Lokales

Auch in "hohem Alter" weiterhin auf der Überholspur

Die Firma Festool, TTS Tooltechnic Systems, weihte am Samstag im Rahmen eines Mitarbeiterfestes den Neubau eines Fertigungs- und Bürogebäudes ein und feierte gleichzeitig den achtzigsten Geburtstag der Gründungsfirma Festo. Geladen waren 2 000 Mitarbeiter mit ihren Familien, ehemalige Mitarbeiter und Gäste der Werke von Illertissen und Neu Ulm zu einem Fest mit attraktivem Rahmenprogramm.

RENATE SCHATTEL

Anzeige

NEDLINGEN Schon im Juli 2003 hatte der Gemeinderat in Neidlingen mit großer Mehrheit den Bauantrag einer Produktionshalle im Baugebiet Vogtäcker genehmigt, obwohl der Bau die vorgegebenen Baulinien erheblich überschritt. Rat und Verwaltung wussten zu schätzen, dass das Unternehmen Festool mit dem projektierten Neubau nicht nur die Arbeitsbedingungen am Produktionsstandort verbessern will, sondern sich als größter Arbeitgeber im Ort zu diesem Standort bekennt.

Im April dieses Jahres konnte der Grundstein für das neue Fabrikgebäude gelegt werden, das heute, aus modernsten Baumaterialien gebaut, eine Nutzfläche von 2 300 Quadratmetern für die Produktion von Elektrowerkzeugen und 600 Quadratmeter Bürofläche bietet. Unter dem Dach der TTS Tooltechnik Systems treten die Marken Festool und Protool, beides Hersteller von Elektrowerkzeugen, Schneider, Spezialist für Druckluftlösungen, und Tanos, Verpackungs- und Ordnungssysteme, weltweit in 21 Ländern auf. Insgesamt beschäftigt die Firmengruppe über 2 000 Mitarbeiter.

Festool in Neidlingen erhielt bereits mehrfach Auszeichnungen, unter anderem 2002 den Titel "Fabrik des Jahres" in der Kategorie "Hervorragende Produktionsprozesse" und aktuell 2005 die Auszeichnung als "Bestes Montageunternehmen". Im Neidlinger Werk arbeiten heute 270 Mitarbeiter in Fertigung, Montage, Werkzeugbau, Motorenbau und Qualitätssicherung. Hergestellt werden rund 400 verschiedene Geräte, wie Schwingschleifer und Sägen. Nun ist geplant, weitere neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Die Freude über den Erfolg des Unternehmens und den Dank an die Mitarbeiter drückten das Eigentümerehepaar Gerda Stoll-Maier und Peter Maier und der gesamte Vorstand durch das reich ausgestattete Fest aus. Der Aufsichtsratsvorsitzende Peter Maier blickte in seiner Begrüßungsansprache auf die achtzigjährige Firmengeschichte zurück, die mit Gottlieb Stoll aus Holzmaden 1925 begann. In einem Hinterhof in Esslingen entwickelten er und sein Partner Fezer bis 1933 unter dem Firmennamen Festo eigene Werkzeuge, erzählte Peter Maier.

Nachdem sich die Partner getrennt hatten, arbeitete Gottlieb Stoll alleine unter dem Firmenlogo. Von 1933 bis 1969 entstanden die Ketten-Stemm-Maschine und andere Zimmereimaschinen, die auch auf der Leipziger Messe 1939 erfolgreich verkauft wurden. 1939 gelang ebenfalls die wichtige Produktion des Tellerschleifers. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe Gottlieb Stoll, so Maier, stationäre Holzbearbeitungsmaschinen und einen Zapfenschneider neu in die Produktion aufgenommen, berichtete der Aufsichtsratsvorsitzende. 1951 erfolgte der Umzug nach Neidlingen, wo als erstes Kreissägen und Schwingschleifer gefertigt wurden.

Bis heute seien die Maschinen für das Holz- und Ausbauhandwerk, für das Maler- und Lackierhandwerk und das Karosserie- und Autolackierhandwerk ständig weiterentwickelt worden und neue Produkte, wie zum Beispiel die Tauchsäge, hinzugekommen. In den neunziger Jahren habe man sich besonders mit der Akkutechnik beschäftigt und sei hier Marktführer geworden, berichtete der Aufsichtsratsvorsitzende. Seit 2000 existiert die Sparte Elektrowerkzeuge als eigenständige Firma Festool mit Sitz in Wendlingen und Produktionswerk in Neidlingen, das nun eine Erweiterung erfahren hat.

Der Vorstandsvorsitzende, Dr. Christoph Weiß, erinnerte in seiner Dankesrede daran, dass die Planung seit 2000 bis heute wie im Flug vergangen sei. Weiterhin glücke der Firma Festo mit ihren einzelnen Gruppen der Erfolg: "80 Jahre und weiterhin auf er Überholspur". Er erläuterte dann auch die strategischen Säulen, die das Unternehmen so sehr erfolgreich machten.

Ehrgeiziges Ziel sei die marktbasierende Leistungsführerschaft und damit der Beste und Leistungsfähigste in der Branche zu sein. Service und Beratung gehörten unabdingbar zu den Qualitätsmerkmalen, ebenso wie Kundenorientierung und umweltgerechtes Verhalten. Dr. Christoph Weiß zeigte eindrücklich das Wertesystem der Firma und ihrer Mitarbeiter auf. Gegenseitiges Vertrauen und ein wertschätzender Umgang miteinander bildeten die Grundlagen der täglichen Zusammenarbeit und stünden im Mittelpunkt.

Das Verhältnis von Mitarbeitern und Leitung beruhe auf Leistung und Gegenleistung. Fachkompetenz und Innovationsfähigkeit dürften dabei nicht fehlen. Sein Erfolgsrezept basiere auch auf dem "Hang zu Zahlen, Daten und Statistiken", in denen die Leistungen des Einzelnen transparent gemacht würden.

Dass diese Firmenphilosophie von Erfolg gekrönt ist, verdeutlichte Ulrich Stoll, Aufsichtsrat der Festo AG, mit der Rekordmarke von 243 000 Millionen Euro Umsatz im letzten Jahr. Das Unternehmen mit ausgeprägt schwäbischen Wurzeln und einer starken internationalen Marktbesetzung sei das Werk vieler Köpfe. Er bedankte sich insbesondere bei seiner Patentante Gerda Stoll-Maier für ihr unternehmerisches und soziales Engagement. Sie habe allerdings in den nächsten acht Jahren eine neue große Herausforderung vor sich, nämlich das Unternehmen offen und flexibel auszubauen und erfolgreich ihrer Tochter zu überführen.