Lokales

"Anziehungspunkt für sanften Tourismus"

Seit zehn Jahren ist das Naturschutzzentrum Schopflocher Alb Anlaufstelle für große und kleine Naturfreunde. Anlass, die Arbeit der Informations-, Begegnungs- und Umweltbildungsstätte im Rahmen einer Feierstunde zu würdigen.

ANKE KIRSAMMER

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LENNINGEN Fußball-WM hin oder her: "Wir wollten so nah wie möglich an den 2. Juli herankommen den eigentlichen Geburtstag des Naturschutzzentrums", ließ dessen Geschäftsführer Dr. Wolfgang Wohnhas am Rande des Festakts verlauten. Mit dem Termin hatten die Organisatoren ins Schwarze getroffen. Die Partie Saudi-Arabien gegen die Ukraine hielt Landtagsabgeordnete, Bürgermeister der Umlandgemeinden, Kreisräte, Vertreter des privaten Naturschutzes und Ehrenamtliche erwartungsgemäß nicht von ihrem Weg auf die Alb ab.

Der Landkreis Esslingen hätte allen Grund, bereits den 20. Geburtstag des Zentrums zu feiern. Denn schon im Jahr 1986 erwarb er für 640 000 Euro das Gebäude samt Steinbruch. Wie Landrat Heinz Eininger betonte, war das Ziel, Natur- und Umweltschutz in weiten Kreisen der Bevölkerung zu verankern. Nach dem Umbau wurde 1989 das erste kreiseigene Naturschutzzentrum Baden-Württembergs eröffnet. Eine wichtige Weichenstellung bedeutete fünf Jahre später die Gründung der von Land Baden-Württemberg und Landkreis getragenen Stiftung "Naturschutzzentrum Schopflocher Alb". Nach erneutem Renovieren und Erstellung eines Anbaus wurde das ehemalige Steinbruchgebäude 1996 sozusagen zum zweiten Mal eröffnet.

"Der Betrieb ist beispielhaft für eine fruchtbare Kooperation zwischen Landkreis und Land", sagte Eininger. Nach wie vor steuert das Land jährlich 70 Prozent der laufenden Betriebskosten bei. Mit 200 000 Besuchern und gut 2500 Veranstaltungen in den vergangenen zehn Jahren hat sich das Zentrum zu einer gut genutzten Begegnungsstätte gemausert. Mit Großem Alb-Gang und dem jährlichen Bauernmarkt gingen von dem Zentrum wichtige Impulse aus. Insbesondere Kindern und Jugendlichen wollen die Verantwortlichen etwas bieten, damit sie die heimische Natur kennen- und schätzen lernen. Der Landrat wies auf die Kooperation bei der Pflege der Kulturlandschaft und dem Schutzgebietsmanagement mit Gemeinden, Land- und Forstwirten, Verbänden, Universitäten sowie örtlichen Institutionen hin. Beweis für die einzigartige Natur in der Umgebung des Zentrums ist für Eininger die Auszeichnung des Randecker Maars mit dem Prädikat "Nationales Geotop" durch die Akademie der Geowissenschaften in Hannover. "Damit gehört unser Randecker Maar von bundesweit 20 000 Geotopen jetzt zu den 77 bedeutendsten."

Nachdrücklich wurde der Kreisverwaltungschef beim aktuellen Thema Biosphärengebiet. Der Kreis will sich mit 6300 Hektar Fläche und dem Naturschutzzentrum als Nordportal in das Reservat einbringen. Der Landrat appellierte an die Gemeinderäte, sich aufgeschlossen zu zeigen: "Derzeit geht es darum, ob wir grundsätzlich mitmachen. Wir sollten das Projekt nicht mit Vorbehalten zukleistern. Raus kann man immer noch."

Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch vom Ministerium für Ernährung und ländlichen Raum erklärte in ihrer Festrede die Naturschutzzentren zu Anziehungspunkten in den schönsten Landschaften Baden-Württembergs für den "sanften Tourismus". Sie sagte die weitere finanzielle Unterstützung der sieben Zentren zu.

Die insgesamt sieben Institutionen seien keine Museen, sondern Begegnungsstätten, mit deren Hilfe die Menschen die Schönheit, aber auch die Gefährdung der Natur erkennen könnten. Friedlinde Gurr-Hirsch zufolge engagieren sich viel zu wenig junge Leute für den Naturschutz. "Wir sollten die Einrichtungen nicht nur als Stätten der Umweltbildung sehen, sondern auch als außerunterrichtliches Angebot, um der nachwachsenden Generation das nötige Know-how zu geben. Wichtig sei, das Spannungsfeld zwischen Naturschutz und Landwirtschaft beziehungsweise Tourismus aufzulösen.

Dass sich in dieser Richtung schon einiges bewegt, unterstrich Geschäftsführer Dr. Wolfgang Wohnhas. Er würdigte die Gründungsväter des Naturschutzzentrums, darunter der ehemalige Landrat Dr. Hans-Peter Braun und Heinz Dangel aus Ochsenwang. Das Zentrum biete ideale Voraussetzungen insbesondere für praxisnahes, erlebnisorientiertes Lernen und direkte Naturerfahrung vor Ort. "Eine zentrale Aufgabe sehe ich in den kommenden Jahren in der Umwelterziehung und Naturpädagogik für Kinder und Jugendliche. Hier müssen wir unsere Anstrengungen verstärken." Verbessert werden soll auch die Öffentlichkeitsarbeit. "Wir verstehen das Naturschutzzentrum als Plattform, auf der sich unterschiedliche Interessengruppen austauschen und näherkommen können", so Wohnhas.

Bevor die Gäste dieses Anliegen gleich in die Tat umsetzten, nutzte Werner Dannemann mit seinen Freunden die malerische Kulisse des ehemaligen Steinbruchs am Naturschutzzentrum, um ins Reich der Felsen und Sybillen zu entführen.