Lokales

Auch alte Baumeister waren fit

Die badische Metropole Karlsruhe war das Ziel einer Ausfahrt der Sängerinnen und Sänger vom Kirchheimer Liederkranz.

KIRCHHEIM Zusammen mit fördernden Mitgliedern und Freunden des Vereines ging es über die Autobahn in Richtung Nordschwarzwald. Als quasi erste Attraktion der Reise konnte man vom Bus aus die mächtige Stahlkonstruktion am Flughafen beziehungsweise der Großbaustelle Messe Stuttgart bestaunen.

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Die baumeisterlichen Anstrengungen früherer Jahrhunderte sind allerdings nicht weniger bewundernswert. Schnell sollte es gehen beim Bau der Stadt Karlsruhe. Der damalige Markgraf Karl Wilhelm von Baden wollte seine Vision einer sternförmig angelegten Stadt in kürzester Zeit in die Realität umgesetzt wissen.

Mit der Gründung der Stadt am 17. Juni 1715 begann für Zimmermänner und Holzlieferanten eine Zeit der Hektik, aber auch guten Verdienstes. Die ursprüngliche Stadt und das Schloss waren erst ganz aus Holz gebaut die damit verbundenen Risiken eines Brandes vorprogrammiert. Vom nahe gelegen Turmberg im Stadtteil Durlach hatten die Besucher einen guten Überblick über die Stadt und das Umland.

Der Marktplatz mit Rathaus, evangelischer Stadtkirche und Pyramide (Grablege des Stadtgründers) waren die nächsten Ziele. Immer wieder geht der Blick in Richtung Schloss. Durch die fächerartige Anlage der Stadt ist der Mittelpunkt, der Schlossturm, schon von weitem zu erkennen. Die Absicht war es allerdings im umgekehrten Sinne, Markgraf Karl Wilhelm von Baden wollte von seinem Turm aus in alle Richtungen schauen können. Schlossgarten, Landesmuseum im Schloss, Universität, Zoologischer Stadtgarten, Bundesverfassungsgericht, Badisches Staatstheater und vieles mehr konnten nur in kurzen Visiten im Vorbeifahren angeschaut werden.

Weiter ging nun die Fahrt zum Rheinhafen. Mit 300 Hektar ist dieser doppelt so groß wie die Stadt. Leider war der Besuch etwas enttäuschend. Von einem Hafen im herkömmlichen Sinne war nicht viel zu sehen. Aus Sicherheitsgründen sind die Raffinerien umzäunt und die Kais für den Publikumsverkehr kaum zugänglich.

Als kleines "Trostpflaster" fuhr der Bus direkt zum Rhein über eine Brücke hinüber nach Rheinland-Pfalz und wieder zurück.

Nach so vielen Eindrücken und Informationen war die mittägliche Einkehr willkommen. Stand doch am Nachmittag nochmals ein Schloss, diesmal mit Besichtigung und Führung, auf dem Programm. Eingebettet in einen englischen Landschaftsgarten liegt in der Nähe von ihrer Residenz Rastatt das Schloss Favorite der Markgräfin Sibylla Augusta. In nur zehn Jahren Bauzeit, von 1710 bis 1720, wurde dieses Kleinod erstellt. Als Sommerschloss gedacht, besitzt es nur einige kleinere Zimmerkamine. Die über 5000 blauen Fayencefliesen an den Wänden, die Spiegel, bemalten Seidenpapiertapeten, Gobelins und viele Kunstschätze sind fast alle noch bestens im Original erhalten. Weder Feuchtigkeit noch Schäden durch Heizung sind vorhanden. Jahrhunderte von Krieg und Plünderungen gingen an diesem Schatz vorbei.

Einen Besuch ist das Schloss Favorite wert. Eine beschauliche Rückfahrt durch das Murgtal, hinauf auf die Höhen des Schwarzwaldes, war ein schöner Abschluss des Ausflugsprogammes. Eine nochmalige Einkehr und Rast bei gemütlicher Unterhaltung in Horb am Neckar ließen den Tag ausklingen.

ml