Lokales

Auf den Spuren der Fliegerei

Gelungen war der Ausflug der Marinekameradschaft zweifellos. Mit der Busfahrt nach Bad Waldsee begann der Tag. Im dortigen Museum im Kornhaus ist die Welt des Fliegens zu Hause. Von Berblinger bis Zeppelin: Der Traum vom Fliegen.

KIRCHHEIM "Der Schneider von Ulm", Albrecht Berblinger, der "Ikarus vom Lautertal", Gustav Mesmer, "der fliegende Chorherr von Schussenried", Kaspar Mohr, dazu Graf Zeppelin und Claude Dornier, sie alle hatten zweierlei gemeinsam: Sie wollten fliegen können und sie lebten in Oberschwaben. Sie waren Tüftler und Visionäre, blitzgescheite Techniker und wagemutige Vorkämpfer. Sie waren ihrer Zeit voraus und sind daran gelegentlich gescheitert, wie Berblinger, dessen Apparat im Prinzip flugtauglich war (er hatte jedoch die Thermik nicht begriffen). Oder wie Erich Bachem, der 1945 in Bad Waldsee die weltweit erste bemannte Rakete konstruierte (deren Jungfernflug für den Piloten tödlich endete). Oder auch Ulrich Schiegg, Pater im Benediktinerkloster Ottobeuren, der 1784 einen unbemannten Ballon zum Himmel steigen ließ (und der sogar wusste, warum dieser Ballon sich so verhielt im Gegensatz zu seinen Vorläufern, den Brüdern Montgolfier). Glanzpunkte der Ausstellung sind das Duplikat eines Satelliten, der sich seit 1973 im Weltraum befindet, fünf Modelle 1:10 aus der Dornier-Flugbootserie sowie eine aufwändig 1:2 nachgebaute "Natter" von Erich Bachem.

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Die Fliegerei hinter sich lassend, eröffnete das nächste Reiseziel, das Schloss Salem den Besuchern vielfältige Eindrücke von Kunst und Kultur. 1137 gegründet, nur Kaiser und Papst unterstellt, entwickelte es sich zu einem der bedeutendsten Zisterzienserklöster auf deutschem Boden. Wenn der Besucher die Anlage betritt, erlebt er vor allem ein Stück deutscher und europäischer Geschichte. Er befindet sich im Spannungsfeld des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit. An dessen Ende stand die Säkularisation, die auch Salems Dasein als Kloster beendete. Am 23. November 1804 erklang im Salemer Münster das letzte Salve Regina. Dann zogen die Mönche aus, und Salem hatte aufgehört, ein Kloster zu sein.

Durch den Schlosshof eröffnet sich einem der Weg durch die Jahrhunderte. Denn er beherbergt die Musikinstrumentenbauer, die Töpfer und Glasbläser, die historische Schmiede mit Kunst- und Goldschmied. Die Kunsthandwerker stehen dem Besucher das ganze Jahr zur Verfügung. Für die Liebhaber der Feuerwehr ist der Besuch des Feuerwehrmuseums ein Muss. Es enthält Ausstellungsstücke von besonderem Wert. Im Langen Bau, im Untergeschoss der Zehntscheuer, liegt der 1000 Meter lange Weinkeller, in dem heute noch die Salemer Weine ausgebaut werden. Der Blick vom Höhengasthaus "Haldenhof" auf den Bodensee und der dahinterliegenden Alpenkette ist beeindruckend. Angeblich sei dies der schönste Aussichtspunkt am Bodensee.

Der Nachmittag gehörte dem Motorboot- und Segelverein Bodman. Dieser Verein kann mit einem schmucken Clubhaus am Überlinger See aufwarten. Signalflaggen der Seefahrt winken schon beim Betreten des Gebäudes dem Besucher entgegen. Abschließend noch eine Überraschung für die Marinekameraden, präsentiert vom Vorsitzenden Gerhard Hocker: Staunend standen sie vor dem Turm des ehemaligen U-Bootes U 20, der sich aus der Rasenfläche des Vorgartens der städtischen Sparkasse zu Stockach erhebt, umrahmt von Künstlerhand geschaffenen Plastiken verschiedener Seeleute.

Begonnen hatte der Jahresausflug der Marinekameradschaft mit der Geschichte des Fliegens. Beendet wurde er dank des ungewöhnlichen Kunstwerkes von Stockach auf maritime Weise. Und maritim wird es weitergehen dieses Jahr. Der Besuch beim 2. U-Boot-Geschwader in Eckernförde diesen Sommer steht schon auf dem Programm.

fi