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Auch die Limburgstadt ist Abstecherort der Zirkustournee

WEILHEIM Der Kinder- und Jugendzirkus des Turn- und Gesangvereins Holzhausen geht nun schon zum sechsten Mal in den Pfingstferien auf Tournee durch den Kreis Göppingen. Am Samstag, 21., und am Sonntag, 22. Mai, gastiert der Zirkus Rondelli nach 2003 zum zweiten Mal in Weilheim im Sportzentrum Lindach und will einmal mehr sein Publikum mit Clownerie, Akrobatik, Jonglage und Feuerschluckern verzaubern.

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"Rondelli" auf Tour, das sind 28 Artisten im Alter zwischen neun und siebzehn Jahren und zusätzlich noch etwa 50 Erwachsene und Jugendliche, die die ingesamt elftägige Tournee als Betreuer begleiten. Angefangen hat alles im Jahr 1999, als der Turn- und Gesangverein Holzhausen sein 100-jähriges Bestehen feierte. Für das Kinderprogramm des Vereinsjubiläums wurden Kinder und Jugendliche schon einige Monate zuvor eingeladen, ein Zirkusprogramm einzuüben.

Karl-Heinz Ramminger, Geschäftsführer des Kreisjugendrings Göppingen leitete das Projekt, und zirkuserfahrene Jugendliche waren für das Training zuständig. Die Vorstellung beim Vereinsjubiläum wurde ein Erfolg und die Begeisterung der Akteure und des Publikums war so groß, dass unter dem Dach des Turn- und Gesangvereins Holzhausen der Kinder- und Jugendzirkus Rondelli gegründet wurde. Seither ist er fester Bestandteil der Abteilung Turnen.

Angespornt durch die große Zustimmung trainieren die Kinder fleißig den ganzen Winter hindurch. Im Frühjahr 2000 suchten die Betreuer des Projekts nach Auftrittsmöglichkeiten. Die Idee ein "richtiger" Zirkus geht schließlich auch auf Wanderschaft wurde mit der ersten Zirkustournee in den Pfingstferien 2000 in die Tat umgesetzt. Damit ist der Kinder- und Jugendzirkus Rondelli in seiner Art einmalig in ganz Baden-Württemberg.

Zwar gibt es in verschiedenen Einrichtungen hier und da auch einen Kinderzirkus, doch keiner geht mit eigenem Zelt und einem ganzen Tross von Fahrzeugen auf Wanderschaft. Die Zirkustournee findet immer in den Pfingstferien statt und besucht werden dann verschiedene Gemeinden im Kreis Göppingen. Diese Zirkustournee bildet natürlich den Höhepunkt im Artistenjahr.

Die ganze restliche Zeit bis zu den Pfingstferien dient der Vorbereitung. Derzeit trainieren drei junge zirkuserfahrene Artisten und ein Theaterpädagoge mit viel Engagement 25 Kinder im Alter von neun bis siebzehn Jahren dreimal in der Woche jeweils zwei bis vier Stunden. Auch die Eltern der jeweiligen Zirkusartisten treffen sich regelmäßig und sind die Organisatoren aller Auftritte. Bereits Monate vor der Tournee beginnt eine kleine Gruppe die farbenprächtigen Kostüme zu schneidern.

Das Leben während der Tournee ist eine Mischung aus sorglosem Vagabundenleben, logistischer Meisterleistung und körperlichem Kraftakt. An allen Auftrittsorten wird das gesamte Camp mit einer Wagenburg aus 25 Anhängern aufgestellt. Das schwierigste ist der Aufbau des 300 Personen fassenden Zirkuszeltes. Wer kräftig genug ist, muss anpacken.

Strom-, Wasser- und Abwasserleitungen werden verlegt, denn mit dabei ist natürlich auch eine fahrbare Küche und ein Geschirrmobil. Einige der Eltern, die zum Teil tagsüber anreisen, verpflegen die 70- bis 80-köpfige Truppe. Jugendliche Helfer unterstützen die Eltern beim Zeltbau, sind Requisiteure, Beleuchter und verkaufen frisches Popcorn und Erfrischungsgetränke. So trägt jeder nach Kräften zum Gelingen der jeweiligen Aufführungen bei. Die gemeinsame Arbeit und die Freude über das erreichte Ziel, auf der grünen Wiese ein organisiertes Zirkuscamp entstehen zu lassen und das Publikum in der Manege zu begeistern, schweißt die Truppe zusammen.

Tourneen sind selbstverständlich nicht nur mit viel Arbeit, sondern auch mit hohen Kosten verbunden. Finanziert wird die Tournee daher mit dem Verkauf von Eintrittskarten und Getränken, mit Preisgeldern und mit Zuwendungen der Gemeinden, des Landes und Sponsoren. Die circensischen Darbietungen sollen das Publikum erfreuen und einen kulturellen Beitrag in der Region bieten. Für die Zirkusfamilie ist die Tournee darüber hinaus eine ganz besondere Erfahrung. Hier ist jeder Einzelne stark in die Gemeinschaft eingebunden und muss sich mit seinen individuellen Fähigkeiten einbringen. Die knapp zwei Wochen engen Zusammenlebens und gemeinsamen Ziehens an einem Strang sind für Kinder und Erwachsene ein Kompaktkurs in sozialer Kompetenz. Hier lernt und erfährt jeder Einzelne Hilfe, Rücksichtnahme, umsichtige Konfliktlösung, Wertschätzung des anderen und Nächstenliebe. Für die jungen Artisten kommt noch ein wesentlicher Aspekt in der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit hinzu. Die Erfahrungen sollen helfen, nicht vor den eindrucksvollen Leistungen anderer zu resignieren, sondern die Begeisterung in Energie für die eigene Weiterentwicklung umzusetzen.

Der Kinder- und Jugendzirkus Rondelli belegte für sein Schaffen beim "Toto-Lotto-Sportförderpreis 2000 den ersten und 2002 den zweiten Platz. Mit einem dritten und einem ersten Preis belegte der Zirkus Rondelli auch bei der NWZ-Aktion "Give me five" in der Kategorie "Gutes Jugendprojekt" und bei der Aktion "Mir schaffets" 2004 in der Kategorie "Kultur". Außerdem erhielt der Zirkus 2003 den "Kulturförderpreis der Region Stuttgart".

Karten für die beiden Vorstellungen, die am Samstag, 21. Mai, und am Sonntag. 22. Mai, jeweils um 17 Uhr im Weilheimer Sportzentrum Lindach beginnen, gibt es im Zelt und im Vorverkauf bei der Weilheimer Kreissparkasse. Unter der Nummer 0 71 61/93 98 66 ist eine Kartenhotline eingerichtet. Wer die Aufführungen in Weilheim verpasst oder noch einmal Zirkusluft schnuppern möchte, kann dem Kinder- und Jugendzirkus Rondelli auch nach Holzhausen folgen, wo bei der TGV-Halle am Dienstag, 24. Mai, um 17 Uhr sowie am Mittwoch, 25. Mai, um 14.30 und um 19 Uhr die letzten drei Vorführungen dieser Tournee auf dem Programm stehen. Weitere Informationen über den Kinder- und Jugendzirkus Rondelli gibt es im Internet unter www.rondelli.de.

pm