Lokales

Atomkeller und Leonardo da Vinci

Neben einem Besuch des Atomkellers unter der Schlosskirche besuchte die Seniorengruppe des Schwäbischen Albvereins bei ihrem jüngsten Tagesausflug auch noch die Haigerlocher Oberstadt und die Stadt Hechingen.

KIRCHHEIM Ziel der Senioren der Ortsgruppe Kirchheim des Schwäbischen Albvereins war eine Stadtführung in Haigerloch und eine Krippenbesichtigung in Hechingen. Der Stadtführerin ist es dabei hervorragend gelungen, der Kirchheimer Seniorengruppe einen Überblick über das Kleinstädtchen und seine vielfältige Vergangenheit zu vermitteln.

Anzeige

Unter der SchlosskircheDie Führung begann im Atomkeller, einem in den Muschelkalkfelsen, unter der Schlosskirche eingehauenen Bierkeller. Im Herbst des Jahres 1944 wurde dort eine Forschungsgruppe des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik aus Berlin untergebracht, um den drohenden Bombardierungen zu entgehen. Im Keller ist eine Nachbildung des für die Forschung verwendeten Kernreaktors aufgestellt. Im Hintergrund des Raumes stehen die für die Aufbewahrung des schweren Wassers verwendeten Tanks und in einer Ecke liegen die durch die Sprengung der Amerikaner übrig gebliebenen verbogenen Metallteile des Reaktors.

Auf großen Tafeln sind lebensgroße Fotografien der deutschen Atomforscher mit dem jeweiligen Lebenslauf aufgehängt. Dabei sind auch Albert Einstein und Lise Meitner. Zu besichtigen ist auch der Arbeitsplatz von Professor Hahn mit einem Geigerzähler. Es gelang hier die Atomspaltung, aber es kam nie zur nennenswerten Freisetzung von Energie. Für die Senioren aus Kirchheim, die alle den Krieg noch miterlebt haben, war es sehr beeindruckend, wie hier, unter räumlich beengten Verhältnissen und unter größter Geheimhaltung, höchste Forschung betrieben worden war.

StadtrechtAußerdem erfuhr die Gruppe noch, dass, nachdem das durch eine Holzbrücke über die Eyach getrennte Unterdorf mit dem Oberdorf vereinigt worden war, das vereinigte Haigerloch Stadtrechte erhielt. Damit war es die älteste Stadt in Hohenzollern, so alt wie die Stadt Berlin und älter als Hechingen. Eine Besonderheit in Haigerloch sind die an den Steilhängen wachsenden wilden Flieder, die im Mai diese Hänge in ein Blütenmeer verwandeln.

Nach der Besichtigung des Atomkellers ging es mit dem Bus zur Oberstadt, vorbei am jüdischen Friedhof, auf dem noch 650 Gräber erhalten sind. Seit 1780 war unter dem Schutz von Fürst Karl Friedrich das "Haag" zugewiesenes Wohnviertel für Juden. Mitte des 19. Jahrhunderts umfasste die jüdische Gemeinde ein Drittel der Haigerlocher Bevölkerung. Die kleine, im Allgemeinen sehr schlicht gehaltene, im "Haag" gebaute evangelische Kirche beherbergt eine Besonderheit, nämlich die Haigerlocher Abendmahlsfassung. Sie stellt keine Kopie des in fortschreitendem Verfall befindlichen Originals von Leonardo da Vinci in Mailand dar, ist aber genauso groß wie das Original. Die Neufassung wurde vielmehr nach Leonardo da Vincis erhaltenen Entwürfen, Skizzen und Aufzeichnungen neu erarbeitet. Dank der Opferfreudigkeit weiter Kreise konnte das sorgfältig vorbereitete Werk im Frühjahr 1952 begonnen und nach zwei Jahren vollendet werden.

Blick auf das EyachtalVon der Anhöhe der Haigerlocher Oberstadt aus sieht man über das tief eingeschnittene Eyachtal hinüber zum Schloss und der Schlosskirche. Auf dieser Anhöhe steht auch die Sankt-Anna-Kirche. Sie ist eine der drei katholischen Kirchen der Stadt. Die typischen Merkmale des Rokoko-Baustils sind gut zu erkennen. Mit Hinweisen auf Baumeister, Bauzeit und Bauumstände verabschiedete sich die Stadtführerin und hinterließ eine zufriedene Zuhörerschar.

Nach der Pause wurde die Sankt-Luzen-Kirche in Hechingen angefahren, um die im Altarraum aufgebaute barocke Weihnachtskrippe zu besichtigen. Die Senioren, die in den vergangenen Jahren immer wieder Krippen besichtigt haben, waren erstaunt und überwältigt beim Anblick der prächtigen Anordnung und Ausführung der Landschaft der Krippen-umgebung, der künstlerisch gestalteten Figuren, der Eleganz ihrer Kleidung und der Farbigkeit im Gesamtbild.

wim