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Auch Mädchen können hervorragende Ritter sein

KIRCHHEIM Nur der Gerechtigkeit verpflichtet, für die Schwachen eintreten, niemals gegen sein Gewissen handeln, Vorbild sein gleich zu Beginn der Aufführung wurde klar, worum es in "King A" geht. Was macht eigentlich einen wahren Ritter aus? Die meisten Antworten auf diese Frage fallen leicht. Aber können auch Mädchen Ritter werden? Und gibt es auch heute noch Ritter?

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Wieder einmal bewiesen Tanja Gotthold-Knapp und Nicole Bauer bei der Leitung der Unter- und Mittelstufentheater-AG des Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasiums feines Gespür: sowohl die Auswahl des Stückes "King A" von Inèz Derksen als auch dessen Bearbeitung und insbesondere die Besetzung waren beeindruckend.

Das Ritterthema wurde in dem Stück dreifach beleuchtet. Kurze Episoden erläuterten, was einen echten Ritter ausmacht. Dabei lernten die Zuschauer viel Neues: nicht nur, dass Ritter bekanntermaßen stets für das Gute kämpfen, ihre Ängste besiegen oder niemals Verrat begehen würden sie gehen auch noch lange nicht nach Hause, wenn die Ehefrau zum Essen ruft. Ganze Kerle eben.

Eine zweite Perspektive zeigte, dass es auch heute noch den Wunsch nach ritterlichem Verhalten gibt. Ein Mädchen träumt davon, selber wie ein Ritter zu leben und erinnert sich daran, dass im Rittertum wie im Sport feste Regeln gelten und nicht derjenige siegt, der unehrenhaft handelt und nur "eine große Klappe" hat.

Den größten Teil des Theaterstückes machte jedoch die Erzählung der bekannten Sage um König Artus aus: Der Junge Artus träumt davon, Ritter zu sein und wird stattdessen König aller Ritter. Diese Aufgabe ist schwer, zumal Artus seine eigenen Vorstellungen vom Regieren hat: Gleichberechtigt und demokratisch soll das Land von allen Rittern der Tafelrunde geführt werden. Doch dieses Modell droht zu scheitern, als sich Artus' bester Freund Lanzelot und die Königin Ginevra ineinander verlieben. Der Zauberer Merlin macht Mut: "Alles bewegt sich in Kreisen." Selbst wenn der erste Versuch gescheitert ist, kann man noch einmal von vorne anfangen.

Die kurzen Episoden vom Anfang wurden heiter und mit viel Esprit dargestellt. Sie waren gekonnt verwoben mit dem etwas nachdenklicheren Rittertraum des Mädchens, der langsam in die Artus-Sage überging. Obwohl diese viele ernsthafte Themen anspricht Regeln müssen für alle gelten, auch wenn es weh tut schaffte es die Inszenierung von Tanja Gotthold-Knapp und Nicole Bauer ohne erhobenen Zeigefinger auszukommen. Vielmehr wurde es den zahlreichen Zuschauern gerade durch die spritzige Inszenierung leicht gemacht, auch die ernsthafteren Elemente der Aufführung wahrzunehmen.

Besonders die Darsteller der Artus-Sage beeindruckten durch ihr schauspielerisches Können: Max Riewe gab ausgesprochen vielschichtig den König Artus, der mal überschwänglich, mal zweifelnd, mal verwirrt ist. Felix Hinneberg überzeugte als Lanzelot, der zunächst vom liebestrunkenen Artus genervt ist, bevor ihm dann selber von einer anfangs kessen, dann von ihren Gefühlen verwirrten Janine Gölz als Ginevra das Herz gebrochen wird. Auch Michael Schleich als draufgängerischer Kai und Sedat Dilbaz als herrlich selbstironischer Merlin ernteten hoch verdienten Applaus.

Die Kostüme und Requisiten waren ideen- und trickreich. Da hatte sich zum Beispiel die Frage gestellt wie es eigentlich gelingen kann, mit dem Hieb eines (Holz-) Schwertes eine Ritter-Tafel sicher und im richtigen Moment zum Einsturz zu bringen. Und am Ende der Aufführung war dann eines ganz klar: Natürlich können auch Mädchen hervorragende Ritter sein.

uhl