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Auf der Suche nach der Traumpartei

Bei einer rein zufälligen Umfrage des Teckboten unter angehenden Abiturienten wurde ein Zwiespalt bei den befragten Jugendlichen deutlich. Dass sie am 18. September wählen gehen wollen, steht für die Mehrheit der jungen Erstwähler zwar fest. Nur welcher Partei sie ihr Vertrauen schenken wollen und wer am besten geeignet ist, das Land zu führen, da gehen die Meinungen der Gymnasiasten auseinander.

SARAH MEDER

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KIRCHHEIM "Klar geh' ich wählen, ich will ja schließlich, dass meine Partei an die Macht kommt", erklärt

O:5080515.JP_die 18-jährige Weilheimerin Silke Uphoff. "Aber die ,Traumpartei' gibt es ja leider nicht." Wählen ist wichtig, das scheinen die meisten der jugendlichen Erstwähler zu erkennen: "Wer nicht wählen geht, darf sich dann nachher auch nicht über das Ergebnis beschweren." Wahlrecht sei Wahlpflicht, und wenn niemand wählen gehen würde, könne auch keine Demokratie funktionieren.

Eine Partei, die alle Jugendlichen gleichermaßen anspricht, scheint es nicht zu geben. Viele vertreten allerdings die Meinung, dass sieben Jahre Rot-Grün mehr als genug sind. "Ich wähle Schwarz oder Gelb, da Rot-Grün in sieben Jahren nichts Vernünftiges geändert hat", meint Tobias Mehring. "Die jetzige Regierung bringt's nicht mehr und kann die Lage nicht verbessern", stimmt ihm der Kirchheimer Tobias Wahl zu. Ob die CDU, sein Favorit bei der Wahl, das besser kann, da ist sich der 18-jährige Gymnasiast auch nicht sicher. Aber die Tatsache, dass eine Frau dann Bundeskanzlerin wäre, findet er interessant. "Mal sehen, ob die es besser macht als Schröder." Auch Silke hat vor, ihre Erststimme der CDU zu geben. "Die haben eine gute Steuerpolitik", findet sie, gibt aber zu bedenken, dass die nur für Besserverdiener geeignet sei. Jens Mäbert dagegen hält das Konzept der Union für "total falsch". "Was ich wählen werde, weiß ich noch nicht, aber auf keinen Fall die CDU", da ist er sich sicher. Überhaupt scheint der Großteil der Erstwähler mehr nach dem Ausschlussverfahren zu entscheiden. "Ich kann jetzt zwischen Pest und Cholera wählen", scherzt Simon Gäbel aus Nürtingen.

Das politische Interesse bei den Jugendlichen hält sich in Grenzen. "Zu langweilig", finden die meisten. Andere kritisieren, dass die Politiker sich viel zu kompliziert ausdrücken. "Ich versteh' oft nicht, was die mir eigentlich sagen wollen", erklärt Silke. Einigen ist es auch einfach zu anstrengend, sich in die Politik "reinzudenken". "Warum soll ich mir den Stress machen, wenn meine Stimme im Endeffekt so gut wie gar nicht zählt?" fragt sich der 18-jährige Valentin Molzahn. Deswegen halten alle Befragten es auch für sinnlos, das Wahlalter auf zum Beispiel 16 Jahre herunterzusetzen. "In dem Alter fand ich Politik todlangweilig", erklärt Manuela Krebs aus Jesingen.

Obwohl Politik nicht zu den Lieblingsthemen der Jugendlichen zu zählen scheint, versucht ein Teil wenigstens im Groben auf dem Laufenden zu sein. "Zumindest den Politik-Teil in der Zeitung lese ich regelmäßig", räumt Manuela ein. Es sei wichtig, informiert zu sein, da es entscheidend für die Zukunft sei, ob sich die Leute für die Politik interessieren oder nicht. Die Minderheit der jungen Wähler fiebert selbst mit in Sachen Politik. "Vor allem jetzt in der heißen Wahlkampfphase bin ich sehr daran interessiert", erklärt Tobias M.. Der Rest ist da weniger enthusiastisch.

Als es darum geht, was sie sich denn von einer Regierung wünschen, fällt den Jugendlichen wieder mehr ein. Vor allem Ehrlichkeit der Politiker und mehr Mitspracherecht für die Bürger stehen ganz oben auf der Prioritätenliste. "Die Politiker sollten keine leeren Versprechungen machen", bekräftigt Manuela. "Außerdem sollten sie mehr nach dem Volk und dem Land schauen, anstatt ständig zu überlegen, wie sie den anderen Parteien wieder eins reinwürgen können."

Die Verbesserung der Wirtschaftslage halten die Jugendlichen auch für besonders wichtig. "Durch Steuersenkungen könnten Firmen nach Deutschland gelockt werden. Das würde die Wirtschaft ankurbeln und Probleme wie zum Beispiel Arbeitslosigkeit könnten mehr oder weniger gelöst werden", so Tobias W.. "Mehr Arbeitsplätze", wünscht sich auch Silke "Aber ich weiß, das ist schwer zu realisieren." "Die hohen Schulden gehören auch langsam mal abgebaut", meint Manuela.

Maßnahmen wie die von der CDU befürworteten Studiengebühren hält die große Mehrheit für "ziemlich unverschämt". "Was die sich da wieder ausdenken", meint auch Silke. "Jeder muss die Chance auf eine gute Bildung haben!" Auch einem Türkeibeitritt zur EU stehen viele skeptisch gegenüber. "Das Land besitzt nicht so eine gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Ordnung wie die anderen Vollmitgliedstaaten", begründet Tobias M. seine ablehnende Haltung. "Ich finde, einem Beitritt der Türkei ist eigentlich nichts entgegenzusetzen, so lange sie alle Richtlinien der EU erfüllen und die Menschenrechte einhalten", findet dagegen Tobias W..