Lokales

Auf der Suche nach dem Glück fündig geworden

Offene Auftaktveranstaltung zur Seminarreihe „Zeit für andere“

Der Titel machte neugierig, die Referentin begeisterte wie immer und auf den Gesichtern der Besucher wich der anfängliche Ernst bereitwillig gelassener Heiterkeit. „Bürgerschaftliches Engagement – auf der Suche nach dem Glück“ müsste das Ziel erreicht haben, Interesse zu wecken an einer Seminarreihe, die Ehrenamtliche auf ihre möglichen Aufgaben im Besuchsdienst vorbereiten möchte.

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BARBARA IBSCH

Kirchheim. Es war ein kleiner, aber aufgeschlossener Kreis, der die Einladung zur Auftaktveranstaltung angenommen hatte. Im Vortragssaal der Stadtbücherei Kirchheim wurde eingestimmt auf ein Seminar, gemeinsam angeboten vom Verein buefet und der Heinrich-Sanwald-Stiftung. „Zeit für andere“ ist die siebenteilige Veranstaltungsreihe überschrieben, die den Grundstock für einen ehrenamtlichen Besuchsdienst zu Hause oder in einem Pflegeheim bietet und aus der auch selbst Nutzen gezogen werden kann.

Karl-Rudolf Traub, Vorsitzender der Heinrich-Sanwald-Stiftung, un­terstrich angesichts der demografischen Entwicklung die Bedeutung des Themas und stellte bei dieser Gelegenheit die bereits seit 25 Jahren bestehende Stiftung vor. Deren Kern ist der Besuchsdienst in den elf Alten- und Pflegeheimen der Stadt Kirchheim mit über sechshundert Plätzen. Für viele alte Menschen bedeute dies „ein Stück Lebensqualität“, sei es doch „etwas sehr Kostbares“, Zeit und damit persönliche Zuwendung geschenkt zu bekommen. „Machen Sie mit“, ermunterte er die Anwesenden, „jeder kann einem anderen etwas geben“.

Tilman Walther, Zweiter Vorsitzender des Vereins buefet, übermittelte Grüße von Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, der Ersten Vorsitzenden des für Beratung und Experteninformation für eine selbstständige Lebensführung stehenden Vereins. Der kümmert sich rund ums Älterwerden und dazu gehört auch ein regelmäßiger, ehrenamtlicher Besuchsdienst für Menschen, die noch zu Hause leben. Dass sie, wie die Menschen im Pflegeheim. nicht sozial isoliert sind, liegt Tilman Walther besonders am Herzen und entsprechend groß ist die Freude darüber, dass buefet und Sanwald-Stiftung sich gemeinsam auf die Suche nach ehrenamtlicher Unterstützung machen.

Hilfestellung dabei gab es durch Inge Hafner, seit fast dreißig Jahren beim Landkreis Esslingen für die Altenhilfeplanung zuständig und von Tilman Walther als „Fachfrau fürs Glück“ willkommen geheißen. Auf die von ihr gestellte Frage „Was macht einen Tag zu einem guten Tag?“ hatte die Referentin eine ganze Reihe von Antworten mitgebracht. Es sind die Erkenntnisse von Volunteers, die in den verschiedensten Bereichen ehrenamtlich tätig sind und von Inge Hafner mit einer sehr persönlichen Frage konfrontiert worden sind: „Macht Ihr Engagement Sie reich?“

Schwäbisch sparsam könnte man als Ergebnis generell und freudig ein Ja übermitteln, aber für eine Veranstaltung mit Inge Hafner wäre das zu wenig, da muss schon nachgelegt werden. Und das tat sie dann auch mit Begeisterung, hatten doch die vielen Antworten durchweg eine positive Aussage, aufgewertet durch jede Menge persönlicher Anmerkungen. Dass es wichtig ist, noch gebraucht zu werden, klingt bei den bürgerschaftlich Engagierten immer wieder an. Sie freuen sich darüber, etwas Nützliches zu tun, dabei ihren Horizont zu erweitern, ein gesellschaftliches Miteinander zu erleben, mitten im Geschehen zu sein. Jeden Tag noch etwas dazulernen zu können, ist für sie wichtig, sich einer neuen Herausforderung zu stellen. Und noch etwas scheint im positiven Sinne aufregend zu sein: das eigene Älterwerden zu reflektieren, besondere Erfahrungen zu machen, neue Gemeinsamkeit zu erleben.

Ein spannender Prozess, der von Hauptamtlichen unterstützt wird. Ehrenamtlich Engagierte und professionelle Kräfte in einem Boot, das ist Inge Hafner ein leidenschaftlich vorgetragenes Anliegen und das wird in der Kooperation von buefet und Sanwald-Stiftung auch geboten. Den Hauptamtlichen gab die Fachfrau mit auf den Weg, ihre Schützlinge nicht zu überfordern, sie aber auch nicht zu unterfordern. Für alle waren die Erkenntnisse aus der Hirn- und Glücksforschung bestimmt, die eigenen Fähigkeiten trainieren zu müssen, um sie nicht zu verlieren. Das gilt auch für die sozialen Talente, steigere doch jedes Interesse die Lebenslust und damit das Glück. Bürgerschaftliches Engagement habe Zulauf wie noch nie, stellt Inge Hafner fest und führt dies darauf zurück, „dass Menschen erleben, mit sinnhaftem Tun mitei­nander verbunden zu sein“.

Engagement als lustvolles Ereignis – dazu eingeladen wurde auch von Monique Kranz-Janssen (buefet) und Anne-Katrin Stuth (Heinrich-Sanwald-Stiftung), die Ansprechpartnerinnen für den ehrenamtlichen Besuchsdienst sind. Das Fortbildungsangebot der beiden Einrichtungen in Zusammenarbeit mit der Stadt Kirchheim und weiteren Kooperationspartnern ist kostenlos, eine Anmeldung jedoch erwünscht. Nähere Informationen dazu gibt es bei buefet in Kirchheim, Widerholtplatz 3, Telefon 0 70 21/50 23 34, sowie beim Besuchsdienst der Heinrich-Sanwald-Stiftung in Kirchheim, Alleenstraße 96, Telefon 0 70 21/73 69 69.

Der Auftaktveranstaltung folgt am Donnerstag, 7. Mai, der erste Teil der Seminarreihe für Interessierte und Angehörige im großen Sitzungssaal des Kirchheimer Rathauses. Von 14 bis 17 Uhr beleuchtet Hartwig von Kutzschenbach vom Sozialpsychiatrischen Dienst für Alte Menschen, kurz SOFA genannt, das Thema „Im Labyrinth des Vergessens – was es heißt, an einer Demenz zu leiden“.