Lokales

Auf dem Weg zum Stadtfest

Rundum gelungenes 60. Vinzenzifest der Egerländer in Wendlingen – Vereine und Partnerstädte waren aktiv mit dabei

Zum 60. Mal fand am Wochenende das Vinzenzifest, das Traditionsfest der Egerländer, in Wendlingen statt. Es war ein rundum gelungenes und harmonisches Fest, das sich auf dem richtigen Weg befindet – darin waren sich Besucher und Organisatoren einig.

Ein Höhepunkt des Vinzenzifestes war der Festumzug durch die Innenstadt Wendlingens. Foto: Gerald Prießnitz
Ein Höhepunkt des Vinzenzifestes war der Festumzug durch die Innenstadt Wendlingens. Foto: Gerald Prießnitz

Wendlingen. Zwei Tage wurde in der Stadt gefeiert. Zwei Tage, an denen die Wendlinger zeigten, was in ihnen steckt. Zahlreiche Vereine hatten sich mächtig ins Zeug gelegt, am Samstag beim Aufbau auf dem Marktplatz und unter den Platanen allen Wettereskapaden zum Trotz mit angepackt und die Besucher an beiden Tagen mit einer kulinari­schen Vielfalt bestens versorgt. Nicht vergessen werden dürfen die vielen Helfer aus den Reihen der Verwaltung – vorneweg die beiden „Macher“ Bernhard Laderer und Jo­achim Vöhringer, die Hausmeister-Crew und die Helfer aus dem Bauhof.

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Auch der musikalische Rahmen war „hausgemacht“ – und zwar auf das Feinste. „D’ Lauterbläser“ sowie die Musikvereine Unterboihingen und Wendlingen sorgten für Stimmung. Außerdem spielte die Oldie-Band „The Gents“ am Samstagabend auf dem Marktplatz. Die Musiker animierten zum Mitsingen und Mittanzen und zogen trotz kühler Temperaturen die Menschen in Scharen an.

Bei der Eröffnung des 60. Vinzenzifestes und des 37. Egerländer Landestreffens vor dem Rathaus am Samstagnachmittag, konnte Horst Rödl, Vorsteher der Egerländer Gmoi Wendlingen und stellvertretender Vorsitzender der Egerländer im Land, gemeinsam mit Bürgermeister Frank Ziegler eine große Zahl von Festgäs­ten begrüßten. Sie alle waren voll des Lobes über die neue Form des Festes und über das große Engagement der vielen Mitstreiter.

Bundestagsabgeordneter Markus Grübel sprach von der überregionalen Bedeutung des Vinzenzifestes und vom Wunsch, dass die Veranstaltung auch künftig würdig gefeiert werden möge. Zahlreiche Grußworte schlossen sich an. Chebs Bürgermeis­ter Michal Pospisil sagte, er sei froh darüber, „wieder hier unter euch“ sein zu dürfen. Er erinnerte an die 950-Jahr-Feierlichkeiten, die in diesem Jahr in Eger begangen werden.

Bürgermeister Jànos Tittmann aus dem ungarischen Dorog erwähnte den 60-jährigen Erfolg des Vinzenzifestes. Harald Wenig, Landesvorsteher des Landesverbandes der Egerländer Gmoin, lobte das Vinzenzifest als eines der ältesten Traditionsfeste im deutschen Sprachraum, das längst zum festen Bestandteil des deutschen Trachtenlebens geworden sei.

Weitere Grußworte sprachen Gunter Dlabal, Vizepräsident des Deutschen Trachtenverbandes und Vorsitzender des Südwestdeutschen Gauverbandes der Heimat- und Trachtenvereine, sowie Reinhold Frank, stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes der Heimat- und Trachtenverbände Baden-Württemberg. An die Geschichte der aus der Heimat vertriebenen Egerländer erinnerte Dr. Egon Ziegler, stellvertretender Bundesvorsteher des Bundes der Egerländer Gmoin. Er freute sich über die Begeisterung, mit der das Traditionsfest in der Stadt gefeiert werde. Das wäre auch in der ehemaligen Heimat nicht anders gewesen, „hätte man uns nicht aus der Heimat vertrieben und uns unserer Heimat beraubt“. Unter den Festgästen weilte auch Bürgermeister Josef Pleikner aus Millstatt.

Die Volkstanzgruppe der Egerländer Gmoi Wendlingen, die Egerländer aus dem hessischen Hofheim, die ­Ba­nater Schwaben und eine aus Egerländern und Mitgliedern des Kirchheimer Trachtenvereins bestehende Tanzgruppe unterhielten die Gäste mit traditionellen Volkstänzen.

Eröffnet wurde der Birnsonntag, der Kern des Egerländer Erntedankfestes, am frühen Morgen mit der Prozession von der Kolumbankirche zum Marktplatz. Angeführt wurde diese vom Musikverein Unterboihingen und vom Männergesangverein der Eintracht. Ihnen folgten junge Trachtenträger und Ministranten samt reich gefüllten Erntedankkörben und der Erntekrone. Mit dabei waren außerdem viele weitere Trachtenträger und Ehrengäste, wie der ehemalige Innenminister Heribert Rech.

Der Festgottesdienst auf dem Marktplatz wurde umrahmt vom Unterboihinger Musikverein, der später auch zum Frühschoppen aufspielte, und von den Männern der Eintracht. Dekan Paul Magino nannte die Prozession und den Festgottesdienst das zentrale Ereignis der Vinzenzifeste früher in Eger und heute in Wendlingen. Das Fest habe eine große Tradition, sei von den Egerländern als eigenes Heimatgut in die neue Heimat mitgebracht worden. In der Zwischenzeit sei es „längst unser aller Heimatgut“, betonte der katholische Geistliche. Dass dies heute als Fest gemeinsam mit Menschen aus den Partnerstädten und aus Eger gefeiert werden könne, sei mit den Bemühungen der Heimatvertriebenen um Versöhnung zu danken.

Ein Höhepunkt war am Nachmittag der Festumzug durch die Innenstadt. 32 Gruppen beteiligten sich daran und präsentierten den Zuschauern eine bunte Trachtenvielfalt und viel Fantasie bei der Gestaltung der Festwagen. Mit dabei waren Trachtengruppen aus dem ganzen Land, die historischen Radler des Wendlinger Radsportvereins sowie eine Abordnung des Musikvereins Unterensingen und des Musikvereins aus dem bayerischen Hochwang. Nach dem Umzug zeigten viele der Trachtengruppen auf dem Marktplatz einen bunten Reigen an Volkstänzen vor einem begeisterten Publikum. Zum Festausklang unterhielt der Musikverein Wendlingen.