Lokales

Auch im Jahr 2008 aufeinander zugehen, beim Jupiter

KIRCHHEIM Die Sterne haben es Kirchheims Stadtoberhaupt, Angelika Matt-Heidecker, angetan. Der göttliche Jupiter ist in diesem Jahr ihr Favorit. "Was kann denn schiefgehn, wenn ein Jahr in seinem Zeichen steht?" fragte sie ihre zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer beim "Dämmerschoppen" am Freitag-

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RICHARD UMSTADT

abend in der Stadthalle. Nichts, wenn der fünfte und gewichtigste Planet, der König der Götter, das Geschehen lenkt.

Freilich ist das Rathaus der Teckstadt nicht der Götterhimmel, und, beim Jupiter, es geht dort doch eher ärarisch zu. Sowohl die Oberbürgermeisterin als auch das Gemeindeparlament wurden von Menschen gewählt und sind diesen Rechenschaft schuldig. Das ist richtig so und gute Tradition beim Neujahrsempfang für Angelika Matt-Heidecker weniger Pflicht, denn lockere Kür.

Ganz Frau, fragte sie sich: "Wie fühlt es sich an, das neue Jahr?" und gab auch gleich die optimistisch gestimmte Antwort: 2008 fühlt sich gut an. Die Zuversicht mit Jupiter im Rücken war aus ihren Worten herauszuhören. "Kirchheim bewegt, Kirchheim bildet, Kirchheim baut und Kirchheim sorgt vor". Das ist eine ganz schöne Latte an Arbeit, die sich hinter dem Jahresmotto der Verwaltungschefin verbirgt. Dazu zählt der Neubau des Hallenbades, zählt ein weiteres Beachvolleyball-Feld im Freibad, zählen aber auch Angebote für Familien, Gesundheitsangebote für Ältere und die Bewegungsförderung von Kindern.

Apropos Bewegung: Auch die Menschen in der Teckstadt sollen sich nach dem Wunsch Matt-Heideckers aufeinander zu bewegen deutsche wie ausländische Mitbürger. Dabei erkannte sie klar: "Die Jugendkriminalität ist kein Ausländerproblem, sondern ein Problem bildungsferner Schichten. "Es sind nicht die Kinder türkischer Juristen, albanischer Ärzte und griechischer Professoren, die zigmal wegen Raub, Körperverletzung oder Drogenhandel verurteilt werden. Es sind Jugendliche aus Familien, deren Mangel an Bildung, deren Gewalt- und Verwahrlosungsstrukturen den Problemen in den Familien junger deutscher Straftäter ähneln."

Bildung lautete daher das nächste Stichwort. Kirchheims Schulen, auch im Ganztagesbereich, sollen ausgebaut, Sprache gefördert und eine Kinder- und Jugendakademie eingerichtet werden. Nicht so recht glücklich äußerte sich die Oberbürgermeisterin über den Finanzierungskompromiss bei der Betreuung für Kinder unter drei Jahren. Dadurch rücke ein beitragsfreies Kindergartenjahr in weite Ferne.

"Kirchheim baut." Das ist für aufmerksame Beobachter nicht zu übersehen. Fließt der Verkehr jetzt noch zügig durch die Stadt, so wird sich dies 2008 schlagartig wieder ändern. Die Kolbstraße und die Schülestraße werden umgebaut, um das neue Einkaufszentrum zu erschließen. Über das Ende einer wesentlich älteren "Dauerbaustelle" nicht der Stadt, sondern der Region freute sich Angelika Matt-Heidecker bereits jetzt. 2009/2010 wird die S-Bahn nach Kirchheim rollen. Als beispielhaft lobte das Stadtoberhaupt dabei den Schulterschluss der Nachbarstädte und Gemeinden.

Wer in die Sterne blickt, schaut in die Zukunft. Freilich musste die Verwaltungschefin dazu nicht Jupiter bemühen. Sie kennt die in den vergangenen Jahren erstellten Konzeptionen zur Entwicklung der Gewerbeflächen, zum Wohnen und zur sozialen Infrastruktur, zur Entwicklung der Freiflächen, der Gewässer, der Schulen und des Sports, die sich zu einem Gesamtkonzept fügen. Diese runde Konzeption heimste beim Wirtschaftsministerium nicht nur Lob ein, sondern ermöglichte den Kirchheimern auch den Griff in Geldtöpfe des Landes. Darüber hinaus machte sich Angelika Matt-Heidecker ebenso Gedanken über Wohnformen der Zukunft und die städtebaulichen Konsequenzen des Klimawandels.

Wohltuend, dass die Genossin im Chefsessel der Oberbürgermeisterin nicht, wie oft bei solchen Anlässen, zum großpolitischen Rundumschlag ausholte und ihr Publikum vor bärigen Erinnerungen an Bruno, Knut und Stoib"är" verschonte. Einen kleinen Seitenhieb allerdings konnte sie sich nicht verkneifen: "Man muss mindest etwas verdienen, damit mindest etwas Steuer gezahlt und mindest etwas konsumiert werden kann. Und ein Manager braucht einen gehaltlichen Mindestabstand." Soviel zu einigen im Lande heiß diskutierten Themen.

Allerdings wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Auch nicht beim Dämmerschoppen, der eher den Rahmen für einen zwanglosen Meinungsaustausch bietet bei Hefe- und Blätterteiggebäck und einem Viertele Willsbacher Trollinger mit Lemberger, oder einem Lemberger Rose, einem trockenen Riesling oder bei Löwensteiner Sauerwasser und Apfelsaft vom Sulzburghof.

Galt der Blick der Oberbürgermeisterin Jupiter und dem aktuellen Lokalgeschehen, so hatte zuvor Bertram Schattel mit seinem Sing-Out-Chor die "Wilden Zwanziger" zum Leben erweckt und für Stimmung gesorgt. Wer hätte nicht gerne das "Fräulein Helen baden seh'n"? Mit dem bekannten Comedian Harmonists-Schlager von Fritz Grünbaum begeisterten die Sängerinnen und Sänger ihr Publikum ebenso wie mit dem Swing "In the mood" von Glenn Miller, mit "Black bottom" und "Puttin on the Ritz" von Irvin Berlin.

Dermaßen kurzweilig eingestimmt, fielen angeregte Gespräche nicht schwer und es "dämmerte" so manchem erst, was die Stunde schlug, als die Schoppen leer waren.