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Auf der Suche nach der "Stecknadel"

Die Lehrerversorgung an den beruflichen Schulen des Landkreises Esslingen ist zufriedenstellend. Entsprechend äußerte sich auf Anfrage der Geschäftsführende Schulleiter der Kreisberufsschulen, Oberstudiendirektor Joachim Schmid-Schippert. Nur in einzelnen Fächern herrschten vorübergehend Engpässe.

RICHARD UMSTADT

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KREIS ESSLINGEN "Im Landkreis Esslingen ist die Diskussion über einen Lehrermangel in den Berufsschulen nicht präsent", sagte der Geschäftsführende Schulleiter. Klagelieder würden derzeit an den zehn Bildungseinrichtungen des Kreises kaum gesungen.

Joachim Schmid-Schippert selbst steht an der Spitze der John-F.-Kennedy-Schule in Esslingen. An seiner Schule fehlte im Bereich Textverarbeitung in diesem Schuljahr ein Lehrer. Der Oberstudiendirektor ist aber zuversichtlich, ab Februar eine geeignete Kraft zu bekommen. "Die Einbrüche im Gewerbe kommen den Berufsschulen zugute", stellt Schmid-Schippert einen Zusammenhang her zu freiwerdenden Fachkräften aus der Industrie. Jedenfalls hätten die beruflichen Bildungseinrichtungen damit gute Erfahrungen gemacht. Insgesamt seien im Oberschulamtsbezirk Stuttgart 16 Stellen nicht besetzt, weil geeignete Bewerber fehlen.

Zufrieden mit der Lehrerversorgung seiner Schule ist auch der Schulleiter der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule in Kirchheim, Oberstudiendirektor Norbert Häuser. Probleme im Bereich Mathe/Physik konnten behoben werden. Die Schule gewann einen Assistenten von der Uni, der nun die Fächer unterrichten wird. "Bisher sind die Kollegen in Mathe und Physik eingesprungen", berichtete Häuser. Auch in anderen Bereichen engagiert sich die Schule, um Engpässe zu beseitigen. So gibt zm Beispiel eine Lehrerin vom LUG das Fach Musik. Die Berufsschulen dürfen in Mangelfächern selbst auf die Suche nach geeigneten Lehrern gehen und die Stellen ausschreiben. Diese flexible Lösung und stärkere Mitsprache sieht auch der Geschäftsführende Schulleiter Schmid-Schippert als Vorteil. "Wir nehmen aus dem Ingenieurbereich sehr viele Direkteinsteiger auf", wobei sich viele erst noch an den Schulbetrieb gewöhnen müssen.

Am unteren Level "fährt" die Kirchheimer Max-Eyth-Schule, wie ihr Leiter, Oberstudiendirektor Erich Zeh, sagte. Sein Problem: "Wir bekommen nicht die qualifizierten Bewerber, die wir suchen." Fehlte es 2000/2001 an Informatikern, so sind nun Elektromaschinenbauer Mangelware. Die Stelle wäre vorhanden. Die Max-Eyth-Schule schaltete deshalb Anzeigen und machte sich auch im Internet auf die Suche nach einem Ingenieur mit Interesse am Schuldienst. Bislang ohne Erfolg. Die Wahl gestaltet sich schwierig, wie Erich Zeh sagte. Eine Betriebspraxis von zwei Jahren sollte ein Ingenieur für den Direkteinstieg in den Berufsschulalltag schon mitbringen.

"Unsere Lehrerversorgung ist aus besonderen Gründen recht gut", teilte Oberstudiendirektor Dieter Diehl, der Leiter der Otto-Umfrid-Schule in Nürtingen, mit. Die Schüler aus dem Kreis Göppingen gehen jetzt in die Berufsschule in Geislingen und nicht mehr, wie bisher, in die Otto-Umfrid-Schule in Nürtingen. Überhaupt ist die Berufsschule im Wandel. Die Friseurklassen kommen im Sommer 2005 nach Esslingen an die Friedrich-Ebert-Schule und Anfang 2006 ziehen die Klassen der Arzt- und Zahnarzthelferinnen sowie der Apothekenhelferinnen und Zahntechniker auf den Säer um. Dort wird aus der Otto-Umfrid-Schule und der Fritz-Ruoff-Schule eine neue berufliche Schule gebildet. "Wir haben deshalb hier eine besondere Situation", sagte Oberstudiendirektor Diehl.

Krankheitsbedingt gibt es in der Käthe-Kollwitz-Schule in Esslingen Engpässe in den Fächern Englisch und Deutsch. Unterricht muss ausfallen, fachbedingt auch in Mathe, obwohl das Kollegium versucht, durch Überstunden den Mangel zu beheben. Doch im Gegensatz zu den Grund- und Hauptschulen gibt es für die beruflichen Schulen keine Krankheitsvertreter. "Und der Markt ist wie leergefegt", bedauerte der Leiter der Käthe-Kollwitz-Schule, Oberstudiendirektor Thomas Fischle. In dieser Notsituation teilen sich seine Schule und die Fritz-Ruoff-Schule in Nürtingen eine Deutschlehrerin. Der Oberstudiendirektor schrieb die Stelle aus und hofft, sie im Februar besetzen zu können.

Ist die Lehrerversorgung an den Berufsschulen des Kreises, von Ausnahmen abgesehen, auch zufriedenstellend, so sagt dies noch lange nichts über das Bildungsniveau aus. "Die Unterrichtssituation wird immer schwieriger", klagte der Geschäftsführende Schulleiter Joachim Schmid-Schippert. "Wir sind die letzte Instanz, die noch etwas repariert." In Gesprächen mit dem Staatlichen Schulamt wollen die Pädagogen das Thema erörtern, "wie kann das Niveau an den Berufsschulen angehoben werden?" Es fehlt nicht nur an Wissen, sondern auch an sozialer Kompetenz, so der Oberstudiendirektor.