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"Auch kleinere Vertragshändler sind wieder interessant"

Bei der Herbstveranstaltung der Innung Nürtingen-Kirchheim des Kraftfahrzeuggewerbes in der Limburghalle wurden verschiedene Themen vorgestellt. Obermeister Konstantin Lepadusch entdeckte Silberstreifen am Konjunkturhorizont: "Wir hoffen, dass bald alles in Schwung kommt die Septemberzahlen waren gut".

RAINER STEPHAN

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WEILHEIM Vor Veröffentlichung seines Rechenschaftsberichts freute sich Lepadusch besonders darüber, auch den Ehrenobermeister Gerhard Haußmann und etliche Lehrer von der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Nürtingen begrüßen zu können. "Plötzlich sind auch kleinere Vertragshändler wieder interessant", beurteilte Lepadusch eine sich anbahnende Veränderung der Verkaufsphilosophie bei der Automobilwirtschaft.

Zur betrieblichen Altersvorsorge stellte die Signal-Iduna-Gruppe Gestaltungsmöglichkeiten vor und wies darauf hin, dass das Vorenthalten von Vorteilen des Rechtsanspruchs auf Altersvorsorge einen Schadensersatz auslöse. "Vermeiden Sie die Haftungsfalle", appellierten die Fachleute eindringlich ans Publikum.

Vorstandsmitglied Dieter Angelmaier konnte zu den im Juli stattgefundenen Prüfungen vermelden, dass alle Gesellenprüflinge bestanden haben. Nur durch den Neuzugang von zwölf Prüfern sei es überhaupt möglich gewesen, die zeitlich aufwändigeren Prüfungen noch durchzuziehen. Für überdurchschnittliche Leistungen bei der Abschlussprüfung als Automobilkaufmann wurden Manuel Hummel vom Autohaus Rau in Kirchheim mit einem Notenschnitt von 1,5 sowie die Automobilkauffrauen Susanne Schweizer vom Autohaus Hiller in Neckarhausen mit 2,1 und Kristina Zirn vom Autohaus Russ in Dettingen mit 2,2 ausgezeichnet.

"Es gibt noch einen roten Teppich für Auszubildende", umschrieb Alfred Hiller die regionale Stellensituation für Auszubildende im Kfz-Handwerk. Er betonte, dass es politisch wichtig sei, Ausbildungsbereitschaft zu demonstrieren. Eindringlich appellierte er an alle Mitgliedsbetriebe, die neuen Schilder mit der Aufschrift "Meisterbetrieb der Kfz-Innung" an der auffälligsten Stelle der Gebäude anzubringen.

Uwe Schade vom Büro Utec aus Aichtal referierte über die Ölabscheider-Kontrollverordnung. Beim Neu- und Umbau von Anlagen sollten die Bauherren unabhängige Fachplaner in Anspruch nehmen und sich nicht nur auf das Wissen der Architekten verlassen. Beim Tagesordnungspunkt Weiterbildung informierte Wolfgang Gross über das große Interesse der Innungsmitglieder. 16 Schulungen für Abgasuntersuchungen sowie je eine Airbag-, Ölabscheidersachkunde- und Gefahrgutschulung seien im Jahr 2005 durchgeführt worden.

Seine Eindrücke über die Teilnahme an den Tarifverhandlungen mit der IG Metall gab Hansjörg Russ vom sozialpolitischen Ausschuss wieder. "Die Samstagsarbeit wurde geknackt", umschrieb er die Vereinbarung, wonach nunmehr eine Öffnungsklausel mit dem Betriebsrat existiere. Zudem berichtete er über Diskussionen zur Einführung eines Leistungsgedankens bei den Berufsfachschülern. Der Vorschlag sehe eine Reduzierung des monatliches Aufwendungsersatzes vor, gewähre aber zum Schuljahresschluss eine Prämie in Höhe von 500 Euro.

Topaktuell waren die Ausführungen von Karl-Heinz Birkmaier zur Winterausrüstung für Fahrzeuge. Die Kunden sollten verstärkt informiert werden, dass Winterreifen zwar gesetzlich nicht vorgeschrieben sind, bei einem Unfall aber der Versicherungsschutz verloren gehe.

Umfangreich und detailliert sprach Verbandssyndikus Dr. Guido Amend aus Stuttgart zur Sachmängelhaftung, Gewährleistung und Garantie. Der Fachbegriff "Stand der Technik" werde auch dahingehend ausgelegt, dass ein Mitbewerber das vorhandene Problem schon gelöst habe. Unter "fabrikneu" laufe ein Fahrzeug noch, wenn bei unveränderte Modellaktualität und zwischen Herstellung und Verkauf nicht länger als 12 Monate vergangen sind. Die "Nacherfüllung eines Vertrags", also Nachbesserung und Ersatzlieferung, sei für den Händler ein Privileg vor dem Vertragsrücktritt. Es müsse darauf geachtet werden, dass nicht "getürkte" Reparaturaufträge angenommen werden, um die zwei gesetzlich vorgeschriebenen Werkstattbesuche vorweisen zu können.

In seinen Erläuterungen zur wirtschaftlichen Situation der Innung wies Lepadusch darauf hin, dass ohne Anpassung der Beiträge die Betriebsmittelrücklage in drei Jahren bei Null sei. "Es muss was gemacht werden", umschrieb er den dringenden Handlungsbedarf.