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Auch hier gibt die Bibel eine Antwort

Der Beruf prägt immer mehr das Leben der Menschen. Die Arbeitswelt diktiert zunehmend den Takt des Lebens. Daran muss der Mensch aber nicht zerbrechen. Die Bibel gibt Hinweise, wie Beruf und erfülltes Leben in Einklang zu bringen sind.

EKKEHARD GRAF

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KIRCHHEIM Diese Meinung vertrat der junge Theologe Steffen Kern aus Tübingen bei einem Vortrag in der Kirchheimer Martinskirche. Er widerlegte die landläufige Meinung, Bibel und Beruf seien zwei sich ausschließende Welten. Tatsächlich gebe die Bibel sogar Auskunft, wie man zu einem Beruf finden und darin Erfüllung erfahren könne.

Kern, der auch regelmäßig im Ra-diosender Antenne 1 das Wort der Kirche spricht, holte die etwa 200 Besucher in ihrer Situation ab und gab ihnen eine Perspektive, die das Wort "Beruf" neu würdigt. Allein schon der deutsche Begriff "Beruf" sei weltweit einzigartig, weil er sich nicht an der Arbeit oder dem Lohnerwerb festmacht, sondern von "Berufung" abgeleitet ist.

Der Reformator Martin Luther habe dieses Wort neu geschaffen, weil es seiner Meinung nach keine Lebensphase ohne Gottes Berufung gibt. So forderte auch Steffen Kern, der in Tübingen als Lehrer in einem Studentenhaus arbeitet, dazu auf, die eigene Berufung zu entdecken. Hilfreich seien dabei vier Leitfragen, besonders für junge Menschen in der Berufsfindungsphase: 1. Was kann ich? Die Frage nach den persönlichen Begabungen; 2. Was will ich? Die Frage nach den eigenen Wünschen; 3. Was muss ich? Die Frage nach den bestehenden Verpflichtungen; 4. Was soll ich? Die Frage nach den gestellten Erwartungen.

Mithilfe dieser Fragen könnten junge Erwachsene ihre eigene Berufung entdecken, wenn sie sich auch Zeit zur Stille und für Gespräche mit anderen nehmen. Auch gegenüber Gott solle die Frage nach dem richtigen Beruf artikuliert werden. Der 32-jährige Journalist und Theologe weiß von Menschen, die zwar ihre wahre Berufung kennen, aber nicht den Mut haben, diese zu leben. Daher komme manche Frustration im Arbeitsleben und in der aktuellen Funktion. "Auch Schüler, Rentner, Hausfrauen und Arbeitslose haben eine Berufung. Die müssen sie unbedingt entdecken", ermutigte der Referent die Anwesenden. Gerade auch Senioren müssten in Zukunft noch mehr ihre Berufung im neuen Lebensabschnitt entdecken und sich zum Wohl anderer engagieren.

Kern, der auf Einladung des kirchlichen Arbeitskreises "Lebendige Gemeinde" referierte, verwies darauf, sich im Beruf noch mehr an den biblischen Maßstäben zu orientieren. So müsse eine Sekretärin ihren Chef nicht mit Lügen verleugnen, sondern könne nur auf dessen Nichtansprechbarkeit hinweisen. Ein Frauenarzt könne zum Leben ermutigen, auch wenn die Untersuchung eine Behinderung des Ungeborenen befürchten lasse. Ein Auszubildender müsse sich nicht in schmutzige Geschichten der Kollegen hineinziehen lassen.

Durch ein tägliches Lesen in der Bibel könne man so viele Anregungen und Ermutigungen erhalten, um sich gegen Schlechtes bei der Arbeit abgrenzen zu können. Die Bibellektüre helfe auch dabei, zum treuen und verlässlichen Mitarbeiter zu werden. "Die Bibel macht nicht weltflüchtig, sondern welttüchtig", ist Kern überzeugt. Zum Abschluss gab er noch konkrete Tipps, wie Bibel und Beruf sich verbinden lassen. Zum Beispiel kurze Wartepausen mit einem kurzen Gebet zu füllen. Oder den Arbeitstag positiv zu beginnen durch ein Mut machendes Bibelwort am frühen Morgen.

Der traditionell am Vorabend des Bußtags stattfindende Vortragsabend, an dem auch die Landessynodalen der "Lebendigen Gemeinde" mitwirkten, wurde musikalisch von Volker Bühler und weiteren Musikern durch Gesang und Orgelspiel umrahmt.