Lokales

Apfel als beste natürliche Zahnbürste

Vor einem Jahr hatte Altdorfs Bürgermeister Joachim Kälberer den Vorsitz des Kreisverbands der Obst- und Gartenbauvereine Nürtingen übernommen. Bei der Jahreshauptversammlung am Freitag in Jesingen bekam er für seine Amtsführung viel Lob. In Grußworten und Berichten wurden auch politische Forderungen laut.

PETER DIETRICH

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KIRCHHEIM Genau die richtige Portion Sonne wünscht Kälberer in diesem Jahr den 34 Ortsvereinen mit ihren 3500 Mitgliedern. Im vergangenen Jahr sei der Obstpreis gar nicht so schlecht gewesen, nur die Mengen hätten gefehlt. Dass der Feuerbrand nicht weiter aufgeflammt sei, habe nicht nur an der Witterung, sondern genauso an der Aufmerksamkeit der Obst- und Gartenbauer gelegen. Ein riesiges Problem seien jedoch die Feldmäuse. 57 Mitglieder durchliefen derzeit die Ausbildung zum Fachwart und würden am 23. Februar ihre Prüfung ablegen, freute sich Kälberer. Er begrüßte die beiden Fördermöglichkeiten, die von den zehn Gemeinden im Biosphärengebiet Schwäbische Alb genutzt werden können: das Plenum-Programm vor allem für die Obstverwertung und das Programm "Life+" für den Erhalt und die Pflege der Bäume. An Landrat Heinz Eininger gewandt, forderte Kälberer als "Apfelsaftinitiative" ein landkreisweites Fördermodell, ähnlich dem in Böblingen. Außerdem seien die derzeitigen Anforderungen für den Bau von Gemeinschaftsschuppenanlagen zu hoch, hierfür müsse jeder Beteiligte 1,5 Hektar selbst bewirtschaftete Fläche nachweisen. Kälberer forderte, ein wie im Landkreis Reutlingen übliches lockeres Vorgehen.

Er wolle sich Aufpreismodellen nicht verschließen, entgegnete Eininger. "Doch ob sich die Arbeit je in Mark und Pfennig lohnt, da mache ich ein großes Fragezeichen." Würden aus sieben Euro pro Doppelzentner durch den Aufpreis neun Euro, bedeute dies noch immer einen schlechten Stundenlohn. Beim konkreten Wunsch nach einer Gemeinschaftsschuppenanlage lade er ein, im Gespräch nach einer flexiblen Lösung zu suchen. Nur der Hinweis auf Nachbarkreise reiche jedoch nicht: "Da steht dann statt landwirtschaftlichen Geräten schon mal das Wohnmobil oder der Oldtimer drin." Wenn im Landkreis 55 Prozent der Streuobstwiesen von Gütlesbesitzern bewirtschaftet würden, betonte Eininger, zeige dies die Bedeutung des Verbands. Weil der Pflegezustand der Bäume zunehmend schlechter würde, sei die Ausbildung zum Fachwirt sehr wichtig. Dass die aktuellen Anträge aus dem Landkreis zu "Life+" in Brüssel nicht beanstandet worden seien, wertete er schon mal als ein gutes Zeichen.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Carla Bregenzer hält es für völlig absurd, wenn im Laden neben einheimischen Äpfeln zum gleichen Preis solche aus Neuseeland liegen. Erdbeeren unterm Weihnachtsbaum seien genauso irrsinnig. Da nur angeboten werde, was der Verbraucher kaufe, müsse dieser sich ändern für diese Forderung bekam Bregenzer in der gut besetzten Gemeindehalle kräftigen Applaus. Sie verlangte zudem klare Herkunftsbezeichnungen: Wo "heimisches Streuobst" draufstehe, müsse auch solches drin sein, ohne irgendwelche Tricks. Beim Verbot von Spritzmitteln sollten in der gesamten EU einheitliche Richtlinien gelten. Sie wünschte den Obst- und Gartenbauern "eine Saison mit reicher Ernte und fairen Preisen".

Ulrich Noll, FDP-Fraktionsvorsitzender im Landtag und von Beruf Zahnarzt, war ebenfalls nach Jesingen gekommen. An seine Beschreibung des Apfels als "beste natürliche Zahnbürste" erinnerte Albrecht Schützinger, Fachberater beim Landratsamt Esslingen. Er gab einen fachlichen Rückblick auf ein Jahr, "in dem alles gleichzeitig geblüht hat, außergewöhnlich stark und früh". Schon Ende April habe es Freilanderdbeeren gegeben. Bei gut gepflegten Beständen seien nach dem Rekordjahr 2006 auch im darauf folgenden Alternanzjahr 2007 hohe Erträge möglich gewesen. Nicht nur auf die Pflege komme es an, unterstrich Kirchheims Bürgermeister Günter Riemer, sondern auch auf die regionale Vermarktung. Dabei sei es egal, ob der Verbraucher die Beeren und Früchte aus der Saftflasche, dem Mostfass oder als Destillat genieße.

In Zeiten von E-Mail sei es an der Zeit, Jüngere heranzulassen, befand Ursula Kerner und trat nach zwölf Jahren als Schriftführerin zurück. Sie wurde mit Blumen und Dankesworten aus ihrem Amt, in dem sie zudem große Teile der Geschäftsführung übernommen hatte, verabschiedet. Mit den beiden "Weilheimer Urgesteinen" Karl Fischer und Heinrich Mack erhielten zwei verdiente Obst- und Gartenbauer für ihren 50- und 40-jährigen aktiven Einsatz die bronzene Medaille des Landesverbandes LOGL.

Das Referat des Fellbacher Rosenexperten Peter Schwarzkopf folgte ganz zum Schluss. Zwar hat nicht jeder Rosenfreund wie er die Möglichkeit, seine geliebten Pflanzen mit Mist von der Wilhelma zu düngen, doch lassen sich andere Ratschläge beherzigen wie den Kauf neuer, widerstandsfähiger Sorten, die möglichst das ADR-Siegel tragen. Sie seien leichter zu kultivieren als die beliebten alten Sorten. Was Rosenfreunde ebenfalls wissen sollten: "Rosenduft und Haltbarkeit sind genetische Gegenspieler." Leider sei nicht beides gleichzeitig zu haben.