Lokales

Auch jetzt Blumengrüße vom Äquator

In ihrem Vortrag beim Bisinger Abendforum zum Thema "faire Blumen gibt es das?" appellierte Hildegard Huber von FIAN, beim Blumenkauf auf das Flower Label FLP zu achten. FIAN ist eine internationale Menschenrechtsorganisation, die sich mit den Bedingungen im internationalen Blumenhandel beschäftigt.

BISSINGEN In Deutschland werden jährlich rund vier Milliarden Euro für Schnittblumen ausgegeben. Nur rund zwölf Prozent dieser Blumen werden in Deutschland produziert, ein großer Anteil kommt aus den Niederlanden, aber fast 50 Prozent wird aus Ländern wie Ecuador, Kolumbien, Kenia und Simbabwe importiert.

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In diesen Ländern arbeiten insbesondere Frauen auf Blumen-Farmen, so Hildegard Huber, deren Arbeitsbedingungen häufig gar nicht "rosig" sind. Fehlender Arbeitsschutz führe immer wieder zu Unfällen, Krankheiten oder Fehlgeburten, unzureichende Arbeitsverträge und Arbeitszeitregelungen zu familiären Problemen und sozialen Ungerechtigkeiten, fehlender Umweltschutz zu lokalen Belastungen.

Deshalb haben 1998 die Interessenverbände des Blumenhandels der Blumengroß- und Importhandelsverband (BGI) und der Fachverband Deutscher Floristen (FDF) sowie die Menschenrechtsorganisation FIAN (FoodFirst Informations- & Aktions-Netzwerk), das evangelische Hilfswerk "Brot für die Welt", das Kinderhilfswerk "terre des hommes" und die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) das "Flower Label Programm" (FLP) gegründet.

Dieses Programm legt Richtlinien für die menschenwürdige und umweltschonende Blumenproduktion fest. Es umfasst soziale und ökologische Standards und überwacht deren Einhaltung in der internationalen Blumenproduktion.

Blumenfarmen, die im Flower Label Programm mitwirken, müssen unter anderem folgende Standards erfüllen: Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit, feste Arbeitsverträge und überdurchschnittliche Sozialleistungen, Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit, Gewerkschaftsfreiheit, verantwortlicher Umgang mit natürlichen Ressourcen, vor allem Trinkwasser, die Bereitstellung von preisgünstigen Lebensmitteln und kleinen Gemüsegärten und Verbot hochgiftiger Pflanzenschutzmittel.

Inzwischen gebe es weltweit rund 50 zertifizierte Blumenfarmen, informierte die Referentin. Wer als Verbraucher dies unterstützen wolle, solle deshalb beim Blumeneinkauf auf das FLP-Siegel achten.

"In meiner 15-jährigen Vortragsarbeit ist es das erste Mal, dass eine Floristin dabei ist", so Huber, als die Floristin Konny Oettle aus Bissingen über ihre Erfahrungen berichtete. Für sie sei es vor allem wichtig, dass sie ihrer Kundschaft auch in den Wintermonaten einwandfreie Blumen verkaufen könne.

Vor allem Rosen, Nelken und Schleierkraut bezieht sie aus zertifizierten Blumenfarmen über ihren Großhändler.

Sie hat keine Erklärung dafür, warum nur rund 700 Blumengeschäfte in Deutschland für FLP-Blumen werben und sie verkaufen. Sie geht allerdings davon aus, dass es Geschäfte gibt, die zertifizierte Blumen verkaufen, die dortigen Floristen dies aber nicht wissen.

Konny Oettle regte ebenfalls an, in den Blumenläden nach zertifizierten Blumen zu fragen. Eine falsche Reaktion sei es, künftig auf Schnittblumen zu verzichten. Die Arbeiterinnen und Arbeiter auf den Blumenfarmen seien dringend auf diese Arbeit angewiesen, da es keine Alternativen gebe.

Zum Abschluss des Abends durfte sich jede Zuhörerin, natürlich auch die Zuhörer, eine Rose aus der Dekoration mit nach Hause nehmen: als kleine Erinnerung, aber auch als Anregung, bei den nächsten Blumeneinkäufen auf das Zertifikat zu achten.

gg