Lokales

Ansprechpartner in der Not: Erste Hilfe für die Seele

Der Notfallnachsorgedienst des Deutschen Roten Kreuzes, Kreisverband Esslingen, hat eine neue Führungsmannschaft: Sabine Ewinger, Markus Wolf, Iris Sailer und Georg Basler koordinieren gemeinsam mit Kirchenvertretern die Tätigkeit des Kriseneinsatz-Teams.

ESSLINGEN Beim Notfallnachsorgedienst arbeiten ausgebildete ehrenamtliche Helfer und Seelsorger Hand in Hand, kümmern sich um Hinterbliebene nach einem unerwarteten Todesfall, um unverletzte Unfallbeteiligte, Angehörige und Zeugen eines Unglücks sowie um die Betreuung der Rettungskräfte nach einem Einsatz sie leisten erste Hilfe für die Seele und sind Ansprechpartner in der Not. Nun wurde auch das Einsatzgebiet in zwei neue Bezirke aufgeteilt, um schneller und gezielter helfen zu können. "Wir sind alle in unseren Berufen tätig und arbeiten ehrenamtlich beim Notfallnachsorgedienst", erklärt Georg Basler. "Eine Arbeitsteilung auf mehrere Schultern war daher unumgänglich."

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Seit bereits zehn Jahren besteht die freiwillige Helfergruppe beim DRK-Kreisverband Esslingen. Entstanden ist der Dienst aus der Erfahrung, dass im Bereich der notfallmedizinischen Versorgung fast alles optimal geregelt ist, aber für die Betreuung von Unverletzten, von Angehörigen und Einsatzkräften zu wenig getan wird, denn auch sie brauchen Beistand, Betreuung und Zuwendung.

Zur Aufgabe der Krisenhelfer gehört die Begleitung von Hinterbliebenen nach einem plötzlichen Todesfall in der Familie bis das soziale Netz aufgebaut ist, die Begleitung zu Identifizierungen, die Betreuung der Eltern bei einem Kindstod sowie bei Gewalt- und Missbrauchshandlungen genauso wie das Gespräch mit den Angehörigen nach einem Suizid oder mit Hinterbliebenen nach einem Verkehrsunfall.

Die Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst sowie Ämtern, Behörden, Ärzten und Kliniken funktioniert gut. Sabine Ewinger: "Wir arbeiten eng und intensiv zusammen." Oft wird die Polizei bei der Überbringung von Todesnachrichten von den Helferinnen und Helfern des Notfallnachsorgedienstes begleitet. Immer wichtiger wird die Betreuung und Nachsorge der Einsatzkräfte. "Sie stehen beispielsweise bei einem Suizid selbst unter einem extremen psychischen Druck," weiß Basler. Das Gespräch mit den Krisenkräften trage in solchen Fällen dazu bei, das Erlebte schneller und besser zu verarbeiten.

Der Notfallnachsorgedienst wird im Landkreis Esslingen inzwischen so häufig in Anspruch genommen, dass die 20 Krisenhelfer und 46 Kirchenvertreter kaum alle Anfragen erfüllen können und an finanzielle Grenzen stoßen: Allein im vergangenen Jahr wurden sie 120 Mal alarmiert. Gefragt sind vor allem ehrenamtliche Helfer, die tagsüber zur Verfügung stehen.

Alle neuen Einsatzkräfte werden gründlich auf ihre Aufgabe vorbereitet: Während der Ausbildung werden beispielsweise rechtliche Grundlagen genauso vermittelt wie der Umgang mit traumatisierten Menschen. Die Ausbildung beinhaltet auch Themen wie Bestattungswesen und die vermittelt auch Kenntnisse zu den verschiedenen Religionen und Kulturen. Ziel des Notfallnachsorgedienstes ist es, das soziale Umfeld der Betroffenen zu aktivieren und einzubinden, damit die betroffene Person wieder gestärkt und im Alltag Fuß fassen kann. "Wir können keine Dauerbetreuung übernehmen oder eine Therapie ersetzen," so Georg Basler. In der Regel begleiten die Helfer die Hinterbliebenen und Angehörigen so lange, bis Verwandte, Freunde oder Nachbarn sich um die Betroffenen kümmern können. Alle Helfer arbeiten ehrenamtlich. Ewinger: "In einer Zeit knapper Kassen sind Spenden mehr denn je erforderlich, denn sie kommen der qualifizierten Betreuung von Betroffenen zugute."

Das Notfallnachsorge-Team besteht immer aus einem Krisenhelfer und einem Seelsorger; zu erkennen sind sie an ihren gelben Jacken. Bewährt hat sich insbesondere die Zusammenarbeit mit den Vertretern der katholischen und evangelischen Kirchen. Pfarrer Ernst-Wilhelm Gohl vom Dekanat Esslingen und Helmut Manz vom Dekanat Bernhausen koordinieren die Einsätze der Kirchenvertreter. Ewinger: "Die Pfarrer sind vor Ort, kennen oft das Umfeld der Betroffenen und die genauen Familienverhältnisse."

Wichtig ist für die Krisenhelfer auch der regelmäßige Erfahrungs- und Meinungsaustausch in der Gruppe. "Mancher Einsatz fällt schwer,", weiß Sabine Ewinger. Jeder Helfer entscheidet allerdings selber, ob er in der Lage ist, die Betreuung zu übernehmen. Wichtig sei das Wissen, anderen Menschen in einer schwierigen Situation helfen zu können, meint Ewinger. Die vielen Dankesschreiben beweisen, wie wichtig die Arbeit der Krisenhelfer und nützlich der Notfallnachsorgedienst ist. "Diese Briefe geben den Helfern Mut," betont Sabine Ewinger.

Wer beim Notfallnachsorgedienst mithelfen oder die Arbeit der Krisenhelfer finanziell unterstützen möchte, kann sich unter Telefon 07 11/3 90 05 10 melden.

drk