabei für den Gemeinderat ab, schrecke das Gremium doch nicht vor langfristiger Planung zurück und gebe beispielsweise auch mal Geld für ein Grundstück aus, das erst mittelfristig Verwendung findet.

Hilfreich sei die besondere Planungskultur, für die Kirchheim stehe. Hier verweist Oediger auf die überwiegend gut besuchten Stadtforen. Seine Rolle und die seiner Mitstreiter sieht er in „gestaltender Moderation“. Es gehe darum, Interessen abzuwägen und Mittler zu sein bei Konflikten. Dabei folge alles zuvor definierten städtebaulichen Überlegungen: „Wir sind keine neutrale Stelle.“

Wie schwer es ist, verschiedene Interessen unter einen Hut zu bringen, hat der Planungsamtschef auch bei der Ötlinger und Jesinger Halde erfahren, deren Pflegemanagement überregional viel Lob einheimst. „Es menschelt halt überall“, meint er nach vielen Gesprächen mit betroffenen Grundstückbesitzern und Schafhaltern. Dass er jetzt mühelos aus dem Stand minutenlang über die Ernährungsgewohnheiten eines Schafes referieren kann, spiegelt die Vielfältigkeit der Tätigkeit eines Stadtplaners, aber auch die persönliche Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen.

Die Erfahrungen aus Kirchheim können nun auf einen größeren Maßstab übertragen werden: In Stuttgart wird Dr. Hermann-Lambert Oediger die Abteilung Stadtentwicklung leiten. Manches hier wird er aus der Distanz sicher aufmerksam verfolgen. Schließlich stecken viele Projekte noch in den Kinderschuhen, wie zum Beispiel die neu eingeläutete „Zukunftswerkstatt Neues Wohnen“ (siehe Artikel oben).

Verbundenheit mit Kirchheim kommt vielleicht auch in der Tatsache zum Ausdruck, dass der Stadtplaner seine neue Tätigkeit mit einem Urlaubstag antritt. Den verbringt er in Kirchheim. Es handelt sich dabei um den Brückentag am 2. Mai, an dem eine Konferenz gemeinsam mit Gästen aus Rambouillet stattfindet.

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