Lokales

Auch heute: Laut und bunt

Kein Umsatzrückgang beim Verkauf von Silvesterfeuerwerk

Zum vergangenen Jahreswechsel kauften die Bundesbürger Feuerwerkskörper im Wert von 104 Millionen Euro. Auf denselben Umsatz hoffen die Händler auch zum Jahreswechsel 2008/2009. Nicht so erfreut sind die Kirchen über diese riesigen Ausgaben. „Brot statt Böller“ lautet ihre Aufforderung an die Bevölkerung und auch die Tierfreunde haben etwas gegen die Silvesterknallerei. Haustiere und Nutzvieh stehen große Ängste aus.

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Rudolf Stäbler

Kirchheim. Selbst die derzeitige Finanzkrise hält die Deutschen nicht vom Kauf von Böllern, Raketen und den sogenannten „Dicken Brummern“ ab. Die Pressesprecherin eines großen Einzelhandels-Discounters bestätigte bisher einen sehr guten Umsatz. „Wir sind sehr zufrieden“, so ihr Statement zum bisherigen und noch am heutigen Tag zu erwartenden Umsatz. Auch von Lieferengpässen konnte man nichts feststellen. Hieß es doch zunächst, dass durch die Olympiade in Peking die gesamten Vorräte in China aufgebraucht seien, und deshalb Europa nicht im bisherigen Umfang beliefert werden konnte. „Nichts haben wir davon gespürt“ betont die Pressesprecherin ausdrücklich.

Dabei ist die Fantasie der Feuerwerkshersteller nahezu grenzenlos. Die sogenannten „Dicken Brummer“ zeichnen zunächst farbige Kreise auf den Boden, dem folgen schließlich Fontänen und am Schluss gibt es noch ein gigantisches Finale. Wer eine 15-Schuss-Batterie kauft, dem versprechen die Hersteller ein wahres Effekt-Feuerwerk. Einfache Krachmacher, auch Böller genannt, sind fast nicht mehr gefragt. Feuerwerke zum Jahreswechsel 2008/2009 sind vor allem eines: bequem anzuzünden. Einmal das Streichholz hingehalten und schon geht der Zauber los. Selbst die in früheren Jahren so beliebten Raketen rücken in den Hintergrund, Händler sprechen von etwa 15 Prozent am Umsatz. Batteriefeuerwerke sind immer stärker vertreten. In diesem Jahr gibt es außerdem bei den Anbietern viele Feuerwerke, bei denen zwei oder drei Batterien miteinander verbunden sind. Da dauert der Spaß noch länger, versprechen die Werbeplakate.

Für die Feuerwehren ist so ein Silvesterabend im Kreis der Familie oft unterbrochen durch Einsätze. So hält sich die Freude bei den Floriansjüngern in Grenzen. Sie müssen so zwischen 22 Uhr und 3 Uhr am Morgen immer damit rechnen, zum Einsatz alarmiert zu werden. Die meisten Einsätze fahren die Feuerwehrmänner dabei zu Kleinbränden auf Balkonen oder in Dachstühlen, in die sich immer wieder Raketen verirren.

Zu einem vorsichtigen Umgang mit Feuerwerk und Knallkörpern rät auch in diesem Jahr wieder die Polizei. Auch dort weiß man, dass für viele Leute zum Start ins neue Jahr ein zünftiges Silvesterfeuerwerk gehört. Während die anderen feierten, gingen letztes Jahr rund 200 Notrufe vom Silvesterabend bis zum Neujahrsmorgen in der Notrufzentrale ein. Durch unsachgemäßes Hantieren und Abfeuern unter Alkohol kommt es jedes Jahr zu Unfällen und Bränden.

„Damit nichts passiert, ist beim Kauf von Raketen und Böllern darauf zu achten, dass diese mit einer BAM-Zulassung der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung gekennzeichnet sind“, rät Hans-Georg Pachur, Leiter der Gewerbeaufsicht beim Landratsamt Esslingen. So wurden auch beim diesjährigen Verkauf von Silvesterfeuerwerkskörpern von der Gewerbeaufsicht im Landkreis Esslingen schwerpunktmäßig als Präventionsmaßnahme Händler und Verkaufsstellen kontrolliert. Auch bis zum Verkaufsende am heutigen 31. Dezember werden von der Behörde noch Kontrollen durchgeführt.

„Genau so wichtig wie die Qualität des Produkts ist eine korrekte Bedienung“, mahnt Pachur. Wer leichtsinnig mit Feuerwerksartikeln umgeht, riskiert Schäden und Verletzungen an Händen Gesicht oder Augen durch den Druck der Explosion beziehungsweise indirekt durch wegfliegende Teile oder riskiert teilweise bleibende Hörschäden. „Wenn ein Böller in unmittelbarer Nähe des Trommelfells gezündet wird, kann dieser Knall zu bleibenden Hörschäden führen“, warnt Pachur.

Um Unfallgefahren zu vermindern, sollten verschiedene Sicherheitstipps beachtet werden. Zunächst heißt es die Hände von nicht zugelassenen pyrotechnischen Gegenständen wegzulassen. Es darf nur solches Feuerwerk abgebrannt werden, das mit dem in Deutschland notwendigen Zulassungszeichen „BAM-P I“ oder „BAM-P II“ und jeweils einer vierstelligen Nummer versehen ist. Feuerwerkskörper der Klasse I (Kennzeichnung P I) sind weniger gefährlich als solche der Klasse II (Kennzeichnung P II). Deshalb dürfen Feuerwerkskörper der Klasse II auch nur von Personen über 18 Jahren gekauft und verwendet werden. Dabei sollte immer die aufgedruckte, beziehungsweise beiliegende Gebrauchsanweisung beachtet werden. Zudem sollten Feuerwerkskörper niemals selbst hergestellt oder an gekauften manipuliert werden. Auch Blindgänger lässt man liegen, ein nochmaliges Anzünden kann sehr gefährlich werden. Tischfeuerwerke sollte man nur auf feuerfesten Unterlagen abbrennen und nicht in der Nähe von leicht entzündlichen Materialien. Als „Abschussrampen“ für Raketen sind in Getränkekisten gestellte leere Flaschen geeignet. Freistehende Flaschen könnten umfallen.