Lokales

Auf den eigenen Vater eingestochen

Ein 24-jähriger Grieche aus Wernau hat offensichtlich im Zustand eines psychischen Wahns den eigenen Vater mit einem Küchenmesser zu töten versucht. Er gibt an, der Vater habe ihm nach dem Leben getrachtet.

BERND S. WINCKLER

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WERNAU Jetzt sitzt der Mann auf der Anklagebank einer Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts. Dort soll geklärt werden, ob er eine Haftstrafe bekommt, oder wegen seiner "Gefährlichkeit für die Allgemeinheit" für immer in eine geschlossene psychiatrische Anstalt kommt.

Laut Staatsanwaltschaft hatte der 24-Jährige Anfang Januar dieses Jahres immer wieder den Vater aufgefordert, ihm 5 000 Euro zu schenken, damit er in die USA auswandern könne. Der Vater hatte jedoch abgelehnt. Daher sei es an jenem 3. Februar zu dem blutigen Vorfall gekommen: Wieder sei es um das Geld gegangen, mit dem der Sohn wegen Drogenkonsums bereits erheblich paranoid erkrankt in Amerika eine Ausbildung zum Tänzer finanzieren wollte. Gegen zwei Uhr in der Früh, als der 56-jährige Mann gerade von seiner Nachtschicht nach Hause kam, soll der Angeklagte mit einem Küchenmesser mit einer Klingenlänge von 15 Zentimetern, auf ihn eingestochen haben.

Mit den Worten: "Vater, ich töte dich jetzt", habe er mehrfach in den Hals des Mannes geschnitten und ihm dabei lebensgefährliche tiefe Stiche und Schnitte beigebracht. Die Mutter habe zwar die beiden Männer zunächst trennen können. Doch danach soll der 24-Jährige erneut auf den Vater losgegangen sein und ihm weitere Stiche versetzt haben. Erst als er das Blut auf dem Boden bemerkte, habe er von dem Vorhaben, den Vater zu töten, Abstand genommen und einen Rettungswagen alarmiert.

Damit, so der Staatsanwalt, habe der Sohn vom Vorwurf des versuchten Mordes einen strafbefreienden Rücktritt begangen. Geblieben sei aber der Vorwurf einer gefährlichen Körperverletzung. Und die habe er möglicherweise in durch psychische Krankheit bedingter Schuldunfähigkeit begangen. Der 24-Jährige selbst gibt an, dass man ihm beim Drogenkonsum früher einmal statt einer Heroinspritze, eine Miniatur-Kamera in die Ader gespritzt habe und nun sein Leben über diese Kamera im Internet verfolgt werden könne. Und dadurch habe der Vater die Möglichkeit gehabt, ihm nach dem Leben zu trachten. Ein Sachverständiger bezeichnet dies als einen "krankhaften Wahn", an dem der Angeklagte auch zur Tatzeit litt, er aber in diesem Zustand für die Allgemeinheit gefährlich sei. Was nun mit dem 24-Jährigen geschieht, wollen die Richter am 27. September entscheiden.