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"Auch schwache Schüler sind unsere Zukunft"

Jedes Jahr lädt die Paulinenpflege politische, kirchliche und wirtschaftliche Entscheidungsträger ein, um ihnen einen Einblick in die verschiedenen Tätigkeiten der evangelischen Jugendhilfeeinrichtung zu vermitteln. Christian Buchholz, Schuldekan für den Raum Göppingen und Kirchheim, besuchte am Donnerstag den Unterricht an der Sonderberufsfachsschule (SBFS).

TOBIAS FLEGEL

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KIRCHHEIM Nach zwei Stunden Gespräch mit Lehrern und Schülern der Fachrichtung Metall zeigte sich Buchholz überrascht von der Motivation der 15- bis 17-Jährigen: "Ich finde es erstaunlich, dass sich die Jugendlichen nicht unterkriegen lassen." Wie ihre Mitschüler der Fachrichtung Hauswirtschaft und Dienstleistung, setzen sich die Klassen in der SBFS vorwiegend aus Sonderschulabgängern zusammen, die aufgrund ihres Schulabschlusses Probleme beim Eintritt ins Berufsleben haben. Vielfach kommt ein schwieriger familiärer Hintergrund dazu: Nicht alle können bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz auf die Unterstützung ihres Elternhauses zählen.

Durch einen Unterricht, der sowohl auf schulische Lücken als auch auf soziale Probleme eingeht, können die Jugendlichen in einem Jahr den Hauptschulabschluss machen. Für diejenigen, die besonders große Defizite aufweisen, bieten die Lehrer wöchentlich vier Förderstunden an, in denen sie gezielt auf individuelle Lernniveaus eingehen. Weiterhin wird der Kontakt zum Elternhaus gesucht: "Wenn ein Schüler Probleme hat, schauen wir, dass wir uns mit den Eltern in Verbindung setzen, um ihm zu helfen", sagt Lehrerin Carmen Oechsner.

Damit nicht genug: Neben theoretischem Wissen und praktischen Fertigkeiten 40 Prozent des Unterrichts besteht aus praktischen Übungen in einer der beiden Fachrichtungen trainieren die Jugendlichen mit ihren Lehrern auch die Suche nach einem Praktikumsplatz oder einer Ausbildungsstelle. Vom Anruf beim potenziellen Arbeitgeber bis zum Erstellen einer vollständigen Bewerbungsmappe, alles wird im Unterricht durchgespielt. "Unsere Lehrer nahmen uns sogar auf Kassette auf", berichtet Turan Caner. Bei dem 16-Jährigen, der später einmal Koch werden möchte, hat sich das Bewerbungstraining bereits ausgezahlt: Ein Praktikum im Gasthaus Waldhorn ist ihm sicher. Christian Kodisch, der Fachpraxis Metall unterrichtet, sieht in der kleinen Klassenstärke einen wichtigen Vorteil der Paulinenpflege-Ausbildung. "Die Betreuung hier ist wahrscheinlich besser als in normalen Sonderberufsfachschulen, da wir derzeit Klassen mit 12 und 14 Schülern haben." In anderen Schulen sei die Zahl um rund ein Dutzend höher. Auch Christian Buchholz war davon positiv überrascht: "Gut, dass es hier kleine Gruppen sind", sagte er am Ende seines Besuchs.

Zufrieden mit der Visite des Schuldekans zeigte sich Carmen Oechsner. Solche Besuche seien wichtig, da viele Entscheidungsträger kein Bild von der Situation solcher Jugendlichen hätten. Und oft werde vergessen, dass auch diese jungen Leute die Zukunft unserer Gesellschaft seien und ebenfalls ein Recht darauf besäßen, gefördert zu werden.