Lokales

Auch in Skandinavien wartet "lebenslänglich"

Nachdem das Stuttgarter Landgericht den 28-jährigen polnischen Haupttäter Darius S. am 8. Dezember wegen Mordes an einem 62-jährigen Weilheimer Schrebergartenbesitzer zu lebenslanger Haft mit der Feststellung einer "besonders schweren Schuld" verurteilte, ist der Pole am 13. Dezember bereits an die dänische Justiz überstellt worden. Dort erwartet den Mann ein weiterer Mordprozess. Die Überstellung nach Kopenhagen erfolgte per Helikopter von Stuttgart aus.

BERND S. WINCKLER

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WEILHEIM Am Mittwoch, 13. Dezember, hob pünktlich um 9 Uhr am Echterdinger Landesflughafen ein Groß-Hubschrauber des Bundeskriminalamts ab und nahm Kurs Richtung Norden. Mit an Bord war der 28-jährige Darius S., an Händen und Füßen gefesselt und flankiert von drei bewaffneten Polizisten. Knapp drei Stunden später ging der Helikopter an der dänischen Grenzstadt Padberg unweit von Flensburg nieder. Dort warteten bereits die dänischen Kollegen mit einem gepanzerten Gefangenentransporter. Unter großen Sicherheitsvorkehrungen musste Darius S. umsteigen.

Warum ein so umständlicher Transport eines Gefangenen erst bis an die Grenze und dann dort mit anderen Verkehrsmitteln weiter? Ein bundesdeutscher Gefangenentransport, ob per Luft-, oder Straßentransport, darf nur bis zur Hoheitsgrenze des Nachbarlandes gehen. Ab dort sind dann nur noch die Polizeibehörden von Dänemark zuständig. Darius S. wurde in das Hochsicherheits-Gefängnis nach Odense gebracht.

Am 2. Januar muss der 28-Jährige sich dann vor der Schwurgerichtskammer in Kopenhagen wegen Mordes an einem 17-jährigen farbigen jungen Mann verantworten. Nach dem Mord an dem Weilheimer war S. mit seiner damaligen 19-jährigen Freundin und seinem 35-jährigen Landsmann Marius K. zunächst mit dem Auto des Opfers nach München und dann per Bahn nach Dänemark geflüchtet und soll dort dann den 17-Jährigen in einem Hotel erstochen haben. Kurz danach wurde er zusammen mit der 19-Jährigen von der Polizei gestellt und für den Weilheim-Prozess nach Stuttgart "ausgeliehen".

Möglicherweise verurteilen ihn die Dänen ebenfalls zu einer lebenslangen Haftstrafe. Nach Auskunft des Stuttgarter Landgerichts müsste er dann diese Strafe zuerst in Dänemark absitzen. Danach würde er per Auslieferung wieder nach Stuttgart gebracht, wo er hier sein deutsches "Lebenslang" verbüßen muss. Doch wann dies der Fall ist, steht in den Sternen. Eventuell, so ein Gerichtssprecher, werden beide Strafen in eine einzige Gesamtstrafe "Lebenslang" umgewandelt, da eine doppelte lebenslange Haftstrafe in der Bundesrepublik nicht möglich ist. Sollte aber der Bundesgerichtshof die Revision zulassen und eine neue Hauptverhandlung anberaumen, müsste S. schon im nächsten Jahr zum neuen Prozess wieder ans Stuttgarter Gericht gebracht werden.

Seine Ex-Freundin, die nur wegen Beihilfe zum Raub eineinhalb Jahre Haft auf Bewährung bekam, ist inzwischen in ihrem Heimatland Polen. Gegen ihr Urteil hat die Weilheimer Familie des Mordopfers Revision eingelegt. Sollte es auch hier zu einem Folgeprozess kommen, würde man darauf angewiesen sein, ob Polen die Frau überhaupt nochmals nach Stuttgart ausreisen lässt. Der Dritte im Bunde, Marius K., muss seine Strafe von sieben Jahren wegen Beihilfe zum Mord in der Bruchsaler Vollzugsanstalt verbüßen.