Lokales

Auf den Spuren von Saint-Ex und der Aeropostale

KIRCHHEIM Der Flieger, Globetrotter und Buchautor Hans Schneider, 65, flog mit einer kleinen Cessna 150, einem einmotorigen Schulflugzeug, um die Welt. Welche Abenteuer er dabei erlebte und welche Gefahren er zu bestehen hatte, darüber

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RICHARD UMSTADT

berichtet der Teckbote in einer lockeren Sommerserie aus Hans Schneiders Buch "Der Flug des Raben".

"Corvus" taufte der Autor seinen kleinen Blechflieger, nach seinem schwarzgefiederten Freund, dem Kolkraben. Mit ihm startete er am 2. Mai 1990 in Südfrankreich. Seine Flugroute führte über das östliche Mittelmeer in den Vorderen Orient, Irak, Iran, Afghanistan, Pakistan, Indien, Nepal, Bangladesh und von Indonesien nach Australien.

Von Darwin an der Nordküste durchquert der Flieger den fünften Kontinent immer dem Stuart-Highway folgend über den Ayers-Rock an die Südküste nach Ceduna. Dort dreht "Corvus" im Uhrzeigersinn gen Westen und "klappert" die Städte Eyre, Esperance, Albany, Perth und Carnacaron ab, bevor er sich wieder nach Norden in Richtung Darwin aufmacht, um den Halbkreis zu schließen.

Über Roper Bar und Burketown an der Nordküste erreicht der Rabe die Halbinsel Cape York. Dort, in Weipa, richtet der Pilot die Flugzeugnase gen Süden aus und fliegt über Cooktown, Townsville und Clermont die Great Dividing Range entlang in die australische Metropole Sydney.

Endstation. Vorerst. Denn der Weg bleibt das Ziel. Für Hans Schneider heißt es: Südamerika. Da der Pazifik für "Corvus" einige Nummern zu groß ist, zerlegt er die Cessna und packt die Teile in einen Überseecontainer. Per Schiff tritt sie die Reise nach Südamerika an. Die "Karina Bonita" sticht mit der kostbaren Fracht in See und nimmt Kurs auf Argentinien. Der Globetrotter folgt mit einem Varig-Jumbo nach Buenos Aires.

Mit zehn Tagen Verspätung dampft die "Karina Bonita" in den Hafen von Buenos Aires ein. Hans Schneider löst "Corvus" nach einer regelrechten Formularschlacht am Zoll aus und lässt die Flugzeugteile wieder zusammensetzen. Ein neues Abenteuer kann beginnen. Es trägt den verlockend klingenden Titel "Patagonien". "Venga, hombre!"

Am 7. November 1991 hebt "Corvus" ab und fliegt nach Süden. Links der Atlantik, rechts die Anden. Unter dem Raben die Pampa.

Schneiders Flugroute wird Luftfahrtgeschichte berühren: Die Aeropostale, Frankreichs Stolz in den 20er-Jahren, richtete eine Strecke in Argentinien ein, die über Bahia Blanca entlang der Atlantikküste nach Süden strebte. Damit unauslöschlich verbunden sind die Namen Saint-Exupery, Mermoz und Guillaumet. Sie flogen mit Doppeldeckern unter unglaublichen Bedingungen über die Anden. Der deutsche Pilot und Abenteurer folgt den Spuren der Aeropostale über Peninsula Valdes, vor deren Küste sich die Buckelwale paaren, Comodoro Rivadavia nach Rio Gallegos. Die Stadt bietet den einzigen völlig intakten Flugzeughangar aus den Zeiten der französischen Postflieger. Der Präsident des Fliegervereins Rio Gallegos, Francois Tourville, hilft Schneider, "Corvus" aus dem Windstrom in die Stille des Hangars zu schieben. Erhellt wird das schöne, museale Stahlbauwerk von einer gläsernen Haube. Vor 60 Jahren herrschte emsiger Flugbetrieb der Aeropostale, hier drin wurden Flugzeugzellen und Motoren gewartet.

Francois Tourville führt den deutschen Gast zu einem Ziegeldachhäuschen, in dem ein Kaminfeuer knistert. Es ist gemütlich, draußen pfeift der kalte Wind Patagoniens. Ein Foto, an dem der Zahn der Zeit sichtbar genagt hat, zeigt zwei Männer über eine Karte gebeugt: links Saint-Exupery, der Postflieger und Autor vieler Bücher, unter anderem schrieb er den "kleinen Prinz", der andere ist sein Kollege und Fliegerfreund Guillaumet. Letzterem will es Hans Schneider gleichtun in den Anden. Doch zunächst setzt er den Flug des Raben fort. Feuerland ist das nächste Ziel. Terra del Fuego. Nach einem stressigen Flug landet Schneider in Rio Grande. Zwei Tage darauf erlaubt das Wetter den Start nach Ushuaia. "Corvus" setzt sich keck auf den südlichsten Zivilflughafen der Welt. Die argentinische Stadt auf dem 55. Breitengrad liegt noch 2 100 Kilometer südlicher als Kapstadt.

INFODas Buch "Der Flug des Raben" von Hans Schneider ist zu beziehen beim Autor selbst unter 01 79/7 68 08 53 oder unter bestellung@der-flug-des-raben.de. Das reich bebilderte Werk kostet 42 Euro und wird vom Autor handsigniert geliefert. Es ist in Kirchheim aber auch in den Buchhandlungen Schieferle, Wellingstraße 24, Schöllkopf, Alleenstraße 3, und Zimmermann, Max-Eyth-Straße 3, sowie Schreibwaren Weixler, Dettinger Straße 11, zu bekommen.

Die Buchhandlung Schöllkopf am Krautmarkt veranstaltet am Samstag, 10. September, von 9 bis 12.30 Uhr eine Signierstunde mit dem Autor Hans Schneider. Dazu wird Rotwein gereicht.