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Archive gelten nicht unbedingt als aufregende ...

Archive gelten nicht unbedingt als aufregende Orte: Das Stöbern in alten Dokumenten halten viele Menschen für eine langweilige Angelegenheit. Doch sollte die Faszination historischer Quellen nicht unterschätzt werden. Die Aufzeichnungen bergen nicht nur Wissenswertes, sondern fördern mitunter auch überraschende oder einfach vergessene Erkenntnisse über eine Stadt und ihre Bewohner zutage.

Einen Blick in ihr wohlsortiertes „Gedächtnis“ gibt die Stadt Weilheim am kommenden Sonntag. Dann öffnet das Stadtarchiv von 12 bis 17 Uhr seine Pforten und informiert mit Führungen über den rund 500 Jahre umfassenden Bestand. In ihm findet sich die gesamte schriftliche Überlieferung der Stadt Weilheim und der im Jahr 1972 angeschlossenen Gemeinde Hepsisau.

Unter den verwahrten Quellen schlummern eine Reihe wertvoller und interessanter Perlen. Zu den Schmuckstücken zählen sechs Pergamenturkunden aus der Zeit zwischen 1430 und 1614, die fachgerecht restauriert wurden und nun in besonderen Schachteln gelagert werden. Weitere Besonderheiten sind das Statutenbuch aus dem Jahr 1571 sowie das Armenkastenzinsbuch von 1553, in dem früher sozusagen der Sozialfonds der Gemeinde notiert wurde. Das Armenkastenzinsbuch ist das älteste Dokument im Archiv. Darüber hinaus sind weitere Urkunden, Fotografien aus mehreren Jahrzenten, Stoffmuster der ehemaligen Weberei Faber und Becker und Ausgaben der Weilheimer Zeitung zu sehen.

Der genaue Standort der Materialien ist in drei Findbüchern verzeichnet. Diese haben der frühere Kreisarchivar Christoph Drüppel, sein Nachfolger Manfred Waßner, die Facharchivare Gabriele Mühlnickel-Heybach und Jochen Fuchs sowie die frühere fachliche Betreuerin der Stadt Weilheim, Margarethe List, über mehrere Jahre erstellt. Das Ergebnis ihrer Sichtung und Erschließung bezeichnet der neue Betreuer des Weilheimer Archivs Rainer Kilian als „vorbildlich“. Eine Recherche in den Findbüchern soll mittelfristig über das Internet möglich sein.

Beim Tag der offenen Tür, den Bürgermeister Hermann Bauer am kommenden Sonntag um 11 Uhr eröffnet, können Besucher aber nicht nur den Inhalt des Archivs erstmals besichtigen. Auch der neue Lagerraum im Untergeschoss der Rathauserweiterung feiert öffentliche Premiere. Dort werden die Materialen auf rund 400 laufenden Metern so verwahrt, dass sie durch Licht und Feuchtigkeit keinen Schaden nehmen. tof

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