Lokales

Antrittsbesuch in luftiger Höhe

Regierungspräsident besteigt Kirchheimer Rathausturm und wandert im Schopflocher Moor

Der Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl hat erstmals die Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker in Kirchheim getroffen. Anschließend besichtigte er mit Landrat Heinz Eininger zwei Naturschutzgebiete auf der Schwäbischen Alb.

Antje Dörr

Kirchheim. Johannes Schmalzl behält gerne den Überblick. Als Leiter des Regierungspräsidiums Stuttgart muss er das auch. Für 2 800 Mitarbeiter trägt der Jurist dort Verantwortung. Kein Wunder also, dass der Regierungspräsident bei seinem Antrittsbesuch in Kirchheim ganz nach oben drängte: Vom Rathausturm aus konnte er über ganz Kirchheim blicken. „Für mich ist das eines der schönsten Städtchen, die wir im Regierungsbezirk haben“, sagte Schmalzl.

Zuvor hatte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker ihn an Kirchheims schmuckste Orte geführt – und an solche, die es werden könnten, falls Stuttgart die Mittel zur Verfügung stellt. Die Oberbürgermeisterin warb besonders für das Sanierungsprogramm, das den sperrigen Arbeitstitel „Max-Eyth-Straße/Untere Vorstadt“ trägt. Gemeint ist das Gebiet, das sich von der Max-Eyth-Straße bis zur Plochinger Straße erstreckt und von der Lauter durchzogen wird. „Wir wollen das Gebiet hinter der Lauter neu ordnen und die Zugänglichkeit zur Innenstadt verbessern“, warb Matt-Heidecker für das mögliche neue Sanierungsgebiet. Der Gemeinderat hat das Konzept bereits gebilligt.

Auf dem weiteren Spaziergang zeigte Angelika Matt-Heidecker dem Regierungspräsidenten einige Kirch­heimer Plätze, die bereits von Geldern aus den Töpfen der Städteförderung profitiert haben. Das Vogthausviertel bekam Schmalzl aufgrund des Zeitdrucks nur noch aus der Luft zu sehen, das Schlachthofviertel dafür aus nächster Nähe. „Es ist sehr schön, dass die Bewohner hier gleichzeitig in der Stadt und mitten in der Natur und am Wasser leben“, lobte er.

Kirchheim sei eine lebendige Stadt, sagte die Oberbürgermeisterin. Sie wolle sich dafür einsetzen, dass das auch so bleibe – beim Wohnen, aber auch in den Bereichen Arbeit und Kultur. „Es ist eine Daueraufgabe, unsere Städte schön zu halten“, sagte Schmalzl im Gespräch mit Matt-Heidecker. Gerne wolle er sich mit ihr über Städtebauförderung und Sanierungsmaßnahmen unterhalten. Er wünsche sich eine enge partnerschaftliche Zusammenarbeit. „Wir wollen ein Miteinander, kein Gegeneinander“, sagte auch Matt-Heidecker. Nach dem Gespräch trug Johannes Schmalzl sich in das Goldene Buch der Stadt ein.

Anschließend besuchte der Regierungspräsident die Naturschutzgebiete „Randecker Maar“ und „Schopflocher Moor“ sowie das Naturschutzzentrum Schopflocher Alb. Begleitet wurde er von Landrat Heinz Eininger und den Bürgermeistern von Lennin­gen und Bissingen, Michael Schlecht und Wolfgang Kümmerle.

Bei einem Mittagessen in der Ziegelhütte konnte sich Schmalzl von der Qualität regionaler Produkte über­zeugen. Der Demeter-Hof, der vor al­lem für seinen Käse bekannt ist, liegt am Rande des Randecker Maars und somit im Grenzertragsgebiet. Doch die Besucherströme, die das Naherho­lungsgebiet und eben auch den Ziegelhof jedes Wochenende bevölkern, machen diesen Nachteil wett. Dem Hof geht es gut. „Es ist positiv, dass wir in der Ziegelhütte beginnen“, sagte Eininger. „Hier sieht man, dass diese Landschaft nur durch Nutzung erhalten werden kann.“ Die Naturschutzgebiete „Schopflocher Moor“ und „Randecker Maar“ seien nicht nur schützenswerte Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten, sondern auch wichtige Naherholungsgebiete für die Region. Es sei möglich, beides zu vereinen.

Dass der Erhalt der schützenswerten Naturlandschaften viel Arbeit mit sich bringt, erklärte Wolfgang Lissak vom Naturschutzzentrum beim Blick über die Zipfelbachschlucht. „Wenn die Pflege nicht wäre, würden wir hier im Wald stehen“, sagte er. Pflege bedeutet, regelmäßig zu mähen beziehungsweise Schafe weiden zu lassen und Büsche zu entfernen. „Niemand ahnt, welche Bemühungen notwendig sind, um diese Landschaft so zu erhalten“, sagte Reinhard Wolf, der im Regierungsbezirk für den Naturschutz zuständig ist.

Anschließend wanderten Regierungspräsident, Landrat und Bürgermeister ins Torfmoor. Das Regierungspräsidium hat das Naturschutzgebiet im letzten Jahr von 50 auf 76 Hektar erweitert, indem es umliegende Wiesen und Äcker zu schützenswertem Gebiet erklärt hat. Sie dürfen nun nicht mehr mit konventionellem Dünger behandelt werden, um schädliche Einflüsse von der sensiblen Moorlandschaft fernzuhalten. Das Moor zu erhalten, kostet ebenfalls Zeit und Geld. Regelmäßig muss es gepflegt werden. Auch bauliche Maßnahmen fallen immer wieder an. In den letzten Wochen wurden zum Beispiel sogenannte Spundwände in das Moor eingelassen, um den Wasserabfluss zu stoppen. Die Pflege des Moors übernehmen das Naturschutzzentrum, Landwirte, die vom Zentrum beauftragt werden, sowie der „Naherholungsverein Schwäbische Alb“. Schmalzl lobte die Bemühungen des Zentrums und sagte seine Unterstützung zu.

Zum Abschluss stand ein Besuch im Naturschutzzentrum auf dem Programm. Dort können sich Erwachsene und Kinder über die Kulturlandschaft informieren. „Wir möchten für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlage sensibilisieren“, sagte der Leiter Wolfgang Wohnhas. Über mangelnden Besuch kann er sich nicht beklagen. Jährlich kommen 20 000 Menschen. Ihnen möchte er in Zukunft mehr bieten. Ein neues Informationszentrum soll entstehen. Das Gebäude soll saniert und „maßvoll erweitert“ werden. „Dafür erwarten wir einen namhaften Betrag aus dem Entwicklungsprogramm ländlicher Raum“, sagte Wohnhas. Er bat Schmalzl darum, das Zentrum dabei zu unterstützen.

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